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soziale stadt - bundestransferstelle

Bund-Länder-Programm "Stadtteile mit
besonderem Entwicklungsbedarf - Soziale Stadt"

 

Berlin: Berlin-Mitte-Tiergarten-Wedding, Soldiner-/Wollankstraße


Kolonie Wedding

Leerstand als Potential


hochZentral(e) Handlungsfeld(er)

Strategische Handlungsfelder:Quartiermanagement
Inhaltliche Handlungsfelder:Stadtteilkultur, Wertschöpfung im Gebiet

Der Schwerpunkt liegt im inhaltlichen Handlungsfeld.

hochProjektbeschreibung

I. Einleitung


Der Soldiner Kiez im Stadtteil Gesundbrunnen steht in der Spannung zwischen historischem Vergnügungsviertel, rotem Arbeiterbezirk, stillem Mauer-Nischen-Dasein, einem Negativimage und neuer Identitätsfindung als multikultureller und grüner Teil des neuen Großbezirks Berlin-Mitte.

Das Quartiersmanagement-Gebiet Soldiner-/Wollankstraße – der Soldiner Kiez in Berlin-Mitte ist ein am Rande der Innenstadt gelegenes, einfaches Wohn- und Mischgebiet. Der Stadtteil besteht überwiegend aus gründerzeitlicher Blockrandbebauung; eingestreut sind neuere und ältere Bestände des Sozialen Wohnungsbaus. Der von Norden nach Süden verlaufende Grünzug entlang des Pankegrabens mit seinen gut angenommenen Spiel- und Erholungsflächen und die nördlich anschließenden Grün- und Freiflächen verleihen dem Quartier eine besondere Wohnqualität. Das Gebiet erhält seinen Zuschnitt vor allem durch große Verkehrsachsen an den Rändern (Osloer Straße, S-Bahn) und die unbebauten Bereiche am Pankegrünzug, den Friedhöfen an der Wollankstraße und den Kleingartenkolonien an der oberen Koloniestraße.

Im Gebiet wohnen eine hohe Anzahl Arbeitsloser und Sozialhilfeempfänger. Hinzu kommt eine ausgeprägte soziale Entmischung, da viele Bewohner mit besserem Einkommen fortziehen. Im Quartier leben seit langem und in zunehmendem Maße türkische und arabische Familien. Von den ca. 15.400 Menschen, die im Gebiet leben, sind ca. 6.400 (42%) ausländischer Nationalität. Ein Fünftel aller Bewohner ist türkischer Nationalität.
Wie in vielen ähnlichen Stadtteilen verlief der damit verbundene Anstieg der nichtdeutschen Bevölkerung zunächst über viele Jahre ohne gravierende sichtbare Probleme. In den neunziger Jahren änderte sich dies. Mit der ansteigenden Arbeitslosigkeit in der Stadt, der aufgrund der wachsenden Wahlfreiheit auf dem Wohnungsmarkt zunehmenden Segregation und der sich verändernden Einzelhandelssituation in Berlin, begannen sich soziale und wirtschaftliche Defizite im Quartier zunehmend zu manifestieren.

Das eigentliche historische Zentrum des Quartiers, die Soldiner Straße, erfüllt diese Funktion heute nicht mehr, vor allem aufgrund des Niedergangs im Einzelhandel. Dieser Niedergang hängt auch zusammen mit dem in einem Kilometer Entfernung entstandenen Gesundbrunnen-Center. Hier und nicht mehr im Einzelhandel der umliegenden Quartiere findet der Handel und Umsatz statt. Für den Soldiner Kiez bedeutet dies, dass einerseits ethnisch geteilte Geschäftsstrukturen entstehen. Andererseits geht zusätzlich mit steigender Arbeitslosigkeit der Wohnbevölkerung des Quartiers eine sinkende Kaufkraft für die weniger werdenden Angebote des ortsansässigen Gewerbes einher. Mit schwindender ökonomischer Basis der Zielgruppen- und Teilmärkte müssen alteingesessene Händler und Handwerker ihre Geschäftsbetriebe aufgeben. Ladenleerstand in den Erdgeschossen entsteht. So zeigen sich die Straßen mit Ladenlokalen (Soldiner und Koloniestraße) mit unterschiedlichem Gesicht: bunte, ethnisch geprägte Läden und Vereinslokale stehen im Wechsel mit Trödelläden oder Leerstand.

Dieser ökonomischen Situation stehen unterschiedliche Erlebniswelten im sozio-kulturellen, religiösen und nachbarschaftlichen Umfeld gegenüber. Der wachsende Anteil von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Muttersprache wird von Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter ungeachtet ihrer jeweiligen kulturellen Herkunft negativ gewertet. Bildungsbewusste Familien – deutsche wie mittelständisch- und bildungsorientierte Migrantenfamilien – suchen sich zur Einschulung Einrichtungen außerhalb des Soldiner Quartiers oder ziehen vor der Einschulung ihrer Kinder aus dem Gebiet fort. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass die Verständigung über die Grenzen unterschiedlicher Herkunftskulturen brüchiger wird und von Unsicherheiten und Ängsten begleitet ist. Die Wertesysteme der jeweiligen Kulturen und Biographien werden in Frage gestellt oder "in fremder Umgebung" als wenig bindend erachtet.

Hinzu kommt die öffentliche Brandmarkung des Quartiers durch Medien (Presse und Fernsehen) mit Fokussierung auf Überfremdung und Kriminalität, die Ängste und Animositäten zwischen den unterschiedlichen Kulturträgern verstärkt. Einkaufswagen, Müll und Hundekot auf Straßen, in Höfen und Grünanlagen, in der Panke, werden als Synonyme für auseinanderfallende soziale Bezüge in fast allen Bürgersprechstunden und Erörterungsveranstaltungen benannt.

II. Entstehung und Rahmenbedingungen


Der Leerstand von Einzelhandelsgeschäften wurde vom Quartiersmanagement Soldiner Straße der L.I.S.T. GmbH (QM) für das Projekt Kolonie Wedding als Potenzial angesehen: Das QM bringt dabei unterschiedliche Interessenlagen zusammen: Die einen - Vermieter und Eigentümer - wollen Raum vermieten, finden aber keine Mieter und Nutzer. Die anderen – Künstler – könnten hingegen leerstehende Räume für ihre Zwecke dringend brauchen. Das Projekt bringt beiden Seiten Vorteile: Arbeitsräume und künstlerischen Freiraum für die Künstler, ungewöhnliche Aufmerksamkeit auf vormals leere Läden und den Stadtteil.
Kolonie Wedding ist eines der ersten Ladenleerstandsprojekte Berlins. Grundkonzept ist, die leeren Läden an Künstler als Galerie und Arbeitsraum zu Betriebskosten zu vermieten und all diese unterschiedlich profilierten Orte einmal im Monat mit einem Programm zu öffnen. Hauptziele sind die Imageverbesserung eines zu Unrecht verrufenen Quartiers im Berliner Stadtteil Wedding und die Schaffung kultureller Angebote.
Die erste Runde der Kolonie Wedding fand 2001 in neun ehemals leeren Läden mit ca. 35 beteiligten jungen KünstlerInnen statt. Seit Anfang 2002 hat sich die "Kolonie Wedding" mit monatlichen Vernissagen, Konzerten und Performances zu einer ständigen Einrichtung entwickelt und im Bezirk etabliert. 2004/05 sind ca. 20 ehemals leere Läden vermietet. Die Anzahl der Anfragen ist höher als die Anzahl der leeren Läden.
Die Kolonie Wedding wird organisatorisch und finanziell von drei Säulen getragen. Daraus ergibt sich eine gemeinsame Verantwortlichkeit und ein gemeinsames Risiko, was als eine Voraussetzung für den Erfolg der Aktion angesehen wird. In Absprache mit den VermieterInnen (1. Säule) konnten KünstlerInnen (2. Säule) gegen Betriebskostenpauschalen die leerstehenden Geschäftsräume als Ateliers und Galerien anmieten. Die Künstler sind angehalten, an einem festgelegten Abend ein Mal pro Monat die Räume zu öffnen, Ausstellungen, Aufführungen, Lesungen oder Konzerte anzubieten. Das Quartiersmanagement (3. Säule) übernahm bis ca. 2004 die Vermittlung und Gesamtkoordination und finanziert die Öffentlichkeitsarbeit. Im ersten Jahr wurden die Künstler bei der Zahlung der Betriebskosten unterstützt, 2003 lief diese Förderung sukzessiv aus und wird 2004 nicht mehr gezahlt, wobei kein Substanzverlust des Projektes zu beklagen war. Seit der Gründung des Kolonie Wedding e.V. 2005 zieht sich das Quartiersmanagement weitgehend aus der Koordination heraus.

Die Vermietung der Läden ist für eine Mehrzahl der Künstler die wichtigste Grundlage, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Damit ist Kolonie Wedding nicht zuletzt auch ein Instrument, um im Rahmen der Selbstbeschäftigung Arbeitsplätze zu schaffen.

III. Die Kolonie-Wedding-Abende


Bei den einmal pro Monat gemeinsam organisierten Aktionen stellen die KünstlerInnen ihre Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Videoinstallationen aus. Gleichzeitig gibt es ein Rahmenprogramm mit Modenschauen, Lesungen, Lifemusik, Theateraufführungen, DJs, Cocktails und Buffets. Einige Beteiligte bemühen sich um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit ihrem Umfeld. Andere Künstler suchen auch bewusst den Kontakt zu den AnwohnerInnen. Konzerte mit arabischer und türkischer Musik locken besonders die ausländischen BewohnerInnen des Quartiers an.
Die BesucherInnen kommen ca. zu einem Drittel aus dem Wedding und zu zwei Dritteln aus anderen Berliner Stadtvierteln. Dass eine Mehrzahl aus ganz Berlin kommt, wird positiv beurteilt und entspricht auch einer der Intentionen der Aktion – die BesucherInnen lernen ein neues Stadtgebiet kennen, das sie im guten Fall für uninteressant gehalten und im schlechten Fall mit einem negativ behafteten Image sahen. Die Erfahrungen zeigen aber, dass diese BesucherInnen i.d.R. positiv überrascht sind. Neben den regulär stattfindenden Abenden gibt es noch Sonderveranstaltungen mit dem ansässigen Gewerbe, thematische Aktionen bzw. künstlerischen Austausch mit anderen europäischen Ländern.

IV. Sonderveranstaltungen und Kooperationen


In den Jahren 2004 und 2005 konnten einige sehr wichtige Schritte hin zur Etablierung des Labels "Kolonie Wedding" stadtweit aber auch international erreicht werden. Dazu gehören verschiedene Künstleraustausche mit Krakow (geplant im Herbst 2005), Mazedonien (Frühjahr 2005), mit Paris ("A Plus" bzw. "Jeune Creation"). Bei "A Plus" handelt es sich um einen Künstleraustausch zwischen der Kolonie Wedding und jungen französischen Künstlern. Auf der internationalen Kunstmesse in Paris war die Kolonie Wedding, vertreten durch den Kurator K. Paetau, die einzige Initiative, die eingeladen wurde und keine Standgebühren bezahlen mußte. Dabei gibt es ca. 1000 Bewerbungen auf 150 gebührenpflichtige Stände. Der Gegenbesuch von ca. 20 jungen französischen Künstlern war hinsichtlich der Besucherzahlen und der Qualität des Angebots ein außerordentlicher Erfolg.
Im Rahmen des Projektes "Wedding meets Prag – strč prst skrz krk" (unterstützt vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds) konnten 2003 bildende Künstler und Musiker aus Prag in der Kolonie Wedding ausstellen und solche der Kolonie Wedding in Prag. Ein Ergebnis ist, daß nun ein tschechischer Künstler einen Laden in der Kolonie Wedding eröffnen konnte.
Es ist interessant, daß die Künstlerschaft zunehmend internationaler wird. Projekträume wurden bisher von Künstlern aus folgenden Ländern gemietet: Tschechien, Norwegen, Rußland (2), England, Österreich, Mazedonien, Finnland, Polen, Frankreich. Besonders für die rege osteuropäische Kunstszene ist die Kolonie Wedding attraktiv geworden.


Ein Zeichen des Erfolgs und der Qualität ist, dass Galerien der Kolonie Wedding seit 2004 bei den wichtigen, parallel zur zentralen Kunstmesse "Art Forum" stattfindenden Kunstschauen Berliner Kunstsalon in der Arena und "Berliner Liste" vertreten sind.

Seit Herbst 2003 finden die für Berlin einzigartigen Veranstaltungen "Heller Wahnsinn – Kunst von Menschen mit Behinderung" statt. Initiativen, die sich mit Kunst und Theater von und mit Behinderten beschäftigen, können immer wieder für ein kleines Festival gewonnen werden.
Bei der berlinweiten "Langen Nacht der Museen" in den Jahren 2003 und 2004 konnte die Kolonie Wedding am offiziellen Programm teilnehmen, wodurch sich die Beteiligten einer großen Öffentlichkeit präsentieren konnten. Damit ist die Kolonie Wedding der einzige Galerieverbund Berlins, der in den Kreis der etablierten Kultureinrichtungen aufgenommen wurde.
Eine andere Aktivität, die sich aus der Kolonie Wedding ergeben hat, ist die "Nightart". Auf Initiative der Kolonie Wedding präsentieren sich dabei einmal im Jahr Weddinger Kunstprojekte unter dem Titel "Kunst jenseits der Mitte".

Bei den Veranstaltungen "Art und Beauty" (2003) und der "Langen Nacht des Döners" (jährlich einmal seit 2002) wurde erfolgreich der Versuch unternommen, das vorhandene (ethnische) Gewerbe mit der Kolonie Wedding zu verbinden. Bei der "Art und Beauty" wurden Frisöre und Beautysalons und bei der "Langen Nacht des Döners" die lokalen Dönerfabrikanten mit Kunstaktivitäten und damit die Themen Gewerbeförderung und Kulturaktivitäten im Rahmen der kulturellen Veranstaltungen der Kolonie Wedding zusammengeführt. Besucher aus der ganzen Stadt kamen entweder zur Kolonie Wedding oder bspw. zur "Langen Nacht des Döners" und steigerten damit den Bekanntheitsgrad der jeweils Anderen.

Einen sehr großen Erfolg im kulturellen Bereich konnte das Prime Time Theater für sich verbuchen. Es begann sehr klein im Rahmen der Kolonie Wedding in einem Laden in der Freienwalder Straße, konnte sich dann aber auf einer ungleich größeren Bühne im ehemaligen Umspannwerk an der Ecke Prinzenallee / Osloer Straße etablieren. Es hat in der Berliner Presse große Aufmerksamkeit erregt. Stellvertretend steht dafür sicherlich die Theater-Soap "Gutes Wedding, Schlechtes Wedding". Dieses Theater hat einen großen Freundeskreis im Wedding und sicherlich einen wichtigen Einfluß auf das sich verändernde Image des Wedding (siehe unten).

V. Bisherige Erfolge


Mit der Kolonie Wedding konnte dem wirtschaftlichen und psychologischen Problem leerstehender Läden entgegengewirkt werden. Die Kolonie Wedding bringt raumsuchende KünstlerInnen und raumbesitzende VermieterInnen zusammen.
Kolonie Wedding ist zudem ein Projekt, das das Interesse der Wissenschaft fast von Anbeginn auf sich lenken konnte. Die hier genannten Erfolge sind nicht zuletzt das Ergebnis dieser Forschungen:
  • Instandhaltung der Läden und Aufwertung des Straßenbildes und damit
  • Standortmarketing und -profilierung
  • Belebung des Quartiers
  • Schaffung von Arbeitsplätzen im Rahmen der Selbstbeschäftigung
  • Imageaufwertung des "trostlosen" Arbeiterbezirkes gerade in jüngeren Bevölkerungskreisen [Zitat Stadtteilmagazin "Zitty" (Herbst 2004): "Der Wedding wird neuer Szene-Hotspot Berlins"]
  • Zuzug einer neuen studentischen Bewohnerschaft
  • vereinfachte Vermietung von Wohnungen im Gebiet
  • Initiierung von bewohnergetragenen kulturellen Aktivitäten
  • stärkere Identifikation der Beteiligten mit ihrem Quartier

Ganzheitlichkeit und Kooperation:
Die Kooperation zeigt sich durch die Vielzahl der Akteure im Kiez und in Berlin, die dieses Projekt ermöglichen und unterstützen. Kooperationen finden auf allen Ebenen statt, wie bei:
  • dem Aufbau und Funktionieren der Struktur der Kolonie zwischen Künstlern, Wohnungsbaugesellschaften und Quartiersmanagement
  • der Durchführung der Kunstabende: Kooperation mit befreundeten Künstlern und Künstlern der Kolonie Wedding
  • der Durchführung von Sonderveranstaltungen mit Gewerbetreibenden wie der "Langen Nacht des Döners" oder "Art & Beauty"
  • kulturellen Austauschprojekten (z.B. "Wedding meets Prag") mit dem bezirklichen Kulturamt, externen Sponsoren, Stiftungen und Kulturzentren
  • der Etablierung eines Wedding weiten Images unter dem Motto "Der Wedding kommt anders" zwischen den meisten Kulturbetrieben aus Gesamt-Wedding (160.000 EW)

Die Ganzheitlichkeit des Projektes ist durch die ganz unterschiedlichen Ziele gekennzeichnet, wie:
  • die Imageverbesserung des Kiezes
  • die positive Öffentlichkeitsarbeit
  • die Etablierung von kulturellen Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen
  • die Vermietung von Leerstand auf Zwischennutzungsbasis,
  • die Verbesserung des Straßenbildes durch das Verschwinden von Leerstand,
  • das kurzfristige Heranziehen einer neuen z.B. studentischen Besucher- und
  • das langfristige Heranziehen einer neuen studentischen Bewohnerschaft
  • die im Zusammenhang mit den gewerbefördernden Kooperationsprojekten der Kolonie Wedding wozu auch Standortmarketing und –profilierung gehören

Beteiligung der Betroffenen:
Künstler als Betroffene des schlechten Images des Quartiers
  • Erst durch das Vorhandensein der Kolonie Wedding durch Künstler von außen sind Künstler aus dem Wedding auf die Kolonie gestoßen und beteiligen sich nun besonders stark für "ihren verkannten" Wedding – zurzeit. kommt die Hälfte der Künstler aus Wedding.
  • Durch verschiedene Projekte setzen sich die Künstler mit dem Quartier auseinander und schaffen dadurch Netzwerke (Kunst in der Kirche, im Friseursalon, Wandbildgestaltung).
  • Die Künstler nehmen seit der Gründung des Vereins Kolonie Wedding die Geschicke der Kulturarbeit selbst in die Hand.

Künstler als Betroffene von weniger werdendem Arbeitsraum in Berlin
  • Das Potential an Leerstand wird als Freiraum für die Künstler genutzt.

BewohnerInnen als Betroffene des schlechten Images
  • nehmen das Projekt nach Umfragen positiv auf (als Besucher und als Außenstehende),
  • profitierten durch Belebung des Quartiers und Aufwertung des Straßenbildes sowie die Imageverbesserung ("hier tut sich was") und
  • wurden durch die Dynamik der Kolonie Wedding selbst zu AkteurenInnen.

Vermieter als Betroffene von Wohnungs- und Gewerbeleerstand
  • Der Gewerbeleerstand kann in großem Maßstab vermieden werden.
  • Die DEGEWO (Deutsche Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaues AG), die für die Kolonie Wedding der wichtigste Kooperationspartner ist, hat sich 2004 zu diesem Projekt aktiv bekannt. Der Vorstand (Frank Bielka) hat das Projekt mehrmals besichtigt und betrachtet es nun als Best Practice Modell in seinem Hause. Dies zeigt sich auch daran, dass die Kolonie Wedding eines der Vorbilder für die Initiative der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und des Hauptausschusses war, die das Ziel hatte, Alternativen zum senatsgeförderten Atelierprogramm aufzuzeigen. Die Kolonie Wedding war sicherlich auch nicht ohne Einfluß auf die Entscheidung der DEGEWO, im Winter 2004 die Aktion "Wedding Dress" im Brunnenviertel zu beginnen, die ähnlich wie im Soldiner Kiez die leeren Gewerberäume vom Problem zum Potential werden ließ.
  • Ein weiterer Beweis dafür, daß die DEGEWO das stadtentwicklungspolitische Potential der Kolonie Wedding erkannt hat, ist die Aktion "Studentenwohnen" (2004 und 2005). Hier werden lange Zeit unvermietete Wohnungen zur Hälfte des Preises angeboten. 2004 kamen ca. 80 Studenten ins Gebiet. Laut DEGEWO war diese stadtweit durchgeführte Aktion ein besonderer Erfolg im Soldiner Kiez. Die Studenten und andere Neuankömmlinge wurden parallel mit einem Willkommenspaket begrüßt. Kolonie Wedding hat damit auch das Ziel erreicht, nicht nur kurzzeitig viele Besucher, sondern auch langfristig neue Bewohner, mehrheitlich Studenten, anzuziehen.

Nachhaltigkeit:
  • Die Kolonie Wedding konnte sich von einer temporären Aktion zu einer ständigen kulturellen Einrichtung entwickeln.
  • Ungenutzte Ressourcen des Quartiers wurden neu entdeckt und genutzt – Leerstand als Potential.
  • Die Kolonie Wedding kann sich nach einer Anschubfinanzierung nun finanziell selbst tragen: Nach anfänglicher Unterstützung bei den Betriebskosten durch das Quartiersmanagement kommen die KünstlerInnen nun selbst dafür auf. Nach dem Wegfall der Betriebskostenförderung blieb die Anzahl der Läden bestehen. Es liegen mehr Anfragen für freie Läden vor als Angebote.
  • Der Zusammenschluß der Künstler bereitet die Vereinsgründung vor, um in den nächsten Jahren als Rechtsperson eigenständig handlungsfähiger zu werden.
  • Das Vorhandensein und der Erfolg der Kolonie Wedding war ein Grund für die Initiierung des kulturwirtschaftlichen Gründerzentrums Christiania ( www.christiania.de ) in einem Umspannwerk aus den 1920er Jahren 2005.

Innovation:
Das Besondere an der Kolonie Wedding sind
  • die langfristige Etablierung, die Beteiligung unterschiedlichster AkteurInnen und die Vielfalt der kulturellen Aktionen
  • die Schaffung eines attraktiven Angebotes an preiswertem Raum bzw. organisatorischer Unterstützung und Öffentlichkeitsarbeit, das eine große Anzahl von Künstlern in ein Gebiet zieht, in das sie ansonsten nicht gekommen wären
  • die gemeinsame Organisation der Kolonie Wedding als Ergebnis der hervorragenden Zusammenarbeit der DEGEWO als Vermieter, der Künstler und des Quartiersmanagements als Vermittler
  • die Kolonie-Wedding-Abende, die jeden Monat stattfinden, manchmal unter einem bestimmten Themenschwerpunkt, wobei die KünstlerInnen Organisationsaufwand einsparen und die BesucherInnen an einem Abend unterschiedlichste Kunst- und Kulturangebote nutzen können
  • die Zusammenführung von Gewerbeförderung und Kunstaktivitäten bei der "Langen Nacht des Döners"


Alle Abbildungen zu diesem Beitrag
Woman Aircrafts - In Art im GAD

Woman Aircrafts - In Art im GAD
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Lichtinstallation im GAD

Lichtinstallation im GAD
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Krotaische Kunst im GAD

Krotaische Kunst im GAD
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

tour de galerie vor Gold

tour de galerie vor Gold
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Party Lieteraturwerkstatt im Gold

Party Lieteraturwerkstatt im Gold
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Performance im spor klübü

Performance im spor klübü
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Konfrontation Kunst aus Polen im spor klübü

Konfrontation Kunst aus Polen im spor klübü
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Konfrontation Kunst aus Polen im visuelle

Konfrontation Kunst aus Polen im visuelle
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Der helle wahnsinn im Glaskasten

Der helle wahnsinn im Glaskasten
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Der helle wahnsinn im Glaskasten

Der helle wahnsinn im Glaskasten
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Der helle wahnsinn im Glaskasten

Der helle wahnsinn im Glaskasten
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Der helle wahnsinn im Glaskasten

Der helle wahnsinn im Glaskasten
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Prime Time Theater

Prime Time Theater
Copyright: Prime Time Theater

Prime Time Theater- Gutes Wedding - Schlechtes Wedding

Prime Time Theater- Gutes Wedding - Schlechtes Wedding
Copyright: Prime Time Theater

improvisation - tanz und sax im kunstgut

improvisation - tanz und sax im kunstgut
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Kunst und Musik im Artport

Kunst und Musik im Artport
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Konzert im edienhof

Konzert im edienhof
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Weihnachtsinstallation Galerie alii et alii

Weihnachtsinstallation Galerie alii et alii
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Junge Kunst aus Kroatien

Junge Kunst aus Kroatien
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

Jovan Balov Galerie Prima Center

Jovan Balov Galerie Prima Center
Copyright: Matthias von Hoff, Berlin

hochAutor der Projektbeschreibung

Lukas Born

hochZielgruppe

Bewohnerinnen / Bewohner, Erwachsene, sonstige Zielgruppen

hochErläuterungen Zielgruppe

Künstler/innen

 

hochGenderaspekt

nein

hochFinanzierung

Mittel der Bundesanstalt für Arbeit (nach (AFG/SGB III), Bund-Länder-Programm Soziale Stadt, Stiftungsgelder, Sponsoring / Spenden, sonstige private Mittel

hochErläuterungen Finanzierung

Tragbare Kosten über Die Soziale Stadt:
  • PR- und Öffentlichkeitsarbeit: Druck von Programmkarten, Erstellen und Pflege der Internetseite, Kontakt zur Presse, Pflege eines Emailverteilers: 25.185 Euro
  • Unterstützung der KünstlerInnen bei den Betriebskosten 2001 - Ende 2003: 22.607 Euro
  • Sachmittel für Künstler: 14.129 €
  • Dokumentation und Film über Kolonie Wedding: 6.349 €
  • Gesamtkosten: 68.270 Euro im Zeitraum Mai 2001 bis Ende 2004. Dies sind die Kosten, die über das Programm Soziale Stadt geflossen sind. Weitaus höher sind die Gelder, die von Künstlern an Betriebskosten und Sachmitteln gezahlt wurden sowie von anderen Fördergebern in das Projekt geflossen sind.

Seit 2005 können 3 Mitarbeiter über eine ABM-Stelle für das Projekt arbeiten.

Für alle Austauschprojekte oder Sonderveranstaltungen wurden Sponsoren- und Stiftungsgelder eingeworben.

 

hochProjektträger

  • Initiator und Koordinator seit 2001: L.I.S.T. GmbH (Quartiersmanagement Soldiner Straße)
  • Seit 2005: Kolonie Wedding e.V.

hochProjektbeteiligte

Ladenvermieter:
  • DEGEWO (Potsdamer Str. 60, 10785 Berlin, 030.26485 – 0, DEGEWO@degewo-ag.de, www.degewo-ag.de)
  • GESOBAU (Wilhelmsruher Damm 142, 13439 Berlin, 030.4073 - 0, info@gesobau.de, http://www.gesobau.de/), in der Frühphase auch andere private Hauseigentümer

hochLaufend seit

Juni 2001

hochVoraussichtliches Projektende

fortlaufend

 

hochLiteraturhinweise / Zeitungsartikel / Websites

  • www.koloniewedding.de mit Pressespiegel
    www.koloniewedding.de
  • Liste wissenschaftlicher Arbeiten / Abschlussarbeiten über Kolonie Wedding
  • Mayer, Stephan N., Kulturelle Zwischennutzung im Leerstand und ihre Imagewirkung auf den Stadtteil. "Events vs. Institution" – Eine Gegenüberstellung von zwei Berliner Beispielen. Diplomarbeit an der TU Wien am Institut für Soziologie in der Raumplanung und Raumordnung und Architektur, 2004
  • Hauptstudienprojekt TU Berlin unter der Leitung von Simon Güntner 2003: LadenLokalKultur. Institut für Stadt- und Regionalplanung und des Institutes für Soziologie an der TU Berlin
  • Bauer, Matthias; Boelter, Nicola; Eichstädt, Ingo; Krebs, Michael; Hikl, Sabine, PR-Kampagne für das Kunstprojekt Kolonie Wedding. Abschlussarbeit der Qualifizierung als PR-Referent/in bei der Pixelapostel GmbH, 2002
  • Güntner, S.; Geyler, C.; Ingenschay, C.; Maufrais, K.; Sophianos, S., Kunst im Leerstand – Temporäre Nutzungen und ihr Beitrag für die Quartiersentwicklung. In: Altrock et. al. (Hrsg.): Jahrbuch Stadterneuerung 2003. S.341-355, 2003

hochAnsprechpartner

Projektebene Gebietsebene
Frau  Nicola Boelter
L.I.S.T. GmbH
Koloniestraße 129
13359 Berlin
Telefon: +49(0)30/4991-2541
Telefax: +49(0)30/4991-2540

Frau  Nicola Boelter
L.I.S.T. GmbH
Koloniestraße 129
13359 Berlin
Telefon: +49(0)30/4991-2541
Telefax: +49(0)30/4991-2540

Stand: 18.10.2005

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