Berlin: Berlin-Mitte-Tiergarten-Wedding, Soldiner-/Wollankstraße
| Strategische Handlungsfelder: | Quartiermanagement |
| Inhaltliche Handlungsfelder: | Stadtteilkultur, Wertschöpfung im Gebiet |
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Der Schwerpunkt liegt im inhaltlichen Handlungsfeld. | |
I. EinleitungDer Soldiner Kiez im Stadtteil Gesundbrunnen steht in der Spannung zwischen historischem Vergnügungsviertel, rotem Arbeiterbezirk, stillem Mauer-Nischen-Dasein, einem Negativimage und neuer Identitätsfindung als multikultureller und grüner Teil des neuen Großbezirks Berlin-Mitte. Das Quartiersmanagement-Gebiet Soldiner-/Wollankstraße – der Soldiner Kiez in Berlin-Mitte ist ein am Rande der Innenstadt gelegenes, einfaches Wohn- und Mischgebiet. Der Stadtteil besteht überwiegend aus gründerzeitlicher Blockrandbebauung; eingestreut sind neuere und ältere Bestände des Sozialen Wohnungsbaus. Der von Norden nach Süden verlaufende Grünzug entlang des Pankegrabens mit seinen gut angenommenen Spiel- und Erholungsflächen und die nördlich anschließenden Grün- und Freiflächen verleihen dem Quartier eine besondere Wohnqualität. Das Gebiet erhält seinen Zuschnitt vor allem durch große Verkehrsachsen an den Rändern (Osloer Straße, S-Bahn) und die unbebauten Bereiche am Pankegrünzug, den Friedhöfen an der Wollankstraße und den Kleingartenkolonien an der oberen Koloniestraße. Im Gebiet wohnen eine hohe Anzahl Arbeitsloser und Sozialhilfeempfänger. Hinzu kommt eine ausgeprägte soziale Entmischung, da viele Bewohner mit besserem Einkommen fortziehen. Im Quartier leben seit langem und in zunehmendem Maße türkische und arabische Familien. Von den ca. 15.400 Menschen, die im Gebiet leben, sind ca. 6.400 (42%) ausländischer Nationalität. Ein Fünftel aller Bewohner ist türkischer Nationalität. Wie in vielen ähnlichen Stadtteilen verlief der damit verbundene Anstieg der nichtdeutschen Bevölkerung zunächst über viele Jahre ohne gravierende sichtbare Probleme. In den neunziger Jahren änderte sich dies. Mit der ansteigenden Arbeitslosigkeit in der Stadt, der aufgrund der wachsenden Wahlfreiheit auf dem Wohnungsmarkt zunehmenden Segregation und der sich verändernden Einzelhandelssituation in Berlin, begannen sich soziale und wirtschaftliche Defizite im Quartier zunehmend zu manifestieren. Das eigentliche historische Zentrum des Quartiers, die Soldiner Straße, erfüllt diese Funktion heute nicht mehr, vor allem aufgrund des Niedergangs im Einzelhandel. Dieser Niedergang hängt auch zusammen mit dem in einem Kilometer Entfernung entstandenen Gesundbrunnen-Center. Hier und nicht mehr im Einzelhandel der umliegenden Quartiere findet der Handel und Umsatz statt. Für den Soldiner Kiez bedeutet dies, dass einerseits ethnisch geteilte Geschäftsstrukturen entstehen. Andererseits geht zusätzlich mit steigender Arbeitslosigkeit der Wohnbevölkerung des Quartiers eine sinkende Kaufkraft für die weniger werdenden Angebote des ortsansässigen Gewerbes einher. Mit schwindender ökonomischer Basis der Zielgruppen- und Teilmärkte müssen alteingesessene Händler und Handwerker ihre Geschäftsbetriebe aufgeben. Ladenleerstand in den Erdgeschossen entsteht. So zeigen sich die Straßen mit Ladenlokalen (Soldiner und Koloniestraße) mit unterschiedlichem Gesicht: bunte, ethnisch geprägte Läden und Vereinslokale stehen im Wechsel mit Trödelläden oder Leerstand. Dieser ökonomischen Situation stehen unterschiedliche Erlebniswelten im sozio-kulturellen, religiösen und nachbarschaftlichen Umfeld gegenüber. Der wachsende Anteil von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Muttersprache wird von Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter ungeachtet ihrer jeweiligen kulturellen Herkunft negativ gewertet. Bildungsbewusste Familien – deutsche wie mittelständisch- und bildungsorientierte Migrantenfamilien – suchen sich zur Einschulung Einrichtungen außerhalb des Soldiner Quartiers oder ziehen vor der Einschulung ihrer Kinder aus dem Gebiet fort. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass die Verständigung über die Grenzen unterschiedlicher Herkunftskulturen brüchiger wird und von Unsicherheiten und Ängsten begleitet ist. Die Wertesysteme der jeweiligen Kulturen und Biographien werden in Frage gestellt oder "in fremder Umgebung" als wenig bindend erachtet. Hinzu kommt die öffentliche Brandmarkung des Quartiers durch Medien (Presse und Fernsehen) mit Fokussierung auf Überfremdung und Kriminalität, die Ängste und Animositäten zwischen den unterschiedlichen Kulturträgern verstärkt. Einkaufswagen, Müll und Hundekot auf Straßen, in Höfen und Grünanlagen, in der Panke, werden als Synonyme für auseinanderfallende soziale Bezüge in fast allen Bürgersprechstunden und Erörterungsveranstaltungen benannt. II. Entstehung und RahmenbedingungenDer Leerstand von Einzelhandelsgeschäften wurde vom Quartiersmanagement Soldiner Straße der L.I.S.T. GmbH (QM) für das Projekt Kolonie Wedding als Potenzial angesehen: Das QM bringt dabei unterschiedliche Interessenlagen zusammen: Die einen - Vermieter und Eigentümer - wollen Raum vermieten, finden aber keine Mieter und Nutzer. Die anderen – Künstler – könnten hingegen leerstehende Räume für ihre Zwecke dringend brauchen. Das Projekt bringt beiden Seiten Vorteile: Arbeitsräume und künstlerischen Freiraum für die Künstler, ungewöhnliche Aufmerksamkeit auf vormals leere Läden und den Stadtteil. Kolonie Wedding ist eines der ersten Ladenleerstandsprojekte Berlins. Grundkonzept ist, die leeren Läden an Künstler als Galerie und Arbeitsraum zu Betriebskosten zu vermieten und all diese unterschiedlich profilierten Orte einmal im Monat mit einem Programm zu öffnen. Hauptziele sind die Imageverbesserung eines zu Unrecht verrufenen Quartiers im Berliner Stadtteil Wedding und die Schaffung kultureller Angebote. Die erste Runde der Kolonie Wedding fand 2001 in neun ehemals leeren Läden mit ca. 35 beteiligten jungen KünstlerInnen statt. Seit Anfang 2002 hat sich die "Kolonie Wedding" mit monatlichen Vernissagen, Konzerten und Performances zu einer ständigen Einrichtung entwickelt und im Bezirk etabliert. 2004/05 sind ca. 20 ehemals leere Läden vermietet. Die Anzahl der Anfragen ist höher als die Anzahl der leeren Läden. Die Kolonie Wedding wird organisatorisch und finanziell von drei Säulen getragen. Daraus ergibt sich eine gemeinsame Verantwortlichkeit und ein gemeinsames Risiko, was als eine Voraussetzung für den Erfolg der Aktion angesehen wird. In Absprache mit den VermieterInnen (1. Säule) konnten KünstlerInnen (2. Säule) gegen Betriebskostenpauschalen die leerstehenden Geschäftsräume als Ateliers und Galerien anmieten. Die Künstler sind angehalten, an einem festgelegten Abend ein Mal pro Monat die Räume zu öffnen, Ausstellungen, Aufführungen, Lesungen oder Konzerte anzubieten. Das Quartiersmanagement (3. Säule) übernahm bis ca. 2004 die Vermittlung und Gesamtkoordination und finanziert die Öffentlichkeitsarbeit. Im ersten Jahr wurden die Künstler bei der Zahlung der Betriebskosten unterstützt, 2003 lief diese Förderung sukzessiv aus und wird 2004 nicht mehr gezahlt, wobei kein Substanzverlust des Projektes zu beklagen war. Seit der Gründung des Kolonie Wedding e.V. 2005 zieht sich das Quartiersmanagement weitgehend aus der Koordination heraus. Die Vermietung der Läden ist für eine Mehrzahl der Künstler die wichtigste Grundlage, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Damit ist Kolonie Wedding nicht zuletzt auch ein Instrument, um im Rahmen der Selbstbeschäftigung Arbeitsplätze zu schaffen. III. Die Kolonie-Wedding-AbendeBei den einmal pro Monat gemeinsam organisierten Aktionen stellen die KünstlerInnen ihre Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Videoinstallationen aus. Gleichzeitig gibt es ein Rahmenprogramm mit Modenschauen, Lesungen, Lifemusik, Theateraufführungen, DJs, Cocktails und Buffets. Einige Beteiligte bemühen sich um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit ihrem Umfeld. Andere Künstler suchen auch bewusst den Kontakt zu den AnwohnerInnen. Konzerte mit arabischer und türkischer Musik locken besonders die ausländischen BewohnerInnen des Quartiers an. Die BesucherInnen kommen ca. zu einem Drittel aus dem Wedding und zu zwei Dritteln aus anderen Berliner Stadtvierteln. Dass eine Mehrzahl aus ganz Berlin kommt, wird positiv beurteilt und entspricht auch einer der Intentionen der Aktion – die BesucherInnen lernen ein neues Stadtgebiet kennen, das sie im guten Fall für uninteressant gehalten und im schlechten Fall mit einem negativ behafteten Image sahen. Die Erfahrungen zeigen aber, dass diese BesucherInnen i.d.R. positiv überrascht sind. Neben den regulär stattfindenden Abenden gibt es noch Sonderveranstaltungen mit dem ansässigen Gewerbe, thematische Aktionen bzw. künstlerischen Austausch mit anderen europäischen Ländern. IV. Sonderveranstaltungen und KooperationenIn den Jahren 2004 und 2005 konnten einige sehr wichtige Schritte hin zur Etablierung des Labels "Kolonie Wedding" stadtweit aber auch international erreicht werden. Dazu gehören verschiedene Künstleraustausche mit Krakow (geplant im Herbst 2005), Mazedonien (Frühjahr 2005), mit Paris ("A Plus" bzw. "Jeune Creation"). Bei "A Plus" handelt es sich um einen Künstleraustausch zwischen der Kolonie Wedding und jungen französischen Künstlern. Auf der internationalen Kunstmesse in Paris war die Kolonie Wedding, vertreten durch den Kurator K. Paetau, die einzige Initiative, die eingeladen wurde und keine Standgebühren bezahlen mußte. Dabei gibt es ca. 1000 Bewerbungen auf 150 gebührenpflichtige Stände. Der Gegenbesuch von ca. 20 jungen französischen Künstlern war hinsichtlich der Besucherzahlen und der Qualität des Angebots ein außerordentlicher Erfolg. Im Rahmen des Projektes "Wedding meets Prag – strč prst skrz krk" (unterstützt vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds) konnten 2003 bildende Künstler und Musiker aus Prag in der Kolonie Wedding ausstellen und solche der Kolonie Wedding in Prag. Ein Ergebnis ist, daß nun ein tschechischer Künstler einen Laden in der Kolonie Wedding eröffnen konnte. Es ist interessant, daß die Künstlerschaft zunehmend internationaler wird. Projekträume wurden bisher von Künstlern aus folgenden Ländern gemietet: Tschechien, Norwegen, Rußland (2), England, Österreich, Mazedonien, Finnland, Polen, Frankreich. Besonders für die rege osteuropäische Kunstszene ist die Kolonie Wedding attraktiv geworden. Ein Zeichen des Erfolgs und der Qualität ist, dass Galerien der Kolonie Wedding seit 2004 bei den wichtigen, parallel zur zentralen Kunstmesse "Art Forum" stattfindenden Kunstschauen Berliner Kunstsalon in der Arena und "Berliner Liste" vertreten sind. Seit Herbst 2003 finden die für Berlin einzigartigen Veranstaltungen "Heller Wahnsinn – Kunst von Menschen mit Behinderung" statt. Initiativen, die sich mit Kunst und Theater von und mit Behinderten beschäftigen, können immer wieder für ein kleines Festival gewonnen werden. Bei der berlinweiten "Langen Nacht der Museen" in den Jahren 2003 und 2004 konnte die Kolonie Wedding am offiziellen Programm teilnehmen, wodurch sich die Beteiligten einer großen Öffentlichkeit präsentieren konnten. Damit ist die Kolonie Wedding der einzige Galerieverbund Berlins, der in den Kreis der etablierten Kultureinrichtungen aufgenommen wurde. Eine andere Aktivität, die sich aus der Kolonie Wedding ergeben hat, ist die "Nightart". Auf Initiative der Kolonie Wedding präsentieren sich dabei einmal im Jahr Weddinger Kunstprojekte unter dem Titel "Kunst jenseits der Mitte". Bei den Veranstaltungen "Art und Beauty" (2003) und der "Langen Nacht des Döners" (jährlich einmal seit 2002) wurde erfolgreich der Versuch unternommen, das vorhandene (ethnische) Gewerbe mit der Kolonie Wedding zu verbinden. Bei der "Art und Beauty" wurden Frisöre und Beautysalons und bei der "Langen Nacht des Döners" die lokalen Dönerfabrikanten mit Kunstaktivitäten und damit die Themen Gewerbeförderung und Kulturaktivitäten im Rahmen der kulturellen Veranstaltungen der Kolonie Wedding zusammengeführt. Besucher aus der ganzen Stadt kamen entweder zur Kolonie Wedding oder bspw. zur "Langen Nacht des Döners" und steigerten damit den Bekanntheitsgrad der jeweils Anderen. Einen sehr großen Erfolg im kulturellen Bereich konnte das Prime Time Theater für sich verbuchen. Es begann sehr klein im Rahmen der Kolonie Wedding in einem Laden in der Freienwalder Straße, konnte sich dann aber auf einer ungleich größeren Bühne im ehemaligen Umspannwerk an der Ecke Prinzenallee / Osloer Straße etablieren. Es hat in der Berliner Presse große Aufmerksamkeit erregt. Stellvertretend steht dafür sicherlich die Theater-Soap "Gutes Wedding, Schlechtes Wedding". Dieses Theater hat einen großen Freundeskreis im Wedding und sicherlich einen wichtigen Einfluß auf das sich verändernde Image des Wedding (siehe unten). V. Bisherige ErfolgeMit der Kolonie Wedding konnte dem wirtschaftlichen und psychologischen Problem leerstehender Läden entgegengewirkt werden. Die Kolonie Wedding bringt raumsuchende KünstlerInnen und raumbesitzende VermieterInnen zusammen. Kolonie Wedding ist zudem ein Projekt, das das Interesse der Wissenschaft fast von Anbeginn auf sich lenken konnte. Die hier genannten Erfolge sind nicht zuletzt das Ergebnis dieser Forschungen:
Ganzheitlichkeit und Kooperation: Die Kooperation zeigt sich durch die Vielzahl der Akteure im Kiez und in Berlin, die dieses Projekt ermöglichen und unterstützen. Kooperationen finden auf allen Ebenen statt, wie bei:
Die Ganzheitlichkeit des Projektes ist durch die ganz unterschiedlichen Ziele gekennzeichnet, wie:
Beteiligung der Betroffenen: Künstler als Betroffene des schlechten Images des Quartiers
Künstler als Betroffene von weniger werdendem Arbeitsraum in Berlin
BewohnerInnen als Betroffene des schlechten Images
Vermieter als Betroffene von Wohnungs- und Gewerbeleerstand
Nachhaltigkeit:
Innovation: Das Besondere an der Kolonie Wedding sind
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Lukas Born
Bewohnerinnen / Bewohner, Erwachsene, sonstige Zielgruppen
Künstler/innen
nein
Mittel der Bundesanstalt für Arbeit (nach (AFG/SGB III), Bund-Länder-Programm Soziale Stadt, Stiftungsgelder, Sponsoring / Spenden, sonstige private Mittel
Tragbare Kosten über Die Soziale Stadt:
Literaturhinweise / Zeitungsartikel / Websites
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Frau Nicola Boelter L.I.S.T. GmbH Koloniestraße 129 13359 Berlin Telefon: +49(0)30/4991-2541 Telefax: +49(0)30/4991-2540 |
Frau Nicola Boelter L.I.S.T. GmbH Koloniestraße 129 13359 Berlin Telefon: +49(0)30/4991-2541 Telefax: +49(0)30/4991-2540 |
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Stand: 18.10.2005 |