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soziale stadt - bundestransferstelle

Wirtschaften im Stadtteil - Förderung der quartiers-bezogenen Ökonomie

Sabine Weck,
Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen (ILS), Dortmund

  

1. Wirtschaften im Quartier wird zum Thema
  1.1 Integrierte Stadtteilerneuerung
  1.2 Soziale Dichte und Nutzungsmischung als städtische Qualitäten
  1.3 Neue Anforderungen an die Wirtschaftsförderung
  1.4 Arbeitsmarktentwicklung und wirtschaftliche Strukturumbrüche
2. Entwicklungsmodelle zur Förderung der lokalen Ökonomie
  2.1 Verständnis von Ökonomie
  2.2 Soziale Kohärenz und wirtschaftliche Entwicklung
  2.3 Reformorientierte, normative Ansätze eines "anderen Wirtschaftens"
  2.4 Eine neue Wirtschaftsförderung als Antwort auf sozialräumliche innerstädtische Polarisierungen
3. Die Rolle und die Aufgaben von Wohnungswirtschaft im Bereich der lokalen Wirtschaftsentwicklung
  3.1 Die Wohnungswirtschaft als Akteur in der Stadtteilerneuerung
  3.2 Soziale Maßnahmen zahlen sich langfristig betriebswirtschaftlich aus
  3.3 Exemplarische Beispiele für das Engagement von Wohnungsunternehmen
4. Die Förderung der lokalen Ökonomie in den Zeiten der Globalisierung

Vortragsbegleitende Literatur

Wirtschaft ist ein Faktor für Lebendigkeit, Stabilität und die Vielfältigkeit von Entwicklungschancen in einem städtischen Quartier. Betriebe im Quartier sichern die Versorgung: Die Vielfalt und die Qualität der Versorgung ist ein wichtiger Aspekt der Lebensqualität vor Ort, gerade für die in ihrer Mobilität eingeschränkten Personen. Wohnortnahe Betriebe können Arbeitsplätze, Qualifikationsmöglichkeiten und Einkommensmöglichkeiten bieten. Beschäftigungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten vor Ort, auch für die vom Arbeitsmarkt ausgegrenzten Personen, zu fördern ist - neben den sozialen und den städtebaulichen Strategien - ein unverzichtbarer Bestandteil, wenn es um die Erneuerung eines Stadtteils, die Entwicklung eines lebendigen Gemeinwesens geht. Aber neben der unmittelbaren Existenzsicherung haben wohnortnahe Betriebe auch noch eine andere Funktion. Sie sind wichtiger Bestandteil städtischen Lebens, ein Faktor für soziale Dichte, alltägliche Interaktionen und Kommunikation. Läden im Quartier sind Anlauf- und Kontaktstellen für die Bewohner und Bewohnerinnen. Wirtschaft vor Ort ist ein Faktor, der die Entwicklungschancen eines städtischen Quartiers und die Entwicklungschancen von Menschen in einem Stadtteil mitbestimmt. Und damit wird die Förderung der Ökonomie in einem Quartier auch zu einem Thema für die Wohnungswirtschaft.

Im Folgenden steht im Vordergrund, aus welcher Perspektive Wirtschaften im Quartier zum Thema wird und welche unterschiedlichen Ansätze und Entwicklungsmodelle es gibt. Es wird auch diskutiert, welche Rolle und welche Aufgaben sich für die Wohnungswirtschaft im Kontext Quartierserneuerung - Stadtteilökonomie ergeben.


1. Wirtschaften im Quartier wird zum Thema

Aus den unterschiedlichsten Perspektiven zeigt sich heute ein Interesse an dem Thema "Wirtschaften im Stadtteil - Quartiersbezogene Ökonomie".


1.1 Integrierte Stadtteilerneuerung

Ökonomische Erneuerungsstrategien sind - neben den sozialen und den städtebaulichen Strategien - ein unverzichtbarer Bestandteil, wenn es um die nachhaltige Erneuerung eines Stadtteils, um die Stärkung eines lokalen lebendigen Gemeinwesens geht. Lange Zeit wurde (in Westdeutschland) bei staatlichen oder kommunalen Erneuerungsmaßnahmen in Steine investiert, also in die baulich-städtebauliche Erneuerung eines Quartiers, aber nicht in die Menschen, die in einem Quartier leben und arbeiten. Soziale und ökologische Aspekte fanden in den 80er-Jahren stärkere Verankerung im Handeln vor Ort, angestoßen z.B. auch durch die IBA in Berlin mit ihrer Philosophie der behutsamen Stadterneuerung. Die Ökonomie im Quartier - die Betriebe im Stadtteil, die Flächennutzung, die Versorgungslage der Bewohner, die Erwerbslosigkeit im Quartier - wurde erst in den 90er-Jahren zum Thema.

Wenn von quartiersbezogener Ökonomie im Kontext der integrierten Stadtteilerneuerung die Rede ist, zählen dazu Qualifizierungs- und Vermittlungsmaßnahmen oder auch zusätzlich geschaffene (oftmals temporäre) Arbeitsgelegenheiten für die Bewohnerschaft. Dass Menschen an der sozialen und ökonomischen Entwicklung nicht teilhaben, dafür liegen die Gründe natürlich überwiegend nicht im Quartier, sondern in überlokalen Entwicklungen. Gleichwohl müssen Angebote und Strategien, die das Leben und Arbeiten in den Stadtteilen verbessern wollen, vor Ort ansetzen. Des Weiteren umfassen die Strategien im Allgemeinen die Bestandspflege von ansässigen Unternehmen, die Förderung von Existenzgründungen und die Entwicklung von beschäftigungswirksamen Projekten im Bereich der formellen Ökonomie oder des Dritten Sektors. Auch stadtteilbezogene Marketingkonzepte oder lokale Finanzierungskonzepte gewinnen in der Praxis langsam an Bedeutung. Die Wirtschaftsentwicklung vor Ort soll - so die Prämisse - dem Stadtteil und seiner Bewohnerschaft mittelbar und unmittelbar nutzen. Nicht die einzelbetriebliche Rentabilität von Betrieben wird gefördert, sondern deren Beitrag zur Vielfalt der Versorgungsstruktur, der Arbeitsplatzschaffung vor Ort und der Stärkung des lokalen Gemeinwesens.


1.2 Soziale Dichte und Nutzungsmischung als städtische Qualitäten

Nutzungsmischung und Dichte, die Gestaltung von öffentlichem Raum und eine gute Nahversorgungslage werden in Planung und Politik wieder stärker als städtische Qualitäten erkannt, die es zu erhalten und zu fördern gilt. Und dazu gehört auch die Wirtschaft vor Ort. Städte in Europa zeichnen sich - trotz Abwanderungs- und Dezentralisierungstendenzen - noch immer durch ein oft historisches, Identifikation verleihendes Stadtzentrum, durch Nebenzentren, in denen sich Infrastruktur, Geschäfte und Arbeitsplätze konzentrieren, und durch lebendige und vielfältige (weil in der Nutzung gemischte) Quartiere aus. Diese Qualitäten gilt es zu erhalten und zu fördern. Innenverdichtung und Nutzungsanreicherung im Bestand sind sinnvolle und notwendige planerische Gegenkonzepte angesichts der zunehmenden Abwanderung von Haushalten und Betrieben in das Umland mit den bekannten ökologischen und verkehrlichen Folgen. Bei der Neubeplanung von innerstädtischen brachgefallenen Flächen können städtische Strukturen angestrebt werden (siehe z.B. für die Tübinger Südstadt: Soehlke 2001), monofunktionale Großwohnsiedlungen mit neuen Nutzungen angereichert werden (siehe z.B. Bremerhaven-Grünhöfe: Friedrich 2001). Mit der Rückgewinnung urbaner Strukturen in der Stadt verbinden sich über die städtebaulichen und räumlichen Aspekte hinaus die Hoffnungen nach einer kulturellen Kraft, die soziale Integration und die Aushandlung von Interessen in der Stadt im Sinne eines "Gemeinwohls" fördert, Identität und Identifikation ihrer Bewohner und Bewohnerinnen begünstigt, und die eine Art "Puffer" gegenüber der radikalen Marktdurchdringung in Zeiten der Globalisierung bilden kann (Häußermann 2001, 253 f.).


1.3 Neue Anforderungen an die Wirtschaftsförderung

Für das städtische Wachstum und die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt sind unterschiedliche Teilökonomien von Bedeutung: die global eingebundenen Teile der städtischen Wirtschaft, aber auch die auf spezifischen regionalen oder lokalen Traditionen beruhenden Teile der Wirtschaft und schließlich auch die Stadtteil- und Quartiersökonomie mit ihrem kleinräumigen Absatz- und Einzugsbereich (vgl. zu den Teilökonomien der städtischen Wirtschaft am Beispiel Hamburgs Läpple/Deecke/Krüger 1994).

In Regionalwissenschaft und Stadtforschung werden ökonomische Analysen zunehmend ergänzt um kulturelle, institutionelle, räumliche und soziale Faktoren städtischer und regionaler Milieus (vgl. Läpple 1996), um Erklärungsansätze für das Wachstum oder den Niedergang einer Region zu finden. Städtische Entwicklung wird von einer Reihe von Autoren als Prozess begriffen, der im Kontext eines globalen gesellschaftlichen Strukturwandels abläuft, aber von den gesellschaftlich-politischen Kräften vor Ort gestaltet wird und gestaltet werden kann (Krätke 1995, 11).

Wirtschaftsförderer und Stadtpolitiker scheinen heute vor allem auf die so genannten Wachstumsindustrien wie Hightech-Unternehmen, auf die Informations- und Kommunikationsbranche, auf Forschung und Entwicklung, spezialisierte unternehmensbezogene Dienstleistungen und auf die globalen Wirtschaftsunternehmen zu setzen. Die "Weltmarktorientierung" in der städtischen Entwicklungspolitik (vgl. Läpple 1999, 31) mag für einige wenige Metropolräume unumgänglich sein, darf aber nicht die alleinige Aufmerksamkeit von städtischer Politik und Wirtschaftsförderung beanspruchen. Die Konzentration der Wirtschaftsförderung auf die globalisierten Teile der städtischen Ökonomie ist kein vielversprechender Weg zu städtischem Wirtschaftswachstum. Verschiedene Analysen legen eine enge wechselseitige Verknüpfung der global eingebundenen mit den lokal oder regional eingebundenen Wirtschaftskreisläufen nahe (Porter 1999, 63). Regionale und lokale Zusammenhänge und Wirtschaftskreisläufe müssen in ihrer Bedeutung aus diesem Blickwinkel neu bewertet werden. Die lokal oder regional eingebettete Wirtschaft hat nicht nur einen hohen Anteil an der gesamtstädtischen Beschäftigung (vgl. Läpple/Deecke/Krüger 1994). Sie bildet auch ein stabiles Beschäftigungssegment. Und: Erst die Einbettung in die lokalen und regionalen Milieus ermöglicht Unternehmen die Anpassung an die globalen Herausforderungen (vgl. Läpple 1999). Dies stellt an die kommunale und regionale Wirtschaftsförderungspolitik komplexe Anforderungen. Wie Walter und Läpple am Beispiel von drei Hamburger Stadtteilen aufzeigen, lässt sich die wohnungsnahe Beschäftigung durch kooperative Strategien fördern, wenn die entsprechenden beruflichen Milieus und Zugangsvoraussetzungen zu den Betrieben Berücksichtigung in den städtischen Politiken finden (Walter/Läpple 1998).


1.4 Arbeitsmarktentwicklung und wirtschaftliche Strukturumbrüche

In den Städten und insbesondere in den sozialräumlich ausgegrenzten städtischen Räumen stellt sich die Frage nach der Integration von Menschen, die über lange Zeit oder dauerhaft aus der Erwerbsarbeit ausgeschlossen sind. Niedrig qualifizierte und unqualifizierte Arbeiter, aber auch nicht flexible oder ältere Arbeitnehmer sowie die in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkten Personen sind diejenigen, die besonders häufig vom Ausschluss aus der Erwerbsgesellschaft betroffen sind (Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, Bericht I, S. 144 ff. bzw. Bericht II, S. 169 f.). Wenn die Teilhabe an der Gesellschaft für bestimmte Personengruppen nicht mehr zwangsläufig über den Arbeitsmarkt funktioniert, die Wiederherstellung normaler Vollbeschäftigung zunehmend in die Ferne rückt oder auch die Lebensstile nicht mehr kompatibel sind mit der klassischen Erwerbsbiographie, dann werden so unterschiedliche Konzepte wie die "Bürgerarbeit" (Bayerisch-Sächsische Zukunftskommission; Ulrich Beck) oder "New Work" (Frithjof Bergmann) diskutiert. In diesen Konzepten geht es um sinnstiftende Arbeit, teils parallel zur und in neuer Verzahnung mit der Erwerbsarbeit diskutiert, teils als Alternative dazu. Viele der Konzepte setzen am lokalen Gemeinwesen an. Bürgerengagement, Ehrenamt und freiwillige Mitarbeit in Organisationen, Verbänden und Stiftungen geraten von zwei Seiten ins Blickfeld. Zum einen als Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen, die zeitweise oder dauerhaft aus der Erwerbsarbeit ausgeschlossen sind (was gerade angesichts eines wachsenden Anteils von langzeitarbeitslosen Personen Bedeutung erhält). Zum anderen bildet die ehrenamtliche und freiwillige Arbeit eine solidaritätsstiftende und demokratiefördernde Ressource, die das "soziale Kapital" eines lebendigen Gemeinwesens herstellen und fördern kann. Arbeit im Quartier bietet Ansatzmöglichkeiten für sinnstiftende Beschäftigung und - bei förderlichen regionalen Arbeitsmarktbedingungen - für die Reintegration in den Arbeitsmarkt. Immer mehr Kommunen entwickeln lokale Arbeitsmarktprogramme, größtenteils unter dem Druck der Ausgabenentwicklung im sozialen Bereich. In kommunalen Arbeitsmarktprogrammen können Mehrzielprojekte, das heißt solche Projekte, die neben der arbeitsmarktpolitischen Zielsetzung auch bewusst gemeinwesenbezogene und soziale Zielsetzungen verfolgen, hohen Nutzen erzielen (vgl. dazu Evers et al. 2000).


2. Entwicklungsmodelle zur Förderung der lokalen Ökonomie

2.1 Verständnis von Ökonomie

Wenn von Ökonomie oder Wirtschaft gesprochen wird, so ist damit meist die Marktökonomie gemeint. Aber Ökonomie bedeutet mehr. Es umfasst das gesamte wirtschaftliche Handeln an einem Ort. Wenn die Wirtschaft im Quartier gefördert werden soll, so müssen auch die staatlichen bzw. kommunalen Investitionsströme analysiert werden. So kann nach Möglichkeiten gesucht werden, wie Strukturpolitik und öffentliche Investitionen mit Arbeits- und Qualifizierungsmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung verknüpft werden können. Auch Art und Umfang der informellen Ökonomie vor Ort sollten untersucht werden. So kann nach Möglichkeiten gesucht werden, einen Teil der informellen Ökonomie in die formelle zu überführen. Zu den Potenzialen vor Ort, die im Rahmen der lokalen Wirtschaftsentwicklung analysiert werden sollten, gehören ferner die Investitionskraft der Bewohnergruppen, Hauseigentümer und Wirtschaftsakteure, das so genannte Humankapital in Form von Qualifikationen und besonderen Potentialen der Bevölkerung vor Ort und auch das soziale Kapital in Form von Mitwirkungsbereitschaft und bürgerschaftlichem Engagement. Dies alles gilt es zu berücksichtigen, wenn es um Konzepte zur Förderung der lokalen Ökonomie geht.


2.2 Soziale Kohärenz und wirtschaftliche Entwicklung

Wenn Stadtpolitiker über die wirtschaftlichen Entwicklungschancen sprechen, dann scheint es mittlerweile allgemein anerkannt, dass Unternehmen bei der Standortwahl nicht allein nach harten Kriterien (wie Lage, Preis, Anbindung) entscheiden. Der Freizeitwert einer Region beispielsweise oder auch die Agglomerationsvorteile bei der Ansiedlung in bestimmten Metropolregionen sind als weiche Standortfaktoren mittlerweile allgemein anerkannt. Zu wenig Niederschlag findet in der städtischen Politik aber die Bedeutung von sozialem Kapital und funktionierenden Gemeinwesen. Städtische Entwicklung und auch wirtschaftliches Wachstum basieren auf sozialen Netzwerken, auf sozialem Frieden, auf intakten Gemeinwesen, auf Sozialräumen, die die Teilhabemöglichkeiten von Menschen an der städtischen Gesellschaft fördern.

Die politische Aufmerksamkeit für den Zusammenhang zwischen sozialer Kohärenz und wirtschaftlicher Entwicklung ist gering, die Trennung in "Ökonomie" und "Soziales" wird in Politik, Wirtschaftsförderung und Förderprogrammen noch meist scharf gezogen. Dabei können soziale Faktoren zum Standortfaktor werden, und umgekehrt hat die Form der ökonomischen Entwicklung (ob eher polarisierend oder integrierend) Einfluss auf die soziale Kohärenz in einem Raum. Um Missverständnissen vorzubeugen: Damit soll nicht der Beweis geführt werden, dass soziale und gemeinwesenbezogene Integrationspolitiken aus rein ökonomischen Gründen auf die politische Agenda gehören. Das wäre zu eng gefasst. Eine gute Lebensqualität in allen Stadtteilen und vielschichtige Integrationspolitiken sind eigenständige Oberziele, die Auswirkungen auf die städtische Lebensqualität und die wirtschaftliche Entwicklung haben.


2.3 Reformorientierte, normative Ansätze eines "anderen Wirtschaftens"

Es gibt eine Reihe von Ansätzen, die die oben angesprochene Trennung von ökonomischen und sozialen Zielsetzungen aufheben und gleichberechtigt neben das Ziel der ökonomischen Profitmaximierung gesellschaftliche Ziele wie Gemeinwohl, Solidarität, Integration und Nachhaltigkeit stellen [siehe Schaubild]. Mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten wird über ein "anderes" Wirtschaften diskutiert. Lokale Ökonomie (als normatives Konzept nach der Definition des IFP Lokale Ökonomie Berlin, siehe IFP 1994), Gemeinwesenökonomie, Economie Sociale, Dritter Sektor usw. sind nur einige der Be-griffe und Diskurse.

Antrieb erhält die Diskussion um solidarische und nachhaltige Wirtschaftsformen unter anderem im Rahmen der Agenda-21-Prozesse, sowie der Bundes- wie Länderprogramme zur Sozialen Stadt und ihren Anforderungen an neue räumliche wie sachliche Vernetzungen. Aber auch über Programme der europäischen Struktur- und Beschäftigungsförderung, die die Philosophie von lokalen Partnerschaften zwischen örtlichem Gemeinwesen, Staat und Markt sowie die Förderung eines dritten Sektors in die bundesdeutsche Politik und Praxis einbringen.

Es geht in dieser Debatte um das Verhältnis von Ökonomie und Gesellschaft (siehe dazu auch: Körber/Peters/Weck 2001). Einige der Ansätze sind stark reformorientiert und stellen normative gesellschaftliche Zielbestimmungen (wie Solidarität, Gemeinwohl, Nachhaltigkeit und soziale Integration) über oder zumindest gleichberechtigt neben die ökonomische Logik der Profitmaximierung. Andere Ansätze stellen die jetzige Wirtschaftsweise nicht infrage, wollen die Marktökonomie aber z.B. durch einen Dritten Sektor ergänzen oder die Anschlüsse der lokalen und regionalen Wirtschaft an eine globalisierte Ökonomie anders ausgestalten und formen. Es geht - in unterschiedlichem Ausmaß - um die Neubestimmung des Verhältnisses zwischen ökonomischen und gesellschaftlichen Werten, Normen und Regeln, um den stärkeren Bezug von Ökonomie auf die lokalen und regionalen (sozialen, lebensweltlichen, ökologischen) Bedarfe und Bedürfnisse, um die stärkere Einbettung von Ökonomie in die Gesellschaft an einem gegebenen Ort, letztendlich auch um die Frage der Ethik in der Ökonomie.

Diese ethikbezogene Argumentation lässt sich bis auf Aristoteles zurückverfolgen, der über die Rolle des Staates in ökonomischen Angelegenheiten (zitiert nach Sen (1987, 3)) sagte, das Ziel des Staates sei "the common promotion of a good quality life". Der Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen, der 1998 den Nobelpreis erhielt, analysiert, wie eine eher logistische, technisch orientierte Ökonomie vor allem im letzten Jahrhundert mehr und mehr Rückhalt in den Wirtschaftswissenschaften fand, und plädiert für die Stärkung der ethikbezogenen Argumentation zum Nutzen von Wirtschaftswissenschaften und Gesellschaft (Sen 1987).

Es gibt eine Vielzahl von eindrucksvollen Projekten und Praxisbeispielen zur Förderung von Gemeinwesenökonomie und Stadtteilwirtschaft, die als praktische Umsetzungen der zuvor benannten Ansätze angeführt werden können. (Überwiegend kann nicht von Theorien oder eigenständigen theoretischen Zugängen gesprochen werden, sondern von Ansätzen, die auf der beschreibenden Ebene Notwendigkeiten und Zielvorstellungen definieren.) Dies sind Genossenschaften, die sich in einem Stadtteil gründen (siehe z.B. Genossenschaft am Beutelweg in Trier-Nord), soziale Betriebe, die sich neben der ökonomischen Zielsetzung der Gewinnerwirtschaftung vor allem dazu verpflichtet fühlen, Arbeitsplätze zu schaffen und ansässigen Bewohnern Qualifikationsmöglichkeiten zu bieten oder eine bestimmte Lücke im Versorgungsangebot vor Ort zu schließen (siehe zu den Beispielen: Evers et al. 2001).


2.4 Eine neue Wirtschaftsförderung als Antwort auf sozialräumliche innerstädtische Polarisierungen

Die Förderung der lokalen Ökonomie in einem Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf ist keine traditionelle "Wirtschaftsförderung im kleinen Maßstab". Es geht um eine qualitativ neue Wirtschaftsförderung, die Die Förderung der lokalen Ökonomie in einem Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf ist keine traditionelle "Wirtschaftsförderung im kleinen Maßstab". Es geht um eine qualitativ neue Wirtschaftsförderung, die

  • Dienstleistungen und Angebote räumlich differenziert anbietet und an den Anforderungen vor Ort ausrichtet. Die sorgfältige Beratung von Existenzgründern beispielsweise ist gerade in den Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf wichtig, wo sich das Klientel oftmals aus entmutigten und formal oft nicht sehr hoch qualifizierten Personen zusammensetzt.
  • Existenzgründern, kleinen und mittleren Unternehmen und den Unternehmensgründungen von Migranten mehr Aufmerksamkeit entgegenbringt. Ethnische Unternehmen übernehmen mittlerweile oft eine wichtige Versorgungsfunktion in Quartieren. In den etablierten Wirtschaftsförderungsinstitutionen spiegeln sich die besonderen Beratungsbedarfe von Migranten aber überwiegend noch nicht wider.
  • Bestandsschutz als ebenso wichtige Aufgabe ansieht wie Neuansiedlungen zu fördern. Dazu gehört die Stärkung der Kooperation zwischen Unternehmen vor Ort und die Vor-Ort-Unterstützung der ansässigen Unternehmen bei Problemen und einer Reihe von wirtschaftsrelevanten Aspekten. Dazu gehört auch, mit den ansässigen Unternehmen über das Stadtteilimage und über geeignete Projekte der Außenwerbung zu sprechen und gemeinsam Projekte umzusetzen.
  • sich gerade in den Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf eine aktivierende, aufsuchende Vorgehensweise aneignet.

Diese Form der lokalen Wirtschaftsentwicklung findet sich in vielen Stadtteilen in NRW mittlerweile (z.B. Duisburg-Marxloh, Gelsenkirchen-Bismarck, Dortmund-Nordstadt, Oberhausen-Knappenviertel), teils über die Schaffung von Büros für Wirtschaftsentwicklung vor Ort. (Zur Selbstdarstellung der Büros und Projekte siehe www.lokale-oekonomie.de)

Drei Punkte verdienen es, besonders hervorgehoben zu werden:

1. Es geht um ökonomische Erneuerung und soziale Entwicklung. Ein Handlungskonzept muss mehrstufig sein. Ohne niedrigschwellige Projekte und soziale Stabilisierungskonzepte verblassen auch die Leuchtturmprojekte bzw. entfalten keine nachhaltige Wirkung. Ohne Verbesserung des Images eines Ortes wird der Handwerkerhof keine Abnehmer finden. Ohne passgenaue Qualifizierungs- und Vermittlungsmaßnahmen kommen die über Neuansiedlungen geschaffenen Arbeitsplätze nicht den Bewohnern und Bewohnerinnen des Ortsteils zugute.
2. Dabei ergänzen binnenorientierte Ansätze, die die endogenen Potenziale in einem Quartier fördern, solche Ansätze, die die Austauschprozesse zwischen dem Quartier und der Gesamtstadt bzw. Region stärken. Rein binnenorientierte - also rein auf die Quartierspotenziale bezogene - Ansätze, können dazu führen, einen Raum noch stärker zu peripherisieren oder gar stärker zu marginalisieren. Ansätze die rein auf neue Austauschbeziehungen zwischen dem Stadtteil und der Gesamtstadt setzen, verpuffen in ihren Effekten, wenn sie nicht die Menschen und Betriebe im Stadtteil als Ausgangspunkt nehmen.
3. Allerdings stehen Programme der städtischen und regionalen Beschäftigungs- und Wirtschaftsförderung, der regionalen Strukturpolitik noch zu oft unverbunden neben den stadtteilbezogenen Ansätzen zur wirtschaftlichen Entwicklung und sozialen Stabilisierung. So finden sich etwa Strategien, die eine Stadt im internationalen Maßstab wettbewerbsfähig halten, ganz unvermittelt neben den sozialen und bewohnerorientierten Stadtteilentwicklungskonzepten. Zu fordern ist eine stärkere Verknüpfung, eine Kohärenz von kleinräumigen Politiken der sozialen Stabilisierung und ökonomischen Entwicklung mit gesamtstädtischen Politiken.


3. Die Rolle und die Aufgaben von Wohnungswirtschaft im Bereich der lokalen Wirtschaftsentwicklung

3.1 Die Wohnungswirtschaft als Akteur in der Stadtteilerneuerung

Mit ihren Beständen beeinflussen Wohnungsunternehmen das Image eines Quartiers (sowohl das Eigen-Image als auch das Fremd-Image), sie prägen einen Standort. Wohnungsunternehmen entscheiden mit über die Qualität des Wohnraumangebotes vor Ort. Damit beeinflussen sie auch die Attraktivität des Stadtteils für verschiedene Bevölkerungsgruppen. In ihren Beständen entscheiden Wohnungsunternehmen über Aufenthaltsqualitäten und Nutzungsmöglichkeiten. Mit ihren Investitionen in ein lebendiges Gemeinwesen beeinflussen sie die Stimmung an einem Ort, also das Wohn- und Lebensgefühl der Bewohnerschaft. Damit entscheiden Wohnungsunternehmen auch über die Entwicklung eines Quartiers.

Im Rahmen der Analyse der Umsetzung des nordrhein-westfälischen Programms für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf lässt sich feststellen, dass die Wohnungswirtschaft - von Ort zu Ort unterschiedlich - mal initiierender Akteur und Träger im Stadtteilerneuerungsprozess sein kein (Beispiel Ratingen-West), mal ein Akteur unter vielen (ILS 2000). Insbesondere in den Großwohnsiedlungen der 60er-/70er-Jahre kommt der Wohnungswirtschaft eine bedeutende Rolle im Stadtteilerneuerungsprozess zu.


3.2 Soziale Maßnahmen zahlen sich langfristig betriebswirtschaftlich aus

Wohnungsunternehmen sind wirtschaftliche Akteure mit wirtschaftlichen Zielen. Bei Wohnungsunternehmen, an denen die Kommune oder das Land maßgebliche Anteilseigner sind, mag man argumentieren, dass gleichberechtigt neben das wirtschaftliche Profitinteresse noch ein gemeinwohlorientiertes Interesse tritt. (In der Realität zeigt sich allerdings, dass auch kommunale wie vom Land getragene Wohnungsunternehmen zunehmend unter dem Druck von kurzfristigen Renditeerwartungen wirtschaften müssen.)

Wir müssen allerdings keine altruistischen Motive für ein soziales Engagement voraussetzen: Das Investment in soziale Maßnahmen, die die Fluktuation senken, das Image eines Stadtteils verbessern, die Konflikte zwischen Mietern vermindern, zahlt sich langfristig auch betriebswirtschaftlich aus. Dies lässt sich mit Zahlen belegen. Auf einer Tagung der Führungsakademie der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (FWI) argumentierte Prof. Dr. Eichener mit erstaunlichen Senkungen der Leerstandsquoten: Bei den Wohnungsunternehmen, die soziale Maßnahmen ergriffen, teils über 15 Prozentpunkte (Eichener 2001). Es ist nicht nur der Mietausfall bei hohen Leerstandquoten, der für Wohnungsunternehmen negativ zu Buche schlägt. Bei jedem Wohnungsauszug entstehen Kosten für die Renovierung. Viele leer stehende Wohnungen und fehlende soziale Kontrolle führen zu Vandalismusschäden. All dies erhöht die Verwaltungskostenpauschale für Wohnungen, macht die Wohnbestände gerade in den Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf teurer und bei entspanntem Mietwohnungsmarkt noch unattraktiver, und diese Spirale dreht sich immer schneller. Investitionen in lebenswerte Wohnquartiere erhalten die Attraktivität der Bestände, sichern langfristig die Mieteinnahmen eines Wohnungsunternehmens und damit auch die getätigten Investitionen. Damit treten neben das Kerngeschäft der Vermietung und Verwaltung der Bestände vielfältige neue Aufgaben für die Wohnungswirtschaft hinzu.


3.3 Exemplarische Beispiele für das Engagement von Wohnungsunternehmen

Es gibt eine Reihe von vorbildlichen Beispielen, wie Wohnungsunternehmen mit vielfältigen sozialen Maßnahmen in das Zusammenleben der Bewohnerschaft und in ein lebendiges Gemeinwesen investieren.

  • Die Einrichtung von Vor-Ort-Büros und die entsprechende Schulung von Mitarbeitern, die vor Ort tätig sind, verbessern den Dialog zwischen Mietern und Wohnungsunternehmen.
  • Concierge-Dienste sind ein Beispiel dafür, wie gerade in Großwohnsiedlungen die Sicherheit erhöht werden kann sowie kleinere Konflikte und Anliegen der Bewohner und Bewohnerinnen schnell geregelt werden können.
  • Die Einrichtung von Nachbarschaftszentren und Investitionen in lebendige Nachbarschaften zahlen sich über die Stabilität der Wohnungsbelegung aus.
  • Wohnungsunternehmen können einen Teil der anfallenden Instandhaltungs- oder Renovierungsarbeiten an eine Beschäftigungsgesellschaft oder ein Unternehmen übertragen, die wiederum für die im Quartier ansässigen Erwerbslosen oder Jugendlichen Arbeitsplätze und/oder Qualifizierungsmöglichkeiten anbieten.
Eher ungewöhnlich sind im bundesdeutschen Kontext dagegen die folgenden Beispiele:
  • Leer stehende Räumlichkeiten können Existenzgründern und kleinen und mittelständischen Unternehmen zu günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt und damit der wirtschaftliche Erneuerungsprozess unterstützt werden. Ein Beispiel für die Umwidmung von Wohnräumen für geschäftliche Nutzung ist das Beispiel des städtischen Wohnungsunternehmens MKB in Malmö-Rosengård [siehe folgendes Schaubild].
  • Die Vermittlung von arbeitslosen Personen aus dem Viertel in Beschäftigungsverhältnisse über ein privates, von dem Wohnungsunternehmen bezahltes Arbeitsvermittlungsbüro ist ebenfalls ein Beispiel aus Malmö-Rosengård (siehe dazu Hagetoft/Cars 2000).

MKB (Malmö Municipal Housing Company)

Charakteristika
  • städtisches Wohnungsunternehmen
  • 18.890 Wohnungen in Malmö/Schweden, davon 2.446 in Rosengård, einer peripher gelegenen Großwohnsiedlung aus den 60er-/70er-Jahren
Zielsetzung von MKB
  • lebendige Nachbarschaften fördern
  • Kommunikation des Wohnungsunternehmens mit den Bewohnern und Bewohnerinnen stärken
  • die Stärkung ökonomischer Aktivitäten in Rosengård als Teil eines vielschichtigen Gesamtkonzeptes: Unternehmen in Rosengård ansiedeln, Arbeitsplätze für Bewohner und Bewohnerinnen vermitteln, Existenzgründungen fördern
Wirtschaftliche Entwicklungsmaßnahmen
  • neben der Einrichtung einer privaten Arbeitsvermittlungsstelle der Ausbau eines Wohnhauses zu einem "House of Entrepreneurs": ein Gründerzentrum für Existenzgründer und junge kleine und mittlere Unternehmen
  • günstige Räumlichkeiten für Existenzgründer im Wohnungsbestand der MKB (momentan 12 Gründer, angestrebt: 30-40 auf ca. 1.200 m2); Miete bei etwa der Hälfte des Marktpreises
  • Beratungs- und Unterstützungsangebot für angesiedelte Unternehmen (über CNB)
Zielgruppe
  • Existenzgründer und junge Unternehmen in ganz Malmö
  • langfristig: lokale Bewohnerschaft für Existenzgründungen interessieren
Kooperationspartner
  • Malmö Centre for New Businesses (CNB), ein Netzwerk aus 50 Unternehmen und der Stadt Malmö, die Seminare, Veranstaltungen und Beratungsdienstleistungen für die Existenzgründer in Rosengård anbieten
Finanzierung
  • Subventionierung MKB: Hälfte der Miete der Geschäftsräume, Marketing und Anzeigen, 2-3 Arbeitskräfte stundenweise für Organisation und Bewirtschaftung des Gründerzentrums
  • CNB: 2-3 Arbeitskräfte stundenweise für Beratungen etc.
Nutzen für die Wohnungsgesellschaft
  • Imageverbesserung Rosengård
  • "Vorbildfunktion" für die Bewohnerschaft
  • langfristig: ökonomische "Spin-off"-Effekte für die Bewohnerschaft in Form von Arbeitsmöglichkeiten; Mieteinkommen aus Vermietung

Quelle: Hagetoft/Cars 2000 - ELSES Projekt.


Für viele dieser Handlungsfelder - das zeigt ja auch das Beispiel Malmö-Rosengård - gilt, dass es für Wohnungsunternehmen wichtig ist, kompetente Kooperationspartner zu finden und Kooperationen mit sozialen Trägern, mit der Stadtverwaltung, mit wirtschaftlichen Akteuren einzugehen.


4. Die Förderung der lokalen Ökonomie in den Zeiten der Globalisierung

Eine lokale Ökonomie in den Zeiten der Globalisierung zu fördern mag zunächst widersprüchlich klingen. Doch: Es ist von einem "Paradigma der Synchronizität" (Keil/ Ronneberger 1991, 132) zu sprechen, das heißt: "Grundsätzlich lässt sich formulieren: die Modernisierung des städtischen Raums erscheint zunächst als globaler Prozess, sie geht aber immer mit der Generierung lokaler Aktivitäten einher." (Dies. 1991, 125). Globalisierung und Lokalisierung sind somit parallele Prozesse. Globale Kräfte werden durch die spezifischen lokalen Bedingungen gefiltert, gebrochen, transformiert. Als Filter wirken gebaute Strukturen, Lebensweisen, Traditionen und Milieus vor Ort, natürlich aber auch die Politik, die Wohnungs- und Sozialsysteme.

Das Bild einer grenzenlosen Ökonomie und der Globalisierung der wirtschaftlichen Austauschprozesse stimmt somit nur teilweise. Natürlich sind Gesellschaften heute mehr denn je von globalen Tendenzen, von globalem Wettbewerb geprägt. Aber: Eine global agierende Wirtschaft bedarf fest strukturierter, identitätsstiftender Subsysteme (vgl. Huster 2001, 25), das ist Feststellung und politischer Anspruch zugleich. Nur durch die Weiterentwicklung und Festigung dieser Subsysteme, nämlich der Quartiere, der Kommunen und der Regionen, wird es gelingen, unter den Bedingungen der Globalisierung sozialräumliche Prozesse und Segregationen aufzuheben, Teilnahmemöglichkeiten zu erhalten und zu schaffen, soziale Kohäsion zu fördern. Wohnungsunternehmen spielen bei der Festigung dieser Sozialräume eine wichtige Rolle.

Zwei Anmerkungen zur Relevanz und Reichweite von lokalökonomischen Prozessen zum Schluss:

  1. Das heißt nicht, dass es immer gelingen wird, eine Quartiersökonomie zu stärken. Manche Prozesse, wie die Arbeitsmigration, die Banalisierung des nicht filialisierten Versorgungsangebots und der Schwund an industriellen Arbeitsplätzen in den Quartieren sind nicht unmittelbar aufzuhalten oder umzukehren. In Großwohnsiedlungen sind vielfach bauliche Maßnahmen zur Diversifizierung der räumlichen Struktur notwendig, müssen Strukturen und Räume erst geschaffen werden, in denen sich ökonomische Aktivitäten entwickeln können. In einigen Stadtteilen mögen schlichtweg die belastungsfähigen und risikofreudigen Träger solcher neuer ökonomischer Aktivitäten (im Sinne von sozialen Unternehmern wie auch innovativer Marktakteure) fehlen. Es gibt keinen einfachen Weg und keinen Standardweg zur Förderung einer lokalen Ökonomie.
  2. Es geht nicht darum, autarke lokale Ökonomien zu entwickeln. Es geht darum "eine Ökonomie an den Bedürfnissen und Bedarfen eines Ortes, einer Region" zu orientieren und "unter Weltmarktbedingungen nicht von den Verhältnissen vor Ort abzusehen, sondern ihnen eine existenzsichernde Bedeutung beizumessen und sie in dieser Funktion wahr- und ernst zu nehmen" (Körber/Peters/Weck 2001, 40).

Vortragsbegleitende Literatur

Bayerisch-Sächsische Zukunftskommission (1997) (Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen): Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit in Deutschland. Entwicklung, Ursachen und Maßnahmen. Bonn.

Beck, Ulrich: Die Seele der Demokratie. Wie wir Bürgerarbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren können. In: Die Zeit, Nr. 49 vom 28. November 1997.

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung: Lebenslagen in Deutschland. Der erste Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Teil I: Bericht. Teil II: Daten und Fakten. Berlin 2001.

Eichener, Volker (2001): Wohnungswirtschaft, Marketing, Soziales Management - Integrierte Revitalisierungsstrategien. Vortrag auf einer Tagung des FWI in Bochum am 31. Mai 2001: Integriertes Quartiersmanagement. Handlungsfelder - Organisations- und Finanzierungsfragen.

Evers, Adalbert/Schulze-Böing, Matthias/Weck, Sabine/Zühlke, Werner (2000): Soziales Kapital mobilisieren. Dortmund, ILS Band 154. Friedrich, Norbert (2001): Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung von Großsiedlungsgebieten. Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus dem EU-Pilotprojekt Bremerhaven-Grünhöfe. Vortrag bei der ILS Konferenz "Nachhaltige Erneuerung von Großwohnsiedlungen", Dortmund, 7.-9. Juni 2001.

Friedrich, Norbert (2001): Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung von Großsiedlungsgebieten. Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus dem EU-Pilotprojekt Bremerhaven-Grünhöfe. Vortrag bei der ILS Konferenz "Nachhaltige Erneuerung von Großwohnsiedlungen", Dortmund, 7.-9. Juni 2001.

Hagetoft, Jonas/Cars, Göran (2000): Case Study Malmö-Rosengård. Länderbericht im Rahmen des ELSES-Projekts (Evaluation of Local Socio-Economic Strategies in Disadvantaged Urban Areas), Europäische Kommission, DG 12, TSER Programm; 1998-1999. Bericht verfügbar über: http://www.ils.nrw.de/netz/elses.

Häußermann, Hartmut (2001): Die europäische Stadt. In: Leviathan, 29. Jg. Heft 2, S. 237-255.

Huster, Ernst-Ulrich (2001): Die Soziale Stadt zwischen Zentralisierung der Politik und Globalisierung der Ökonomie. In: Stadt macht Zukunft. Neue Impulse für eine nachhaltige Infrastrukturpolitik. ILS Dortmund 2001, S. 19-30.

IFP (Interdisziplinäres Forschungsprojekt) Lokale Ökonomie Berlin (Hrsg.) (1994): Lokale Ökonomie. Beschäftigungs- und Strukturpolitik in Krisenregionen. Ein internationales Symposium.

ILS (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen) 2000: Analyse der Umsetzung des integrierten Handlungsprogramms für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf. Autoren: Klaus Austermann/Ralf Zimmer-Hegmann. ILS Band 166. Dortmund.

Körber, Manfred/Peters, Ulla/Weck, Sabine (2001): Wirtschaften im Kontext. Neue Räume für eine solidarische und nachhaltige Ökonomie? Dortmund/Dessau. Arbeitspapier. Verfügbar über: http://www.ils.nrw.de.

Krätke, Stefan (1995): Stadt - Raum - Ökonomie: Einführung in aktuelle Problemfelder der Stadtökonomie und Wirtschaftsgeographie. Basel, Boston, Berlin.

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