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Wirtschaft ist ein Faktor für Lebendigkeit, Stabilität und die Vielfältigkeit
von Entwicklungschancen in einem städtischen Quartier. Betriebe im Quartier
sichern die Versorgung: Die Vielfalt und die Qualität der Versorgung ist
ein wichtiger Aspekt der Lebensqualität vor Ort, gerade für die in ihrer
Mobilität eingeschränkten Personen. Wohnortnahe Betriebe können Arbeitsplätze,
Qualifikationsmöglichkeiten und Einkommensmöglichkeiten bieten. Beschäftigungs-
und Qualifizierungsmöglichkeiten vor Ort, auch für die vom Arbeitsmarkt
ausgegrenzten Personen, zu fördern ist - neben den sozialen und den städtebaulichen
Strategien - ein unverzichtbarer Bestandteil, wenn es um die Erneuerung
eines Stadtteils, die Entwicklung eines lebendigen Gemeinwesens geht.
Aber neben der unmittelbaren Existenzsicherung haben wohnortnahe Betriebe
auch noch eine andere Funktion. Sie sind wichtiger Bestandteil städtischen
Lebens, ein Faktor für soziale Dichte, alltägliche Interaktionen und Kommunikation.
Läden im Quartier sind Anlauf- und Kontaktstellen für die Bewohner und
Bewohnerinnen. Wirtschaft vor Ort ist ein Faktor, der die Entwicklungschancen
eines städtischen Quartiers und die Entwicklungschancen von Menschen in
einem Stadtteil mitbestimmt. Und damit wird die Förderung der Ökonomie
in einem Quartier auch zu einem Thema für die Wohnungswirtschaft.
Im Folgenden steht im Vordergrund, aus welcher Perspektive Wirtschaften
im Quartier zum Thema wird und welche unterschiedlichen Ansätze und Entwicklungsmodelle
es gibt. Es wird auch diskutiert, welche Rolle und welche Aufgaben sich
für die Wohnungswirtschaft im Kontext Quartierserneuerung - Stadtteilökonomie
ergeben.
1. Wirtschaften im Quartier wird zum Thema 
Aus den unterschiedlichsten Perspektiven zeigt sich heute ein Interesse
an dem Thema "Wirtschaften im Stadtteil - Quartiersbezogene Ökonomie".
1.1 Integrierte Stadtteilerneuerung

Ökonomische Erneuerungsstrategien sind - neben den sozialen und den
städtebaulichen Strategien - ein unverzichtbarer Bestandteil, wenn es
um die nachhaltige Erneuerung eines Stadtteils, um die Stärkung eines
lokalen lebendigen Gemeinwesens geht. Lange Zeit wurde (in Westdeutschland)
bei staatlichen oder kommunalen Erneuerungsmaßnahmen in Steine investiert,
also in die baulich-städtebauliche Erneuerung eines Quartiers, aber nicht
in die Menschen, die in einem Quartier leben und arbeiten. Soziale und
ökologische Aspekte fanden in den 80er-Jahren stärkere Verankerung im
Handeln vor Ort, angestoßen z.B. auch durch die IBA in Berlin mit ihrer
Philosophie der behutsamen Stadterneuerung. Die Ökonomie im Quartier -
die Betriebe im Stadtteil, die Flächennutzung, die Versorgungslage der
Bewohner, die Erwerbslosigkeit im Quartier - wurde erst in den 90er-Jahren
zum Thema.
Wenn von quartiersbezogener Ökonomie im Kontext der integrierten Stadtteilerneuerung
die Rede ist, zählen dazu Qualifizierungs- und Vermittlungsmaßnahmen oder
auch zusätzlich geschaffene (oftmals temporäre) Arbeitsgelegenheiten für
die Bewohnerschaft. Dass Menschen an der sozialen und ökonomischen Entwicklung
nicht teilhaben, dafür liegen die Gründe natürlich überwiegend nicht im
Quartier, sondern in überlokalen Entwicklungen. Gleichwohl müssen Angebote
und Strategien, die das Leben und Arbeiten in den Stadtteilen verbessern
wollen, vor Ort ansetzen. Des Weiteren umfassen die Strategien im Allgemeinen
die Bestandspflege von ansässigen Unternehmen, die Förderung von Existenzgründungen
und die Entwicklung von beschäftigungswirksamen Projekten im Bereich der
formellen Ökonomie oder des Dritten Sektors. Auch stadtteilbezogene Marketingkonzepte
oder lokale Finanzierungskonzepte gewinnen in der Praxis langsam an Bedeutung.
Die Wirtschaftsentwicklung vor Ort soll - so die Prämisse - dem Stadtteil
und seiner Bewohnerschaft mittelbar und unmittelbar nutzen. Nicht die
einzelbetriebliche Rentabilität von Betrieben wird gefördert, sondern
deren Beitrag zur Vielfalt der Versorgungsstruktur, der Arbeitsplatzschaffung
vor Ort und der Stärkung des lokalen Gemeinwesens.
1.2 Soziale Dichte und Nutzungsmischung
als städtische Qualitäten 
Nutzungsmischung und Dichte, die Gestaltung von öffentlichem Raum und
eine gute Nahversorgungslage werden in Planung und Politik wieder stärker
als städtische Qualitäten erkannt, die es zu erhalten und zu fördern gilt.
Und dazu gehört auch die Wirtschaft vor Ort. Städte in Europa zeichnen
sich - trotz Abwanderungs- und Dezentralisierungstendenzen - noch immer
durch ein oft historisches, Identifikation verleihendes Stadtzentrum,
durch Nebenzentren, in denen sich Infrastruktur, Geschäfte und Arbeitsplätze
konzentrieren, und durch lebendige und vielfältige (weil in der Nutzung
gemischte) Quartiere aus. Diese Qualitäten gilt es zu erhalten und zu
fördern. Innenverdichtung und Nutzungsanreicherung im Bestand sind sinnvolle
und notwendige planerische Gegenkonzepte angesichts der zunehmenden Abwanderung
von Haushalten und Betrieben in das Umland mit den bekannten ökologischen
und verkehrlichen Folgen. Bei der Neubeplanung von innerstädtischen brachgefallenen
Flächen können städtische Strukturen angestrebt werden (siehe z.B. für
die Tübinger Südstadt: Soehlke 2001),
monofunktionale Großwohnsiedlungen mit neuen Nutzungen angereichert werden
(siehe z.B. Bremerhaven-Grünhöfe: Friedrich
2001). Mit der Rückgewinnung urbaner Strukturen in der Stadt verbinden
sich über die städtebaulichen und räumlichen Aspekte hinaus die Hoffnungen
nach einer kulturellen Kraft, die soziale Integration und die Aushandlung
von Interessen in der Stadt im Sinne eines "Gemeinwohls" fördert, Identität
und Identifikation ihrer Bewohner und Bewohnerinnen begünstigt, und die
eine Art "Puffer" gegenüber der radikalen Marktdurchdringung in Zeiten
der Globalisierung bilden kann (Häußermann
2001, 253 f.).
1.3 Neue Anforderungen an die Wirtschaftsförderung

Für das städtische Wachstum und die wirtschaftliche Entwicklung einer
Stadt sind unterschiedliche Teilökonomien von Bedeutung: die global eingebundenen
Teile der städtischen Wirtschaft, aber auch die auf spezifischen regionalen
oder lokalen Traditionen beruhenden Teile der Wirtschaft und schließlich
auch die Stadtteil- und Quartiersökonomie mit ihrem kleinräumigen Absatz-
und Einzugsbereich (vgl. zu den Teilökonomien der städtischen Wirtschaft
am Beispiel Hamburgs Läpple/Deecke/Krüger 1994).
In Regionalwissenschaft und Stadtforschung werden ökonomische Analysen
zunehmend ergänzt um kulturelle, institutionelle, räumliche und soziale
Faktoren städtischer und regionaler Milieus (vgl. Läpple
1996), um Erklärungsansätze für das Wachstum oder den Niedergang einer
Region zu finden. Städtische Entwicklung wird von einer Reihe von Autoren
als Prozess begriffen, der im Kontext eines globalen gesellschaftlichen
Strukturwandels abläuft, aber von den gesellschaftlich-politischen Kräften
vor Ort gestaltet wird und gestaltet werden kann (Krätke 1995, 11).
Wirtschaftsförderer und Stadtpolitiker scheinen heute vor allem auf die
so genannten Wachstumsindustrien wie Hightech-Unternehmen, auf die Informations-
und Kommunikationsbranche, auf Forschung und Entwicklung, spezialisierte
unternehmensbezogene Dienstleistungen und auf die globalen Wirtschaftsunternehmen
zu setzen. Die "Weltmarktorientierung" in der städtischen Entwicklungspolitik
(vgl. Läpple 1999, 31) mag für einige
wenige Metropolräume unumgänglich sein, darf aber nicht die alleinige
Aufmerksamkeit von städtischer Politik und Wirtschaftsförderung beanspruchen.
Die Konzentration der Wirtschaftsförderung auf die globalisierten Teile
der städtischen Ökonomie ist kein vielversprechender Weg zu städtischem
Wirtschaftswachstum. Verschiedene Analysen legen eine enge wechselseitige
Verknüpfung der global eingebundenen mit den lokal oder regional eingebundenen
Wirtschaftskreisläufen nahe (Porter 1999,
63). Regionale und lokale Zusammenhänge und Wirtschaftskreisläufe müssen
in ihrer Bedeutung aus diesem Blickwinkel neu bewertet werden. Die lokal
oder regional eingebettete Wirtschaft hat nicht nur einen hohen Anteil
an der gesamtstädtischen Beschäftigung (vgl. Läpple/Deecke/Krüger
1994). Sie bildet auch ein stabiles Beschäftigungssegment. Und: Erst
die Einbettung in die lokalen und regionalen Milieus ermöglicht Unternehmen
die Anpassung an die globalen Herausforderungen (vgl. Läpple
1999). Dies stellt an die kommunale und regionale Wirtschaftsförderungspolitik
komplexe Anforderungen. Wie Walter und Läpple am Beispiel von drei Hamburger
Stadtteilen aufzeigen, lässt sich die wohnungsnahe Beschäftigung durch
kooperative Strategien fördern, wenn die entsprechenden beruflichen Milieus
und Zugangsvoraussetzungen zu den Betrieben Berücksichtigung in den städtischen
Politiken finden (Walter/Läpple 1998).
1.4 Arbeitsmarktentwicklung und
wirtschaftliche Strukturumbrüche
In den Städten und insbesondere in den sozialräumlich ausgegrenzten städtischen
Räumen stellt sich die Frage nach der Integration von Menschen, die über
lange Zeit oder dauerhaft aus der Erwerbsarbeit ausgeschlossen sind. Niedrig
qualifizierte und unqualifizierte Arbeiter, aber auch nicht flexible oder
ältere Arbeitnehmer sowie die in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkten
Personen sind diejenigen, die besonders häufig vom Ausschluss aus der
Erwerbsgesellschaft betroffen sind (Bundesministerium für
Arbeit und Sozialordnung, Bericht I, S. 144 ff. bzw. Bericht
II, S. 169 f.). Wenn die Teilhabe an der Gesellschaft für bestimmte
Personengruppen nicht mehr zwangsläufig über den Arbeitsmarkt funktioniert,
die Wiederherstellung normaler Vollbeschäftigung zunehmend in die Ferne
rückt oder auch die Lebensstile nicht mehr kompatibel sind mit der klassischen
Erwerbsbiographie, dann werden so unterschiedliche Konzepte wie die "Bürgerarbeit"
(Bayerisch-Sächsische Zukunftskommission; Ulrich
Beck) oder "New Work" (Frithjof Bergmann) diskutiert. In diesen Konzepten
geht es um sinnstiftende Arbeit, teils parallel zur und in neuer Verzahnung
mit der Erwerbsarbeit diskutiert, teils als Alternative dazu. Viele der
Konzepte setzen am lokalen Gemeinwesen an. Bürgerengagement, Ehrenamt
und freiwillige Mitarbeit in Organisationen, Verbänden und Stiftungen
geraten von zwei Seiten ins Blickfeld. Zum einen als Möglichkeiten der
gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen, die zeitweise oder dauerhaft
aus der Erwerbsarbeit ausgeschlossen sind (was gerade angesichts eines
wachsenden Anteils von langzeitarbeitslosen Personen Bedeutung erhält).
Zum anderen bildet die ehrenamtliche und freiwillige Arbeit eine solidaritätsstiftende
und demokratiefördernde Ressource, die das "soziale Kapital" eines lebendigen
Gemeinwesens herstellen und fördern kann. Arbeit im Quartier bietet Ansatzmöglichkeiten
für sinnstiftende Beschäftigung und - bei förderlichen regionalen Arbeitsmarktbedingungen
- für die Reintegration in den Arbeitsmarkt. Immer mehr Kommunen entwickeln
lokale Arbeitsmarktprogramme, größtenteils unter dem Druck der Ausgabenentwicklung
im sozialen Bereich. In kommunalen Arbeitsmarktprogrammen können Mehrzielprojekte,
das heißt solche Projekte, die neben der arbeitsmarktpolitischen Zielsetzung
auch bewusst gemeinwesenbezogene und soziale Zielsetzungen verfolgen,
hohen Nutzen erzielen (vgl. dazu Evers et al. 2000).
2. Entwicklungsmodelle zur Förderung der lokalen Ökonomie
2.1 Verständnis von Ökonomie 
Wenn von Ökonomie oder Wirtschaft gesprochen wird, so ist damit meist
die Marktökonomie gemeint. Aber Ökonomie bedeutet mehr. Es umfasst das
gesamte wirtschaftliche Handeln an einem Ort. Wenn die Wirtschaft im Quartier
gefördert werden soll, so müssen auch die staatlichen bzw. kommunalen
Investitionsströme analysiert werden. So kann nach Möglichkeiten gesucht
werden, wie Strukturpolitik und öffentliche Investitionen mit Arbeits-
und Qualifizierungsmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung verknüpft
werden können. Auch Art und Umfang der informellen Ökonomie vor Ort sollten
untersucht werden. So kann nach Möglichkeiten gesucht werden, einen Teil
der informellen Ökonomie in die formelle zu überführen. Zu den Potenzialen
vor Ort, die im Rahmen der lokalen Wirtschaftsentwicklung analysiert werden
sollten, gehören ferner die Investitionskraft der Bewohnergruppen, Hauseigentümer
und Wirtschaftsakteure, das so genannte Humankapital in Form von Qualifikationen
und besonderen Potentialen der Bevölkerung vor Ort und auch das soziale
Kapital in Form von Mitwirkungsbereitschaft und bürgerschaftlichem Engagement.
Dies alles gilt es zu berücksichtigen, wenn es um Konzepte zur Förderung
der lokalen Ökonomie geht.
2.2 Soziale Kohärenz und wirtschaftliche
Entwicklung
Wenn Stadtpolitiker über die wirtschaftlichen Entwicklungschancen sprechen,
dann scheint es mittlerweile allgemein anerkannt, dass Unternehmen bei
der Standortwahl nicht allein nach harten Kriterien (wie Lage, Preis,
Anbindung) entscheiden. Der Freizeitwert einer Region beispielsweise oder
auch die Agglomerationsvorteile bei der Ansiedlung in bestimmten Metropolregionen
sind als weiche Standortfaktoren mittlerweile allgemein anerkannt. Zu
wenig Niederschlag findet in der städtischen Politik aber die Bedeutung
von sozialem Kapital und funktionierenden Gemeinwesen. Städtische Entwicklung
und auch wirtschaftliches Wachstum basieren auf sozialen Netzwerken, auf
sozialem Frieden, auf intakten Gemeinwesen, auf Sozialräumen, die die
Teilhabemöglichkeiten von Menschen an der städtischen Gesellschaft fördern.
Die politische Aufmerksamkeit für den Zusammenhang zwischen sozialer
Kohärenz und wirtschaftlicher Entwicklung ist gering, die Trennung in
"Ökonomie" und "Soziales" wird in Politik, Wirtschaftsförderung und Förderprogrammen
noch meist scharf gezogen. Dabei können soziale Faktoren zum Standortfaktor
werden, und umgekehrt hat die Form der ökonomischen Entwicklung (ob eher
polarisierend oder integrierend) Einfluss auf die soziale Kohärenz in
einem Raum. Um Missverständnissen vorzubeugen: Damit soll nicht der Beweis
geführt werden, dass soziale und gemeinwesenbezogene Integrationspolitiken
aus rein ökonomischen Gründen auf die politische Agenda gehören. Das wäre
zu eng gefasst. Eine gute Lebensqualität in allen Stadtteilen und vielschichtige
Integrationspolitiken sind eigenständige Oberziele, die Auswirkungen auf
die städtische Lebensqualität und die wirtschaftliche Entwicklung haben.
2.3 Reformorientierte, normative
Ansätze eines "anderen Wirtschaftens" 
Es gibt eine Reihe von Ansätzen, die die oben angesprochene Trennung
von ökonomischen und sozialen Zielsetzungen aufheben und gleichberechtigt
neben das Ziel der ökonomischen Profitmaximierung gesellschaftliche Ziele
wie Gemeinwohl, Solidarität, Integration und Nachhaltigkeit stellen [siehe
Schaubild]. Mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten wird über ein "anderes"
Wirtschaften diskutiert. Lokale Ökonomie (als normatives Konzept nach
der Definition des IFP Lokale Ökonomie Berlin, siehe IFP
1994), Gemeinwesenökonomie, Economie Sociale, Dritter Sektor usw.
sind nur einige der Be-griffe und Diskurse.
Antrieb erhält die Diskussion um solidarische und nachhaltige Wirtschaftsformen
unter anderem im Rahmen der Agenda-21-Prozesse, sowie der Bundes- wie
Länderprogramme zur Sozialen Stadt und ihren Anforderungen an neue räumliche
wie sachliche Vernetzungen. Aber auch über Programme der europäischen
Struktur- und Beschäftigungsförderung, die die Philosophie von lokalen
Partnerschaften zwischen örtlichem Gemeinwesen, Staat und Markt sowie
die Förderung eines dritten Sektors in die bundesdeutsche Politik und
Praxis einbringen.
Es geht in dieser Debatte um das Verhältnis von Ökonomie und Gesellschaft
(siehe dazu auch: Körber/Peters/Weck 2001). Einige
der Ansätze sind stark reformorientiert und stellen normative gesellschaftliche
Zielbestimmungen (wie Solidarität, Gemeinwohl, Nachhaltigkeit und soziale
Integration) über oder zumindest gleichberechtigt neben die ökonomische
Logik der Profitmaximierung. Andere Ansätze stellen die jetzige Wirtschaftsweise
nicht infrage, wollen die Marktökonomie aber z.B. durch einen Dritten
Sektor ergänzen oder die Anschlüsse der lokalen und regionalen Wirtschaft
an eine globalisierte Ökonomie anders ausgestalten und formen. Es geht
- in unterschiedlichem Ausmaß - um die Neubestimmung des Verhältnisses
zwischen ökonomischen und gesellschaftlichen Werten, Normen und Regeln,
um den stärkeren Bezug von Ökonomie auf die lokalen und regionalen (sozialen,
lebensweltlichen, ökologischen) Bedarfe und Bedürfnisse, um die stärkere
Einbettung von Ökonomie in die Gesellschaft an einem gegebenen Ort, letztendlich
auch um die Frage der Ethik in der Ökonomie.
Diese ethikbezogene Argumentation lässt sich bis auf Aristoteles zurückverfolgen,
der über die Rolle des Staates in ökonomischen Angelegenheiten (zitiert
nach Sen (1987, 3)) sagte, das Ziel des Staates sei
"the common promotion of a good quality life". Der Wirtschaftswissenschaftler
Amartya Sen, der 1998 den Nobelpreis erhielt, analysiert, wie eine eher
logistische, technisch orientierte Ökonomie vor allem im letzten Jahrhundert
mehr und mehr Rückhalt in den Wirtschaftswissenschaften fand, und plädiert
für die Stärkung der ethikbezogenen Argumentation zum Nutzen von Wirtschaftswissenschaften
und Gesellschaft (Sen 1987).
Es gibt eine Vielzahl von eindrucksvollen Projekten und Praxisbeispielen
zur Förderung von Gemeinwesenökonomie und Stadtteilwirtschaft, die als
praktische Umsetzungen der zuvor benannten Ansätze angeführt werden können.
(Überwiegend kann nicht von Theorien oder eigenständigen theoretischen
Zugängen gesprochen werden, sondern von Ansätzen, die auf der beschreibenden
Ebene Notwendigkeiten und Zielvorstellungen definieren.) Dies sind Genossenschaften,
die sich in einem Stadtteil gründen (siehe z.B. Genossenschaft am Beutelweg
in Trier-Nord), soziale Betriebe, die sich neben der ökonomischen Zielsetzung
der Gewinnerwirtschaftung vor allem dazu verpflichtet fühlen, Arbeitsplätze
zu schaffen und ansässigen Bewohnern Qualifikationsmöglichkeiten zu bieten
oder eine bestimmte Lücke im Versorgungsangebot vor Ort zu schließen (siehe
zu den Beispielen: Evers et al. 2001).
2.4 Eine neue Wirtschaftsförderung
als Antwort auf sozialräumliche innerstädtische Polarisierungen 
Die Förderung der lokalen Ökonomie in einem Stadtteil mit besonderem
Erneuerungsbedarf ist keine traditionelle "Wirtschaftsförderung im kleinen
Maßstab". Es geht um eine qualitativ neue Wirtschaftsförderung, die Die
Förderung der lokalen Ökonomie in einem Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf
ist keine traditionelle "Wirtschaftsförderung im kleinen Maßstab". Es
geht um eine qualitativ neue Wirtschaftsförderung, die
- Dienstleistungen und Angebote räumlich differenziert anbietet und
an den Anforderungen vor Ort ausrichtet. Die sorgfältige Beratung von
Existenzgründern beispielsweise ist gerade in den Stadtteilen mit besonderem
Erneuerungsbedarf wichtig, wo sich das Klientel oftmals aus entmutigten
und formal oft nicht sehr hoch qualifizierten Personen zusammensetzt.
- Existenzgründern, kleinen und mittleren Unternehmen und den Unternehmensgründungen
von Migranten mehr Aufmerksamkeit entgegenbringt. Ethnische Unternehmen
übernehmen mittlerweile oft eine wichtige Versorgungsfunktion in Quartieren.
In den etablierten Wirtschaftsförderungsinstitutionen spiegeln sich
die besonderen Beratungsbedarfe von Migranten aber überwiegend noch
nicht wider.
- Bestandsschutz als ebenso wichtige Aufgabe ansieht wie Neuansiedlungen
zu fördern. Dazu gehört die Stärkung der Kooperation zwischen Unternehmen
vor Ort und die Vor-Ort-Unterstützung der ansässigen Unternehmen bei
Problemen und einer Reihe von wirtschaftsrelevanten Aspekten. Dazu gehört
auch, mit den ansässigen Unternehmen über das Stadtteilimage und über
geeignete Projekte der Außenwerbung zu sprechen und gemeinsam Projekte
umzusetzen.
- sich gerade in den Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf eine
aktivierende, aufsuchende Vorgehensweise aneignet.
Diese Form der lokalen Wirtschaftsentwicklung findet sich in vielen Stadtteilen
in NRW mittlerweile (z.B. Duisburg-Marxloh, Gelsenkirchen-Bismarck,
Dortmund-Nordstadt, Oberhausen-Knappenviertel), teils über die Schaffung
von Büros für Wirtschaftsentwicklung vor Ort. (Zur Selbstdarstellung der
Büros und Projekte siehe www.lokale-oekonomie.de)
Drei Punkte verdienen es, besonders hervorgehoben zu werden:
| 1. |
Es geht um ökonomische Erneuerung und
soziale Entwicklung. Ein Handlungskonzept muss mehrstufig sein. Ohne
niedrigschwellige Projekte und soziale Stabilisierungskonzepte verblassen
auch die Leuchtturmprojekte bzw. entfalten keine nachhaltige Wirkung.
Ohne Verbesserung des Images eines Ortes wird der Handwerkerhof keine
Abnehmer finden. Ohne passgenaue Qualifizierungs- und Vermittlungsmaßnahmen
kommen die über Neuansiedlungen geschaffenen Arbeitsplätze nicht den
Bewohnern und Bewohnerinnen des Ortsteils zugute. |
| 2. |
Dabei ergänzen binnenorientierte Ansätze,
die die endogenen Potenziale in einem Quartier fördern, solche Ansätze,
die die Austauschprozesse zwischen dem Quartier und der Gesamtstadt
bzw. Region stärken. Rein binnenorientierte - also rein auf die Quartierspotenziale
bezogene - Ansätze, können dazu führen, einen Raum noch stärker zu
peripherisieren oder gar stärker zu marginalisieren. Ansätze die rein
auf neue Austauschbeziehungen zwischen dem Stadtteil und der Gesamtstadt
setzen, verpuffen in ihren Effekten, wenn sie nicht die Menschen und
Betriebe im Stadtteil als Ausgangspunkt nehmen. |
| 3. |
Allerdings stehen Programme der städtischen
und regionalen Beschäftigungs- und Wirtschaftsförderung, der regionalen
Strukturpolitik noch zu oft unverbunden neben den stadtteilbezogenen
Ansätzen zur wirtschaftlichen Entwicklung und sozialen Stabilisierung.
So finden sich etwa Strategien, die eine Stadt im internationalen
Maßstab wettbewerbsfähig halten, ganz unvermittelt neben den sozialen
und bewohnerorientierten Stadtteilentwicklungskonzepten. Zu fordern
ist eine stärkere Verknüpfung, eine Kohärenz von kleinräumigen Politiken
der sozialen Stabilisierung und ökonomischen Entwicklung mit gesamtstädtischen
Politiken. |
3. Die Rolle und die Aufgaben von Wohnungswirtschaft
im Bereich der lokalen Wirtschaftsentwicklung 
3.1 Die Wohnungswirtschaft als
Akteur in der Stadtteilerneuerung 
Mit ihren Beständen beeinflussen Wohnungsunternehmen das Image eines
Quartiers (sowohl das Eigen-Image als auch das Fremd-Image), sie prägen
einen Standort. Wohnungsunternehmen entscheiden mit über die Qualität
des Wohnraumangebotes vor Ort. Damit beeinflussen sie auch die Attraktivität
des Stadtteils für verschiedene Bevölkerungsgruppen. In ihren Beständen
entscheiden Wohnungsunternehmen über Aufenthaltsqualitäten und Nutzungsmöglichkeiten.
Mit ihren Investitionen in ein lebendiges Gemeinwesen beeinflussen sie
die Stimmung an einem Ort, also das Wohn- und Lebensgefühl der Bewohnerschaft.
Damit entscheiden Wohnungsunternehmen auch über die Entwicklung eines
Quartiers.
Im Rahmen der Analyse der Umsetzung des nordrhein-westfälischen Programms
für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf lässt sich feststellen,
dass die Wohnungswirtschaft - von Ort zu Ort unterschiedlich - mal initiierender
Akteur und Träger im Stadtteilerneuerungsprozess sein kein (Beispiel Ratingen-West),
mal ein Akteur unter vielen (ILS 2000). Insbesondere
in den Großwohnsiedlungen der 60er-/70er-Jahre kommt der Wohnungswirtschaft
eine bedeutende Rolle im Stadtteilerneuerungsprozess zu.
3.2 Soziale Maßnahmen zahlen sich
langfristig betriebswirtschaftlich aus 
Wohnungsunternehmen sind wirtschaftliche Akteure mit wirtschaftlichen
Zielen. Bei Wohnungsunternehmen, an denen die Kommune oder das Land maßgebliche
Anteilseigner sind, mag man argumentieren, dass gleichberechtigt neben
das wirtschaftliche Profitinteresse noch ein gemeinwohlorientiertes Interesse
tritt. (In der Realität zeigt sich allerdings, dass auch kommunale wie
vom Land getragene Wohnungsunternehmen zunehmend unter dem Druck von kurzfristigen
Renditeerwartungen wirtschaften müssen.)
Wir müssen allerdings keine altruistischen Motive für ein soziales Engagement
voraussetzen: Das Investment in soziale Maßnahmen, die die Fluktuation
senken, das Image eines Stadtteils verbessern, die Konflikte zwischen
Mietern vermindern, zahlt sich langfristig auch betriebswirtschaftlich
aus. Dies lässt sich mit Zahlen belegen. Auf einer Tagung der Führungsakademie
der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (FWI) argumentierte Prof. Dr. Eichener
mit erstaunlichen Senkungen der Leerstandsquoten: Bei den Wohnungsunternehmen,
die soziale Maßnahmen ergriffen, teils über 15 Prozentpunkte (Eichener
2001). Es ist nicht nur der Mietausfall bei hohen Leerstandquoten,
der für Wohnungsunternehmen negativ zu Buche schlägt. Bei jedem Wohnungsauszug
entstehen Kosten für die Renovierung. Viele leer stehende Wohnungen und
fehlende soziale Kontrolle führen zu Vandalismusschäden. All dies erhöht
die Verwaltungskostenpauschale für Wohnungen, macht die Wohnbestände gerade
in den Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf teurer und bei entspanntem
Mietwohnungsmarkt noch unattraktiver, und diese Spirale dreht sich immer
schneller. Investitionen in lebenswerte Wohnquartiere erhalten die Attraktivität
der Bestände, sichern langfristig die Mieteinnahmen eines Wohnungsunternehmens
und damit auch die getätigten Investitionen. Damit treten neben das Kerngeschäft
der Vermietung und Verwaltung der Bestände vielfältige neue Aufgaben für
die Wohnungswirtschaft hinzu.
3.3 Exemplarische Beispiele für
das Engagement von Wohnungsunternehmen 
Es gibt eine Reihe von vorbildlichen Beispielen, wie Wohnungsunternehmen
mit vielfältigen sozialen Maßnahmen in das Zusammenleben der Bewohnerschaft
und in ein lebendiges Gemeinwesen investieren.
- Die Einrichtung von Vor-Ort-Büros und die entsprechende Schulung von
Mitarbeitern, die vor Ort tätig sind, verbessern den Dialog zwischen
Mietern und Wohnungsunternehmen.
- Concierge-Dienste sind ein Beispiel dafür, wie gerade in Großwohnsiedlungen
die Sicherheit erhöht werden kann sowie kleinere Konflikte und Anliegen
der Bewohner und Bewohnerinnen schnell geregelt werden können.
- Die Einrichtung von Nachbarschaftszentren und Investitionen in lebendige
Nachbarschaften zahlen sich über die Stabilität der Wohnungsbelegung
aus.
- Wohnungsunternehmen können einen Teil der anfallenden Instandhaltungs-
oder Renovierungsarbeiten an eine Beschäftigungsgesellschaft oder ein
Unternehmen übertragen, die wiederum für die im Quartier ansässigen
Erwerbslosen oder Jugendlichen Arbeitsplätze und/oder Qualifizierungsmöglichkeiten
anbieten.
Eher ungewöhnlich sind im bundesdeutschen Kontext dagegen die folgenden
Beispiele:
- Leer stehende Räumlichkeiten können Existenzgründern und kleinen und
mittelständischen Unternehmen zu günstigen Konditionen zur Verfügung
gestellt und damit der wirtschaftliche Erneuerungsprozess unterstützt
werden. Ein Beispiel für die Umwidmung von Wohnräumen für geschäftliche
Nutzung ist das Beispiel des städtischen Wohnungsunternehmens MKB in
Malmö-Rosengård [siehe folgendes Schaubild].
- Die Vermittlung von arbeitslosen Personen aus dem Viertel in Beschäftigungsverhältnisse
über ein privates, von dem Wohnungsunternehmen bezahltes Arbeitsvermittlungsbüro
ist ebenfalls ein Beispiel aus Malmö-Rosengård (siehe dazu Hagetoft/Cars
2000).
MKB (Malmö Municipal Housing Company)
Charakteristika
- städtisches Wohnungsunternehmen
- 18.890 Wohnungen in Malmö/Schweden, davon 2.446 in Rosengård,
einer peripher gelegenen Großwohnsiedlung aus den 60er-/70er-Jahren
Zielsetzung von MKB
- lebendige Nachbarschaften fördern
- Kommunikation des Wohnungsunternehmens mit den Bewohnern und
Bewohnerinnen stärken
- die Stärkung ökonomischer Aktivitäten in Rosengård als Teil
eines vielschichtigen Gesamtkonzeptes: Unternehmen in Rosengård
ansiedeln, Arbeitsplätze für Bewohner und Bewohnerinnen vermitteln,
Existenzgründungen fördern
Wirtschaftliche Entwicklungsmaßnahmen
- neben der Einrichtung einer privaten Arbeitsvermittlungsstelle
der Ausbau eines Wohnhauses zu einem "House of Entrepreneurs":
ein Gründerzentrum für Existenzgründer und junge kleine und mittlere
Unternehmen
- günstige Räumlichkeiten für Existenzgründer im Wohnungsbestand
der MKB (momentan 12 Gründer, angestrebt: 30-40 auf ca. 1.200
m2); Miete bei etwa der Hälfte des Marktpreises
- Beratungs- und Unterstützungsangebot für angesiedelte Unternehmen
(über CNB)
Zielgruppe
- Existenzgründer und junge Unternehmen in ganz Malmö
- langfristig: lokale Bewohnerschaft für Existenzgründungen interessieren
Kooperationspartner
- Malmö Centre for New Businesses (CNB), ein Netzwerk aus 50
Unternehmen und der Stadt Malmö, die Seminare, Veranstaltungen
und Beratungsdienstleistungen für die Existenzgründer in Rosengård
anbieten
Finanzierung
- Subventionierung MKB: Hälfte der Miete der Geschäftsräume,
Marketing und Anzeigen, 2-3 Arbeitskräfte stundenweise für Organisation
und Bewirtschaftung des Gründerzentrums
- CNB: 2-3 Arbeitskräfte stundenweise für Beratungen etc.
Nutzen für die Wohnungsgesellschaft
- Imageverbesserung Rosengård
- "Vorbildfunktion" für die Bewohnerschaft
- langfristig: ökonomische "Spin-off"-Effekte für die Bewohnerschaft
in Form von Arbeitsmöglichkeiten; Mieteinkommen aus Vermietung
|
Quelle: Hagetoft/Cars 2000 - ELSES Projekt.
Für viele dieser Handlungsfelder - das zeigt ja auch das Beispiel Malmö-Rosengård
- gilt, dass es für Wohnungsunternehmen wichtig ist, kompetente Kooperationspartner
zu finden und Kooperationen mit sozialen Trägern, mit der Stadtverwaltung,
mit wirtschaftlichen Akteuren einzugehen.
4. Die Förderung der lokalen Ökonomie in den Zeiten
der Globalisierung 
Eine lokale Ökonomie in den Zeiten der Globalisierung zu fördern mag
zunächst widersprüchlich klingen. Doch: Es ist von einem "Paradigma der
Synchronizität" (Keil/ Ronneberger 1991, 132) zu sprechen,
das heißt: "Grundsätzlich lässt sich formulieren: die Modernisierung des
städtischen Raums erscheint zunächst als globaler Prozess, sie geht aber
immer mit der Generierung lokaler Aktivitäten einher." (Dies.
1991, 125). Globalisierung und Lokalisierung sind somit parallele
Prozesse. Globale Kräfte werden durch die spezifischen lokalen Bedingungen
gefiltert, gebrochen, transformiert. Als Filter wirken gebaute Strukturen,
Lebensweisen, Traditionen und Milieus vor Ort, natürlich aber auch die
Politik, die Wohnungs- und Sozialsysteme.
Das Bild einer grenzenlosen Ökonomie und der Globalisierung der wirtschaftlichen
Austauschprozesse stimmt somit nur teilweise. Natürlich sind Gesellschaften
heute mehr denn je von globalen Tendenzen, von globalem Wettbewerb geprägt.
Aber: Eine global agierende Wirtschaft bedarf fest strukturierter, identitätsstiftender
Subsysteme (vgl. Huster 2001, 25), das ist Feststellung
und politischer Anspruch zugleich. Nur durch die Weiterentwicklung und
Festigung dieser Subsysteme, nämlich der Quartiere, der Kommunen und der
Regionen, wird es gelingen, unter den Bedingungen der Globalisierung sozialräumliche
Prozesse und Segregationen aufzuheben, Teilnahmemöglichkeiten zu erhalten
und zu schaffen, soziale Kohäsion zu fördern. Wohnungsunternehmen spielen
bei der Festigung dieser Sozialräume eine wichtige Rolle.
Zwei Anmerkungen zur Relevanz und Reichweite von lokalökonomischen Prozessen
zum Schluss:
- Das heißt nicht, dass es immer gelingen wird, eine Quartiersökonomie
zu stärken. Manche Prozesse, wie die Arbeitsmigration, die Banalisierung
des nicht filialisierten Versorgungsangebots und der Schwund an industriellen
Arbeitsplätzen in den Quartieren sind nicht unmittelbar aufzuhalten
oder umzukehren. In Großwohnsiedlungen sind vielfach bauliche Maßnahmen
zur Diversifizierung der räumlichen Struktur notwendig, müssen Strukturen
und Räume erst geschaffen werden, in denen sich ökonomische Aktivitäten
entwickeln können. In einigen Stadtteilen mögen schlichtweg die belastungsfähigen
und risikofreudigen Träger solcher neuer ökonomischer Aktivitäten (im
Sinne von sozialen Unternehmern wie auch innovativer Marktakteure) fehlen.
Es gibt keinen einfachen Weg und keinen Standardweg zur Förderung einer
lokalen Ökonomie.
- Es geht nicht darum, autarke lokale Ökonomien zu entwickeln. Es geht
darum "eine Ökonomie an den Bedürfnissen und Bedarfen eines Ortes, einer
Region" zu orientieren und "unter Weltmarktbedingungen nicht von den
Verhältnissen vor Ort abzusehen, sondern ihnen eine existenzsichernde
Bedeutung beizumessen und sie in dieser Funktion wahr- und ernst zu
nehmen" (Körber/Peters/Weck 2001, 40).
Vortragsbegleitende Literatur 
Bayerisch-Sächsische Zukunftskommission (1997) (Kommission
für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen): Erwerbstätigkeit
und Arbeitslosigkeit in Deutschland. Entwicklung, Ursachen und Maßnahmen.
Bonn.
Beck, Ulrich: Die Seele der Demokratie. Wie wir Bürgerarbeit
statt Arbeitslosigkeit finanzieren können. In: Die Zeit, Nr. 49 vom 28.
November 1997.
Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung: Lebenslagen
in Deutschland. Der erste Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung.
Teil I: Bericht. Teil II: Daten und Fakten. Berlin 2001.
Eichener, Volker (2001): Wohnungswirtschaft, Marketing,
Soziales Management - Integrierte Revitalisierungsstrategien. Vortrag
auf einer Tagung des FWI in Bochum am 31. Mai 2001: Integriertes Quartiersmanagement.
Handlungsfelder - Organisations- und Finanzierungsfragen.
Evers, Adalbert/Schulze-Böing, Matthias/Weck, Sabine/Zühlke,
Werner (2000): Soziales Kapital mobilisieren. Dortmund, ILS Band 154.
Friedrich, Norbert (2001): Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung
von Großsiedlungsgebieten. Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus dem
EU-Pilotprojekt Bremerhaven-Grünhöfe. Vortrag bei der ILS Konferenz "Nachhaltige
Erneuerung von Großwohnsiedlungen", Dortmund, 7.-9. Juni 2001.
Friedrich, Norbert (2001): Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung
von Großsiedlungsgebieten. Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus
dem EU-Pilotprojekt Bremerhaven-Grünhöfe. Vortrag bei der ILS
Konferenz "Nachhaltige Erneuerung von Großwohnsiedlungen",
Dortmund, 7.-9. Juni 2001.
Hagetoft, Jonas/Cars, Göran (2000): Case Study Malmö-Rosengård.
Länderbericht im Rahmen des ELSES-Projekts (Evaluation of Local Socio-Economic
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IFP (Interdisziplinäres Forschungsprojekt) Lokale Ökonomie
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Läpple, Dieter (1994): Zwischen gestern und übermorgen.
Das Ruhrgebiet - eine Industrieregion im Umbruch. In: Rolf Kreibich, Arno
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Läpple, Dieter/Deecke, Helmut/Krüger, Thomas (1994):
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Läpple, Dieter (1996): Städte im Umbruch. In: Agglomerationsräume
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Die Weltstadt geht aufs Dorf. In: Frank-Olaf Brauerhoch (Hrsg.): Frankfurt
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Sen, Amartya (1987): On Ethics and Economics, Oxford.
Soehlke, Cord (2001): Die Tübinger Südstadt. Städtische
Strukturen und private Bauherren - kein Gegensatz. Vortrag bei der IfR
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Walter, Gerd/Läpple, Dieter (1998): Beschäftigungswirkungen
wohnungsnaher Betriebe. Forschungsbericht im Auftrag der Stadtentwicklungsbehörde
Hamburg, TU Hamburg-Harburg.
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