Vorbemerkungen 
Meinen Vortrag möchte ich in wenigen Worten mit der Vorstellung unseres
Unternehmens beginnen, in dem ich einer von zwei Geschäftsführern bin.
Danach werde ich kurz in zweifacher Form zu den veränderten Rahmenbedingungen
in der Wohnungswirtschaft Stellung nehmen. Zum einen wird es um die demographischen
Rahmenbedingungen und ihre Veränderungen gehen. Hierbei wird es sich um
Inhalte handeln, die Sie hinreichend kennen - ich werde somit keinen Ersatzstatistikvortrag
halten, aber die Thematik ein Stück weit auf Bochum und unsere Kernregion
des Ruhrgebiets herunterbrechen. Zum anderen werde ich aber auch zu den
Veränderungen im unternehmerischen Bereich der Wohnungswirtschaft Stellung
beziehen.
Eine kurze Anmerkung werde ich noch zum Thema "Akteure in der Wohnungswirtschaft"
machen - mit speziellem Bezug zu den Stadtteilen. Des Weiteren werde ich
das Thema "Ansätze für wohnungspolitische Konzepte" - generell und im
Stadtteil - aufgreifen und wie diese Ansätze aus meiner Sicht wohnungswirtschaftlich
vorrang bisher gesehen werden. Mit der Überleitung zur lokalen Ökonomie
schließlich werde ich mich zum Thema "Projekte zur Stabilisierung von
Quartieren" äußern und abschließend ein kurzes Fazit ziehen
(vgl. Abb. 2).
Die VBW, ein Immobilienunternehmen im Ruhrgebiet, ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft
der großen Wohnungsunternehmen in Deutschland - in diesem Rahmen gehören
wir aber sicherlich zu den eher kleineren Akteuren.Die VBW, ein Immobilienunternehmen
im Ruhrgebiet, ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der großen Wohnungsunternehmen
in Deutschland - in diesem Rahmen gehören wir aber sicherlich zu den eher
kleineren Akteuren.
Unser Bestand innerhalb des Gesamtunternehmens beträgt rund 20 000 Wohnungen.
Wir agieren im Wesentlichen auf dem lokalen Markt. In Bochum selbst und
in den Nachbarstädten befinden sich nahezu 100 Prozent unseres gesamten
Wohnungsbestands. Daneben gibt es einen hohen Teil von Wohnungsfremdbestand,
den wir managen.
Wir sind zudem kein allzu großer, aber immerhin in der Produktion von
50 Wohneinheiten pro Jahr im Bauträgergeschäft leistungsfähiger Partner
in der Stadt Bochum und im Einzugsbereich. In letzter Zeit agieren wir
stärker auch im Bereich der Errichtung von gewerblichen Immobilien - vor
allen Dingen auch für Existenzgründer und junge Unternehmen. Im Technologiequartier
in Bochum werden z.B. mehrere Objekte von uns errichtet
(vgl. Abb. 4).
Wir halten weiterhin eine qualifizierte Beteiligung an der WSG in Düsseldorf,
einem kleinen Wohnungsunternehmen, welches uns aber ein Engagement im
ganzen Land erlaubt.
Noch ein Blick auf die Gesellschafterstruktur - das führt dann auch zum
Thema Selbstverständnis. Die Stadt Bochum hält noch 49 Prozent, das heißt,
die Diskussion um eine (Teil-)Veräußerung kommunaler Unternehmen ist hier
schon vor Jahren ergebnisorientiert abgeschlossen worden, lange bevor
es die aktuelle Diskussion gab. Die restlichen 51 Prozent werden von anderen
Gesellschaften gehalten - vorrangig von industrieverbundenen Immobilienunternehmen
aus dem Ruhrgebiet, wie Viterra, Harpen und Thyssen-Krupp.
Veränderung der demographischen Rahmenbedingungen 
Das Themenfeld "Veränderungen der Rahmensbedingungen" will ich kurz halten
und es anderen überlassen, die sich hier besser auskennen, wie z.B. Herrn
Professor Brockmeyer von der RUB. Letzte Woche überraschte er in einem
Vortrag in anderem Rahmen seine Zuhörer mit der kritischen Frage, im jeweils
wievielten Haushalt in der Stadt Essen man Kinder antreffe. Ich will Sie
jetzt nicht raten lassen - in jedem 13. Haushalt. Fürwahr, eine denkwürdige
Zahl für das Thema Überalterung.
Zurück zur Bochumer Situation, die sich auf Grund der Lage der Stadt
und ihrer zentralörtlichen Rolle ein wenig von anderen Kernstädten des
Reviers unterscheidet - z.B. bzgl. der Stadt-Umland-Wanderungen.
Was den Bevölkerungsrückgang angeht, stellt Bochum immerhin keine Ausnahme
gegenüber anderen Kernstädten des Ruhrgebiets dar. In der Zeit von 1970
bis zum Jahr 2000 hat die Stadt über 10 Prozent ihrer Einwohnerzahl verloren.
Die kleine Nachbarstadt Sprockhövel im Ennepe-Ruhr-Kreis hat demgegenüber
29 Prozent an Einwohnern zugelegt. Wenn Sie die aktuellen, offiziellen
Prognosen der Bevölkerungsentwicklung sehen, dann wird Bochum von zurzeit
knapp 400 000 bis zum Jahr 2015 noch mal ungefähr 26 000 Einwohner verlieren,
das heißt, diese Menschen fehlen bei der Wohnungsnachfrage.Was den Bevölkerungsrückgang
angeht, stellt Bochum immerhin keine Ausnahme gegenüber anderen Kernstädten
des Ruhrgebiets dar. In der Zeit von 1970 bis zum Jahr 2000 hat die Stadt
über 10 Prozent ihrer Einwohnerzahl verloren. Die kleine Nachbarstadt
Sprockhövel im Ennepe-Ruhr-Kreis hat demgegenüber 29 Prozent an Einwohnern
zugelegt. Wenn Sie die aktuellen, offiziellen Prognosen der Bevölkerungsentwicklung
sehen, dann wird Bochum von zurzeit knapp 400 000 bis zum Jahr 2015 noch
mal ungefähr 26 000 Einwohner verlieren, das heißt, diese Menschen fehlen
bei der Wohnungsnachfrage.
Die aktuellen Zahlen der Wanderungsbilanzen sehen ein bisschen differenzierter
aus. Den klassischen Umlandeffekt können Sie in den Zahlen der Jahre 1998
und 2000 so nicht wieder finden. Wir haben Negativsalden mit Städten,
die keineswegs zur Ballungsrandzone zählen, und Wanderungsgewinne in Richtung
von Städten, bei denen man das auch nicht vermutet
(vgl. Abb. 6). Das ist aber eine Momentaufnahme, die man teilweise
mit bestimmten Entscheidungsparametern der weg- und zuziehenden Haushalte
erklären kann.
Das Bochumer Mietniveau z.B. befindet sich im Ruhrgebietskernstadtvergleich
mit einem Index von 100 direkt hinter dem Spitzenreiter Essen. Zuwanderungsgewinne
von Städten im Kern des Reviers können offenbar zumindest teilweise mit
deren niedrigerem Mietniveau erklärt werden. Das gilt dann auch für Städte
wie Herne und Castrop-Rauxel, zumal einige Teile dieser Städte (z.B. der
Süden von Herne mit dem Gysenbergpark und auch einige Teile von Castrop-Rauxel)
gerade zu den bevorzugten Gegenden gehören, die unmittelbar an Bochum
grenzen
(vgl. Abb. 7).
Eine zweite Erklärungskomponente betrifft die Baulandpreise, die in letzter
Zeit in Form entsprechender Baulandprogramme in den Großstädten politisch
diskutiert werden. Sie beziehen sich darauf, wie die jungen, dynamischen
Haushalte durch entsprechende Mobilisierungsprogramme für Bauland in der
Stadt gehalten werden können. Diese Thematik umfasst nicht nur die aktuellen
Niveauunterschiede der Baulandpreise zwischen Kernstadt und Umland, sondern
auch deren Entwicklung. Wenn Sie die "rote Zickzacklinie" für Bochum verfolgen
(siehe Abb. 8), scheint die Entwicklung gegenüber den Nachbarpreisen noch
weiter auseinander zu driften. Das ist natürlich ein Gesichtspunkt, der
auch der Stadtentwicklungspolitik in Sachen Baulandausweisung zu denken
geben muss. In einigen Kernstädten des Reviers, wie Essen und Dortmund,
sind entsprechende Offensiven zu Baulandausweisungen angelaufen. Ob sie
die gesetzten Ziele schon erreichen oder noch erreichen werden, sei dahingestellt.
In Bochum steht ein solcher Prozess in der politischen Debatte jedenfalls
noch aus.
Ein weiterer Gesichtspunkt, der eine große Rolle spielt, befasst sich
weniger mit rein quantitativen Veränderungen, sondern bezieht sich auf
strukturelle Veränderungen. Am Beispiel der Stadt Essen möchte ich diese
strukturellen Abwanderungen bzw. Veränderungen kurz darstellen, weil für
Essen die besten stadtstatistischen Daten vorliegen und Teile der Ergebnisse
sicher auf Bochum übertragbar sind
(vgl. Abb. 9).
In diesem Zusammenhang möchte ich auf zwei Parameter hinweisen, die zeigen,
welche Veränderungen passieren. Hierbei handelt es sich zum einen um die
Nachfrage nach bestimmten Wohnungstypen. Die Abwanderer verändern nicht
nur ihren Wohnstandort, sie verändern auch ihr Wohnniveau - zumindest
was die quantitative Wohnungsausstattung mit Fläche angeht. Hierbei handelt
es sich um einen erstaunlichen Größensprung von durchschnittlich 66 m²
im Bestand auf 87 m² in der neuen Wohnung. Diese Differenz kann man als
Orientierungswert ansehen, wo Wohnungspolitik auch anzusetzen hat, wenn
sie die Mieter im Bestand halten will.
Zum anderen ist das Thema der Einkommensausstattung der Haushalte interessant.
Es lässt sich feststellen, dass 53 Prozent der nach Essen zuziehenden
Haushalte ein Nettoeinkommen von unter 3 000,00 DM haben, während deren
Anteil bei den wegziehenden Haushalten nur bei 37 Prozent liegt. Das heißt,
wir verlieren einkommensstarke Haushalte und gewinnen im Kern des Ruhrgebiets
einkommensschwache Haushalte. Auch das ist eine sehr markante problematische
Entwicklung
(vgl. Abb. 10).
Auswirkungen auf die Wohnungsunternehmen 
Dass dieses Thema die Wohnungswirtschaft unmittelbar trifft, das muss
niemanden verwundern. Es trifft auch unser Unternehmen, es trifft alle
Akteure in der Wohnungswirtschaft. Dies lässt sich an den Zahlen erkennen,
die wir unternehmenspolitisch zur Kenntnis nehmen müssen. Sie weisen seit
mehreren Jahren einen kontinuierlich wachsenden Leerstand aus. Unser Unternehmen
kommt da noch relativ gut davon - vielleicht auch deshalb, weil es am
Standort Bochum auf Grund des großen Hochschulstandorts noch eine gewisse
Sonderentwicklung gibt. Aber auch unsere Leerstandsquote ist zwischen
1998 und heute um fast 1 Prozent auf 3 Prozent gestiegen. Im Unternehmensvergleich
sind diese Zahlen immer noch in Ordnung, aber der Handlungsdruck wächst.
Wir haben gemeinsam mit der Viterra versucht, hier im Kern des Ruhrgebiets
ein Benchmarking-Projekt mit den Wohnungsunternehmen zum Thema Leerstand
zu Stande zu bringen. Es ist daran gescheitert, dass Unternehmensvergleiche
anhand von Leerstandsziffern überwiegend skeptisch beurteilt wurden, weil
solche Zahlen für unterschiedliche Zwecke instrumentalisiert werden können
und weil jedes einzelne Unternehmen sich nur ungern in einem "ranking"
wieder findet.
Genauso problematisch ist aber, dass sich der Leerstand nicht egalitär
über die Wohnungsbestände der Unternehmen verbreitet, sondern verstärkt
in bestimmten Beständen auftritt. Zum einen wird er sichtbar in Stadtteilen
mit besonderen Problemlagen. Für Essen gilt, dass Wohnungsunternehmen,
die Wohnungsbestände im Süden der Stadt besitzen, quasi keine Probleme
haben, selbst wenn die Ausstattung nicht so großartig ist, wird dieser
Mangel durch die Lage kompensiert. Lage spielt in der Immobilienwirtschaft
eine große Rolle, gerade auch was Mieter und deren Empfinden angeht.
Im Norden der Stadt dagegen gibt es ganz gravierende Probleme an bestimmten
Standorten, selbst bei ordentlicher Wohnungsausstattung. Generelle Abwanderungen,
verbunden mit sozialer Erosion, gefährden die Zukunft der Gebiete und
stellen die Immobilienwerte in Frage.
Das ist bei uns in Bochum auch spürbar. Wir haben - in gewissem Umfang
- Probleme mit den Bauten der Nachkriegszeit der 50er-Jahre mit aus heutiger
Sicht defizitären Wohnungsgrößen und Ausstattungen. Hierbei handelt es
sich um zu kleine Wohnungen vom Typ "45 m² und drei Räume". Zurzeit haben
diese Wohnungen darüber hinaus erhebliche Ausstattungsdefizite, zum Teil
sogar noch Einzelofenheizung und keinen Balkon. Da die Standorte in der
Regel gut sind, liegt die Hauptaufgabe in einer umfassenden technischen
Erneuerung der Bestände in Anpassung an die Kundenbedürfnisse. Das bindet
zwar eine Menge Geld, ist aber im Rahmen mittelfristiger Investitionsprogramme
eine lösbare Aufgabe.
Unsere Hauptprobleme konzentrieren sich aber auf die jüngeren Wohnungsbestände,
nämlich diejenigen aus den späten 60er- und 70er-Jahren in der Bauform
der typischen Großsiedlungen dieser Phase der Stadtentwicklung. Hier zeigen
sich - quasi nach Art eines Frühindikators - gravierendere Leerstandsprobleme,
die nach Art eines Circulus vitiosus negative Zentrifugalkräfte entwickeln:
Wegzug der "guten" Haushalte und Neuvermietungen an eine Klientel mit
besonderen sozialen Problemen mit der Folge noch schwieriger werdender
Vermietbarkeit wegen problematischer Nachbarschaften. Wir können in Bochum
noch von Glück sagen, weil sich die angesprochenen Großsiedlungsbestände
im Nahbereich der Universität und der Fachhochschule befinden, sodass
durch den studentischen Nachfragedruck die Probleme nicht so gravierend
zu Tage treten, wie bei anderen Wohnungsgesellschaften in dieser und anderen
Regionen. Jedenfalls stehen wir mit dieser Problematik bekanntlich nicht
allein.
Veränderte Rahmenbedingungen in den Unternehmen 
1. Zentrale Säulen der Wohnungswirtschaft
unter Druck 
Zu den geschilderten demographischen und bestandsstrukturellen Problemen,
die ich geschildert habe, treten gravierende unternehmerische Veränderungen
hinzu. Tragende Elemente der strategischen Ausrichtung der Wohnungswirtschaft
der Nachkriegszeit sind infrage gestellt. Mag dies von einigen auch als
Bedrohung angesehen werden, hierin liegen in der Tat auch Chancen auf
eine Neuausrichtung, die gerade auch mit Blick auf das Thema Beschäftigung
von Bedeutung sind.
1.1 Kommunale Wohnungsunternehmen mit neuen Zielsetzungen
Wir haben zu konstatieren, dass auf der Ebene der klassischen, ehemals
gemeinnützigen Wohnungsunternehmen mit kommunalen Mehrheiten parallel
zu den Marktsättigungstendenzen die Grundsatzfrage zunehmend gestellt
wird, ob es denn zur Lösung von Wohnungsproblemen in den Kommunen überhaupt
eines kommunal beherrschten Wohnungsunternehmens bedürfe. Ich glaube,
es gibt inzwischen kein Ratsgremium in einer Kommune mit einem Wohnungsunternehmen,
in dem nicht wenigsten eine Fraktion den Antrag gestellt hat, dieses "Tafelsilber"
in Gänze oder zumindest anteilig zu verkaufen. Und mögen wir als Akteure
der kommunal verbundenen Wohnungswirtschaft auch noch so gute Gründe vortragen,
sich auf die strategische Bedeutung einer kommunalen Wohnungswirtschaft
zu besinnen, die simple Erwägung, "in Zeiten eines entspannten Wohnungsmarkts
kann eine Kommune durch Teilverkauf eines Wohnungsunternehmens unter Mobilisierung
der dort vorhandenen großen stillen Reserven im Bereich der Grundstücks-
und sonstigen Vermögenswerte erhebliche Kapitalgrößen mobilisieren, mit
denen andere strategische Aufgaben in der Stadt erledigt werden können",
werden wir mit allen guten Argumenten nicht wieder vom Tisch bekommen.
Auch kommunalnahe Unternehmen und ihre Geschäftsführer müssen also ihr
Unternehmensprofil schärfen, um für die Anteilseigner auf Dauer interessant
zu sein.
1.2 Unternehmenseigene Wohnungsbestände auf dem Markt
Das Gleiche gilt für den unternehmensnahen Wohnungsbau sowohl mit den
Wurzeln des klassischen "Werkswohnungsbaus" als auch für die unternehmerische
Wohnungswirtschaft im engeren Sinne. Auch mein Unternehmen, die VBW, wird
zur einen Hälfte von Gesellschaftern aus diesem Bereich getragen, wie
ich eingangs bereits ausführte. Natürlich denken bei dieser Eigentümerkategorie
zunächst einmal alle an eine besonders ausgeprägte "Shareholder-value-Mentalität"
und meinen damit einen besonders starken Ergebnisdruck auf in der Wohnungswirtschaft
eingesetztes Eigenkapital. Ich habe bei den angesprochenen Veränderungen
zu diesem Thema den Eindruck, dass die klassischen Schubladen nur noch
begrenzt passen, denn kommunale Vertreter in den Aufsichtsgremien der
Wohnungsgesellschaften aus dem Bereich des Beteiligungsmanagements haben
sich die Argumente der angemessenen Kapitalverzinsung in kürzester Zeit
zu Eigen gemacht, sodass die Klischees, kommunale Vertreter in Aufsichtsgremien
fordern das soziale Unternehmen und Unternehmen das ergebnisorientierte,
längst nicht mehr passt.
Allerdings ist es keine Frage, dass bei der strategischen Zukunftsaufstellung
großer Konzerne die Unternehmens- und Konzernleitungen die Deckungsbeiträge
ihrer Immobilientöchter mit gleicher Elle messen wie ihre sonstigen Beteiligungen
und allein damit faktischen Veränderungsdruck ausüben, die anstehende
Trennung des Immobiliengeschäfts der Viterra aus dem E.on-Konzern ist
eine aktuell in der Öffentlichkeit besonders breit diskutierte strategische
Schlussfolgerung zu diesem Thema. Andere Großunternehmen (Bahn, Post,
Bayer etc.) haben sich bereits von ihren Wohnungsbeständen getrennt.
Der beschriebene, umfassende Veränderungsdruck schafft aber auch ein
sehr viel offeneres Klima für Initiativen und Partnerschaften. Ich kann
nur allen raten, die sich insbesondere in den kommunalen Wirtschaftsförderungen
mit dem Thema Beschäfti-gung, auch im zweiten Arbeitsmarkt, befassen,
vorurteilslos auf die Unternehmen der Wohnungswirtschaft zuzugehen. Die
Zeit ist reif dafür, neu ins Gespräch zu kommen.Der beschriebene, umfassende
Veränderungsdruck schafft aber auch ein sehr viel offeneres Klima für
Initiativen und Partnerschaften. Ich kann nur allen raten, die sich insbesondere
in den kommunalen Wirtschaftsförderungen mit dem Thema Beschäfti-gung,
auch im zweiten Arbeitsmarkt, befassen, vorurteilslos auf die Unternehmen
der Wohnungswirtschaft zuzugehen. Die Zeit ist reif dafür, neu ins Gespräch
zu kommen.
Welche Akteure tragen den Stadtteil? 
Nicht nur der Handlungsdruck auf die Akteure der Wohnungswirtschaft wächst,
sondern auch der Abstimmungsbedarf unter der Vielzahl der Akteure auf
den lokalen Wohnungsmärkten nimmt zu. Betrachtet man ausgehend von dem
Aktionsfeld "lokale Ökonomie" aber auch mit Blick auf das strategische
Thema "Standortentwicklung" die Wohnquartiere als Ausgangspunkt, so ergibt
sich die in Schaubild zwölf dargestellte Vielfalt von Akteuren. Wesentlich
ist, dass diese ihre Aktionen gar nicht oder allenfalls rudimentär miteinander
und aufeinander abstimmen und entsprechende Clearingstellen, die ein abgestimmtes
Handeln herbeiführen könnten, fast regelmäßig fehlen. Die Effekte solcher
Rahmenbedingungen verwundern kaum: Man zeigt mit dem "Zeigefinger" auf
die Anderen. Die Wohnungsunternehmen fordern zunächst Konzepte von der
Stadt, die Kommune sieht sich außer Stande, quartiersbezogene Projekte
zu realisieren, bevor nicht die Eigentümer ihre Konzepte vorgelegt haben.
Ähnliches gilt zwischen den Trägern der Sozialarbeit und des Beschäftigungsbereiches
und den Wohnungsunternehmen, zwischen planender und sozial- bzw. jugendverantwortlicher
Verwaltung, aber auch in Richtung auf Vereine, Kirchen und Mietervereine.
Bis man alle Akteure wirklich im offenen Gespräch am gemeinsamen runden
Tisch hat und komplexe Konzepte zu Standortentwicklungen diskutiert oder
gar organisiert, das kann sehr lange dauern. Am weitesten sind diese Prozesse
in den Handlungsgebieten der "sozialen Stadt" bzw. den "Stadterneuerungsgebieten
mit besonderem Erneuerungsbedarf" in NRW vorangekommen, weil sie hier
auch konstituierend für die öffentliche Förderung sind.
Aktionsfelder der Wohnungsunternehmen unter veränderten
Marktbedingungen 
Eine der zentralen Konsequenzen ausgeglichener Wohnungsmärkte für die
Investitionspolitik der Wohnungsunternehmen ist die Veränderung des Schwerpunkts
von dem Wohnungsneubau zu der nachhaltigen Verbesserung der Wohnungsbestände.
Natürlich gab es auch in der Vergangenheit Phasen intensiverer und eher
geringerer Neubautätigkeit, ohne allerdings entsprechende Rückkopplungseffekte
zum Wohnungsbestand zu erzeugen. Vielmehr trug die Bestandspolitik in
erster Linie die Züge der Instandhaltung im engeren Sinne und - wenn überhaupt
- einer technisch orientierten Modernisierung vor allen Dingen in den
Bereichen Heizung, Sanitär. Die Umsetzung dieser Strategie erfolgte schwerpunktmäßig
eher im Zusammenhang mit der Einzelmodernisierung im Kontext zu autonomen
Mieterwechseln, folgte also einem reaktiven Handlungsmuster.
Erst die Nachhaltigkeit des sich abzeichnenden Wandels auf den Wohnungsmärkten
mit dem grundsätzlichen Infragestellen einer auf Bestandszuwachs ausgerichteten
Neubaupolitik lässt auch die Wohnungsbestände und ihre Standorte in einem
völlig anderen Licht erscheinen. Sie sind das Vermögenspotenzial der Unternehmen,
dessen strategische Weiterentwicklung in den Fokus der Aktivitäten der
Unternehmen rücken muss. Dabei sind die drei Elemente
- Modernisierung,
- Nachverdichtung,
- Privatisierung und Verkauf
von besonderer Bedeutung. Anders als überwiegend in der Vergangenheit
werden dabei die einzelnen Wohnungsstandorte ganzheitlich vor dem Hintergrund
alternativer Investitionsstrategien betrachtet. Hierfür hat sich - entlehnt
aus dem Bereich der Kreditwirtschaft - der Begriff des "Portfoliomanagements"
auf breiter Front immobilienwirtschaftlich durchgesetzt. Man ist fast
geneigt zu sagen, dass die Vielzahl der EDV-Module, die Dienstleister
den Wohnungsunternehmen "aufdrängen", um ihnen die Aufgabe der Allokation
ihrer Investitionen vermeintlich abzunehmen, ein Symbol für neuen Aktionismus
in der Wohnungswirtschaft ist. Aber ob nun mit oder ohne DV-Unterstützung,
die konsequente Analyse der Stärken und Schwächen der vorhandenen Standorte
und der jeweiligen Wohnungsbestände als Ausgangspunkt für eine räumlich
differenzierte Investitionspolitik ist absolutes Gebot der Stunde. Aber
auch diese unternehmensnotwendigen Strategien sind nicht frei von Gefahren
für die Stadtentwicklung. Da ein Kernbestandteil der Portfoliostrategien
auch die Trennung von Wohnungsbeständen an kritischen Standorten und selbstverständlich
auch der Zukauf von Beständen an interessanten Zukunftsstandorten ist,
beinhalten sie in gewisser Weise einen Dynamisierungsmechanismus für die
Entstehung problematischer Wohnquartiere. Denn die bisher noch sozial
verantwortlichen Immobilienunternehmen mit begrenzten Renditeansprüchen
verlassen nunmehr auch in wachsender Geschwindigkeit diese Quartiere,
problematische "Verwerter" halten Einzug.
Zurück zu den zentralen Strategieelementen. Natürlich spielt die Modernisierung
dabei eine ganz besonders wichtige Rolle. Zum einen, weil der Qualitätsanspruch
der Nachfrageseite bei einem rein quantitativ ausgeglichenen Markt die
Entscheidungen der Wohnungssuchenden wesentlich stärker beeinflusst als
in der Vergangenheit, zum anderen, weil über weite Teile der Wohnungswirtschaft
erkennbar ist, dass es durchgängig Defizite und Rückstände in den Wohnungsbestandsqualitäten
gibt, die auf zum Teil jahrzehntelange aufgestaute Rückstände schließen
lassen. Dort, wo der Nachfrageüberhang auch Wohnungen mit eklatanten Qualitätsdefiziten
(z.B. Ofenheizung etc.) noch absorbierte, gibt es heute unüberwindliche
Vermarktungsprobleme und damit Handlungsbedarf. Unterstellt, dass die
Wohnungsunternehmen ihre Wohnungsbestände nach Modernisierungsbedarf und
-fähigkeit standortbezogen in eine entsprechende Prioritätenrangfolge
bringen, so spielen zwei Erkenntnisse eine wichtige Rolle. Zum einen die
Tatsache, dass eine nachhaltige Bestandsverbesserung nur über eine mittelfristige
Verstetigung der Investitionspolitik in die Bestände zu erreichen ist.
In der Realität verfügen aber bisher nur relativ wenige Wohnungsunternehmen
über mittelfristige Maßnahmen- und Finanzierungskonzepte für ihre Modernisierungspolitik.
Ich bin ein wenig stolz darauf, dass es uns bei der VBW gelungen ist,
den Aufsichtsrat davon zu überzeugen, ein mittelfristiges, das heißt Fünf-Jahres-Programm
für die Modernisierung aufzulegen und mit einem Investitionsvolumen von
jeweils 45 Millionen Mark jährlich auszustatten, um in möglichst kurzer
Zeit die marktnotwendige nachhaltige Bestandsverbesserung mit Kontinuität
und Verlässlichkeit vor allem für unsere Kunden sicherzustellen. Den arbeitsmarktpolitischen
Beitrag, den unser Unternehmen - wie viele andere - gerade über die Bestandspolitik
zurzeit für die Beschäftigung in der Bauwirtschaft bundesweit leistet,
den sollte man im Übrigen sehr viel stärker im Rahmen der Verbandsarbeit
herausstellen.
Der zweite Gesichtspunkt ist derjenige, dass ein solches Programm konsequent
standortbezogen organisiert werden muss. Dies leitet sich logisch aus
dem Portfolioansatz ab und bedeutet konkret, dass jedes investitionswürdige
Quartier mit einer individuellen Entwicklungsstrategie ausgestattet werden
muss. Zusammen mit Stadtplanern und Architekten erarbeiten wir derartige
Rahmenplanungen für alle unsere Standorte, die ganzheitlich, in der konkreten
Umsetzung natürlich in Abschnitten, vollzogen werden. Es versteht sich
am Rande, dass in eine derartige Strategie der ganzheitlichen Erneuerung
auch das Wohnumfeld und die Stellplatzsituation mit einzubeziehen sind.
Im Übrigen gehört in eine erweiterte Modernisierungsstrategie auch die
vorurteilslose Abwägung zwischen Neubau bzw. Ersatzwohnungsbau und Modernisierung.
Auch hier ist psychologisch durchaus noch ein Feld zu bereiten, da mit
dem Wohnungsabriss fälschlicherweise häufig in der Öffentlichkeit die
Vernichtung preiswerten Wohnraums gleichgesetzt wird.
In den seltensten Fällen dürfte sich eine reine Modernisierungsstrategie
an Standorten wirtschaftlich rechnen, wenn man die rechtlich und tatsächlich
begrenzten Möglichkeiten der Überwälzung durch Mieterhöhungen betrachtet.
Insofern ist schon ergebnisorientiert zwingend, Nachverdichtungsmöglichkeiten
an den bestehenden Standorten konsequenter als in der Vergangenheit zu
prüfen. Auch in diesem Zusammenhang ist die Erarbeitung ganzheitlicher
Entwicklungskonzepte von großer Bedeutung. Ist die Aufwertung zukunftsfähiger
Quartiere das Hauptziel, dann muss auch die Nachverdichtung unter diesem
Gesichtspunkt gesehen werden, das heißt, sie muss zu einer Abrundung und
Qualitätsverbesserung des Reviers beitragen und darf nicht simpel Flächen
verbrauchen. Gelingt dies, so steckt in den "stillen Reserven" der Buchwerte
für die Grundstücke ein erhebliches Refinanzierungspotenzial für die Bestandsverbesserung
im engeren Sinne.
Vor diesem Hintergrund erscheint auch die Privatisierung als dritte Säule
von standortbezogenen Konzepten in einem etwas anderen Licht. Sie kann
unter klar definierten Rahmenbedingungen zu einer längerfristigen Bindung
einer attraktiven Mieterklientel im Quartier und damit zum Abbau der Fluktuation
beitragen, sie kann dazu beitragen, eine neue Verantwortlichkeit für das
Quartier herzustellen und gewinnt auch unter den veränderten rechtlichen
Rahmenbedingungen zur Alterssicherung und der Rolle der Immobilien in
diesem Kontext eine zusätzliche Zukunftsbedeutung. Wichtig ist vor allem,
dass eine solche Strategie im Sinne einer Angebotsplanung betrieben wird,
die Mieter nicht unter Druck setzt, Eigentümer zu werden, und die Investitionstätigkeit
nicht vollständig auf die neuen Eigentümer überwälzt.
Im Kontext Stadtteilerneuerung - Quartiersökonomie bleibt festzuhalten,
dass insgesamt das Investitions- und damit auch das Beschäftigungsvolumen
für ältere Wohnquartiere deutlich ansteigen wird. Damit ergeben sich potenziell
auch stärkere Ansatzpunkte für eine standortnahe Organisation von Beschäftigungsangeboten.
Allerdings ist ebenso absehbar, dass sich die Investitionspolitik noch
selektiver und differenzierter auf Einzelstandorte auswirken wird und
damit Negativtrends gerade in Gebieten mit besonderen sozialen und Beschäftigungsproblemen
eher noch schärfer hervortreten werden. Im Kontext Stadtteilerneuerung
- Quartiersökonomie bleibt festzuhalten, dass insgesamt das Investitions-
und damit auch das Beschäftigungsvolumen für ältere Wohnquartiere deutlich
ansteigen wird. Damit ergeben sich potenziell auch stärkere Ansatzpunkte
für eine standortnahe Organisation von Beschäftigungsangeboten. Allerdings
ist ebenso absehbar, dass sich die Investitionspolitik noch selektiver
und differenzierter auf Einzelstandorte auswirken wird und damit Negativtrends
gerade in Gebieten mit besonderen sozialen und Beschäftigungsproblemen
eher noch schärfer hervortreten werden.
Rolle der Wohnungsunternehmen im Kontext Quartiersökonomie
Vor dem Hintergrund der wachsenden Aufgaben in den Wohnungsbeständen
der vorhandenen Quartiere ergeben sich hier eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten
für den Aufbau bzw. die Stabilisierung lokaler Beschäftigung. Differenziert
man diese Ankerpunkte in
- objektbezogene Aktivitäten,
- subjektbezogene Aktivitäten und
- prozessbezogene Aktivitäten
(vgl. Abb. 15),
so wird deutlich, dass mit wachsender Komplexität und Spezialisierung der
Aufgaben die Anknüpfungspunkte für lokale Beschäftigung eher geringer werden.
So bieten komplexe Konzepte zur Flächenentwicklung und damit einhergehender
Neubau wie auch eine umfassende Mieterberatung wenig Raum für lokale Beschäftigung,
während im Bereich der Renovierung und Instandhaltung wie auch der Hausbetreuung
durchaus interessante Beschäftigungsperspektiven vorhanden sind. Allein
der immer wiederkehrende und nach unseren Erfahrungen auch materiell steigende
Renovierungsbedarf in den Wohnungen bei Mieterwechsel kann ein hervorragendes
Feld für eine Qualifizierungsmaßnahme entsprechend ausgewählter Langzeitarbeitsloser
sein, wenn die entsprechende fachliche Betreuung gewährleistet ist. Da dabei
verschiedene handwerkliche Tätigkeiten miteinander gebündelt werden, ist
die klassische Vergabe mit einer Aufsplitterung in mehrere Gewerke äußerst
arbeitsaufwändig und wirtschaftlich ineffizient.
Im Bereich der Dienstleistungen erfordern gerade schwierige Wohnungsbestände
in Problemquartieren eine wesentlich intensivere Haus- und Mieterbetreuung,
als wir sie bisher in der Wohnungswirtschaft leisten konnten. Eine klassische
Finanzierung derartiger Aufgaben aus den Personalbudgets scheidet aber
bei der angespannten wirtschaftlichen Situation in der Regel aus. Es liegt
also nahe, unter Umständen in Kooperation mit Beschäftigungsträgern für
diesen wachsenden Bedarf ein Ausbildungsprofil zu entwickeln und möglicherweise
auch vorhandene Mieter für diese Aufgabe weiter zu qualifizieren. Ich
habe mit Interesse gehört, dass das Ihnen allen bekannte größte Hamburger
Wohnungsunternehmen eine entsprechende Qualifizierungsmaßnahme in eigener
Trägerschaft entwickelt und inzwischen sehr erfolgreich praktiziert hat.
Und erfolgreich bedeutet natürlich auch, dass diese Maßnahmen sich wirtschaftlich
langfristig tragen, da wesentliche Einsparungen im Bereich der Gebäudeunterhaltung
und der Beseitigung von Vandalismusschäden entstehen und darüber hinaus
auch die Mieterbindung verbessert wird.
Ich plädiere schließlich auch für mehr Offenheit in der Unterstützung
prozessbezogener Aktivitäten unterschiedlichster Träger in unseren schwierigen
Wohnungsquartieren, soweit diese geeignet sind, die Lebenssituationen
unserer Mieter in den Quartieren zu verbessern. Gerade in Zeiten, in denen
Wohnungen teilweise leer stehen, ist die rein ökonomische Schwelle für
ein kostenfreies Zur-Verfügung-Stellen von Räumlichkeiten für sinnvolle
Projekte im Stadtteil sehr gering anzusetzen, weil Opportunitätskosten
realistischerweise nicht oder nur in begrenztem Umfang anzusetzen sind.
Auch die reinen Kaufleute der Wohnungswirtschaft können sich heute leichter
auf das eine oder andere Experiment einlassen, wenn dadurch ein Zuwachs
der Stabilität im Quartier erzeugt werden kann. Wir haben in unserem Unternehmen
mit der "Bochumer Nachbarschaftshilfe" hervorragende Erfahrungen gemacht,
die in einigen unserer schwierigen Wohnquartiere in von der VBW zur Verfügung
gestellten, nicht vermieteten Wohnräumen spezielle quartiersbezogene Dienstleistungsangebote
für die Bewohner entwickelt, die im Wesentlichen von ehrenamtlichen Mitarbeitern
geleistet werden, während die Projektkoordinierung von einigen wenigen
hauptamtlichen Mitarbeitern durchgeführt wird. Diese Projekte sind aus
der Sozialisierung dieser Wohngebiete nicht mehr wegzudenken, da sie von
der Hausaufgabenaufsicht für Kinder bis hin zur Betreuung älterer Mieter
einen immer größer werdenden Handlungsbereich abdecken.Ich plädiere schließlich
auch für mehr Offenheit in der Unterstützung prozessbezogener Aktivitäten
unterschiedlichster Träger in unseren schwierigen Wohnungsquartieren,
soweit diese geeignet sind, die Lebenssituationen unserer Mieter in den
Quartieren zu verbessern. Gerade in Zeiten, in denen Wohnungen teilweise
leer stehen, ist die rein ökonomische Schwelle für ein kostenfreies Zur-Verfügung-Stellen
von Räumlichkeiten für sinnvolle Projekte im Stadtteil sehr gering anzusetzen,
weil Opportunitätskosten realistischerweise nicht oder nur in begrenztem
Umfang anzusetzen sind. Auch die reinen Kaufleute der Wohnungswirtschaft
können sich heute leichter auf das eine oder andere Experiment einlassen,
wenn dadurch ein Zuwachs der Stabilität im Quartier erzeugt werden kann.
Wir haben in unserem Unternehmen mit der "Bochumer Nachbarschaftshilfe"
hervorragende Erfahrungen gemacht, die in einigen unserer schwierigen
Wohnquartiere in von der VBW zur Verfügung gestellten, nicht vermieteten
Wohnräumen spezielle quartiersbezogene Dienstleistungsangebote für die
Bewohner entwickelt, die im Wesentlichen von ehrenamtlichen Mitarbeitern
geleistet werden, während die Projektkoordinierung von einigen wenigen
hauptamtlichen Mitarbeitern durchgeführt wird. Diese Projekte sind aus
der Sozialisierung dieser Wohngebiete nicht mehr wegzudenken, da sie von
der Hausaufgabenaufsicht für Kinder bis hin zur Betreuung älterer Mieter
einen immer größer werdenden Handlungsbereich abdecken.
Projekte zur Stabilisierung von
Quartieren 
Besonders interessant und mit Blick auf die beschriebenen Destabilisierungsprozesse
in bestimmten Quartieren auch unverzichtbar erscheint eine Kraftanstrengung
zur systematischen Vernetzung unterschiedlicher Teilprojekte zu einer
ganzheitlichen Strategie der Quartiersfortentwicklung. Dies gilt gleichermaßen
vor dem Hintergrund unserer sozialen Verantwortung für die Mieter, wie
auch vor dem Hintergrund der Vermögenssicherung für die Gesellschafter.
Die Ihnen bekannte Programmatik zum Thema "soziale Stadt" und die strategische
Unterstützung, die gerade das Land Nordrhein Westfalen über das Programm
"Stadterneuerung in Gebieten mit besonderem Erneuerungsbedarf" für derlei
Projekte in Aussicht stellt, bilden einen ergänzenden Hintergrund. Ich
muss bekennen, dass es ein entsprechend ausgestaltetes, ganzheitliches
Projekt dieser Art in unserem Unternehmen bisher noch nicht in der praktischen
Durchführung gibt.
Allerdings arbeiten wir zusammen mit der Stadt Bochum und mit privaten
Trägern mit großer Intensität daran, dass für ein sich immer stärker als
Problemgebiet erweisendes Quartier, nämlich die Universitätsrahmenstadt
"Hustadt", die Rahmenbedingungen eines entsprechenden Programms geschaffen
werden. Dieses Quartier wurde Ende der 60er-Jahre, zusammen mit der Ruhr
Universität als Wohnstandort mit dem Kern einer Großsiedlung und einem
umgebenden Ring von Einfamilienhäusern konzipiert und zeigt zunehmende
Erosionserscheinungen. Inzwischen verlassen - unter dem Druck der viel
diskutierten Ausgleichsabgabe - auch viele Haushalte mit mittlerem Einkommen
das Quartier und werden durch Nachbarschaften mit zunehmender Überfremdung
durch Zuzug einer schwierigen Klientel aus unterschiedlichen Ländern ersetzt.
Als erster Schritt mit Signalwirkung ist nun endlich die Abschaffung der
Ausgleichsabgabe im Benehmen mit der Stadt erreicht worden und die Gespräche
mit dem Land zur Aufnahme in das beschriebene Programm laufen erfolgreich,
während parallel eine Basis für Gespräche mit allen verantwortlichen Akteuren
vor Ort, insbesondere dem Mieterbeirat und den unterschiedlichen Trägern,
geschaffen werden konnte. Wir sind zurzeit dabei, das entsprechende Gesamtmaßnahmenprogramm
und eine Organisations- und Steuerungsstruktur für das Projekt zu erarbeiten.
Dies schließt ausdrücklich Maßnahmen zur Schaffung lokaler Beschäftigung
ein. Lassen Sie mich dabei einen Ansatz noch in Kürze erwähnen, der in
der Sprache der Baubürokratie mit dem Thema "Zweckentfremdung" zu tun
hat. Wir bemühen uns, zusammen mit der Bauverwaltung der Stadt Bochum,
zunächst exemplarisch einige leer stehende Wohnungen in der Hustadt in
Büros für Existenzgründer aus dem Dienstleistungsbereich umzuwandeln.
Trotz des Vorhandenseins eines Technologiezentrums an der Ruhr Universität
und der Fachhochschule sehen wir hier durchaus eine Lücke, weil frühe
Existenzgründungen schon in der Phase des Studiums die sehr hohen Mieten
im Technologiezentrum nicht zu tragen in der Lage sind.
Allerdings hält der Genehmigungsprozess derartiger Umnutzungen durch
die Bauordnung noch eine Fülle von Hürden bereit, die selbst mich als
mit kommunaler Bürokratie durchaus vertrautem Akteur in Überraschung versetzen.
Gleichwohl bin ich zuversichtlich, auf diesem Feld bald Erfolge vermelden
zu können. Da aber insgesamt die Hustadt als ganzheitliches Projekt zur
Stabilisierung von Quartieren noch nicht weit genug gediehen ist, möchte
ich an dieser Stelle auf das Beispiel der Viterra in Essen-Katernberg
verweisen, das in den Projektunterlagen sehr differenziert erläutert und
beschrieben wird
(vgl. Abb. 17,
18,
19,
20,
21,
22).
Die Viterra hält
hier von den knapp 9 000 Wohnungseinheiten im Stadtteil knapp die Hälfte
und hat seit längerer Zeit zusammen mit den verantwortlichen Akteuren
im Stadtteil ein Modellprojekt sehr komplexen Inhalts entwickelt. Herr
Odendahl von der Viterra, sowie Frau Neuhaus und Herr Preis von der ISSAB,
die als Institut der Universität Essen dieses Projekt betreuen, sind anwesend
und können in der Diskussion vertiefende Erläuterungen geben.
Ich will an dieser Stelle keine inhaltliche Kommentierung vornehmen,
sondern nur den aus meiner Sicht sehr wichtigen Hinweis geben, dass die
Moderation und Steuerung derartiger Prozesse als Erfolgsfaktor keineswegs
unterschätzt werden darf, um eine positive Kräftebündelung im Quartier
sicherzustellen.
Thesen zur Reaktivierung städtischer
Wohnungspolitik 
Lassen Sie mich die Ergebnisse meines Vortrages zum Abschluss in 7 Thesen
zusammenfassen
(vgl. Folie 24):
These 1: Nicht Objekte sondern Konzepte fördern
These 2: Veränderung als Chance - zurück zum Gemeinwohl
These 3: Aktivieren statt beglücken
These 4: Nachfrage fördern, nicht Ideologien
These 5: Packt die Investoren bei ihren Interessen, aber bindet sie nicht
These 6: Fördert, fordert, aber administriert nicht
These 7: Prozessmanagement ist Erfolgsfaktor
Ich verzichte bewusst darauf, diese Thesen nochmals zu interpretieren,
weil dies nur zu Wiederholungen führen würde. Festzuhalten bleibt aber,
dass in den enormen wohnungswirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen
unsere Branche steht, auch große Chancen für eine umfassende Qualitätsinnovation
der Wohnungspolitik wie auch der damit verbundenen beschäftigungspolitischen
Perspektiven erkennbar werden. Lassen Sie uns diese Chancen in einem offenen
Dialog aller Akteure zügig nutzen. Wir haben - jedenfalls in unserer Region
- keine Zeit zu verlieren.
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