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soziale stadt - bundestransferstelle

  

Ausgangspunkt der Zwischenbewertung sind die Programmziele. Diese sind analytisch zwei Ebenen zuzuordnen, die für die Evaluierung mit jeweils spezifischen Leitfragen und Untersuchungsthemen verbunden sind: Zum einen zielt das Programm auf die Verbesserung der Situation in den Gebieten. Die Evaluation hat sich auf der Gebietsebene damit zu befassen, ob die verfolgten Förderansätze Veränderungen in den benachteiligten Quartieren eingeleitet oder befördert haben bzw. ob diese zukünftig zu erwarten sind.

Zum anderen reicht die Soziale Stadt insofern weit über die einzelnen geförderten Quartiere hinaus, als mit ihr die in der Vergangenheit stark baulich dominierte Stadtentwicklungspolitik zu einer sozialen Stadtpolitik fortentwickelt werden soll, die die Themen „soziale Integration“, „Arbeit“ und „lokale Ökonomie“ betont. Angestrebt wird ein Politikwandel, wenn nicht sogar eine „Stadtpolitikerneuerung“(1) , die sich durch Ressourcenbündelung, neue Steuerungsformen, mehr öffentlich-privat-gemeinnützige Zusammenarbeit und die Befähigung der Bewohner im Quartier („Empowerment“) auszeichnet. Auf der politisch-administrativen Ebene war also zu untersuchen, inwieweit der angestrebte Politikwandel, der Bund, Länder und Gemeinden betrifft, in die Wege geleitet werden konnte.

Aus dem spezifischen Handlungsansatz des Programms Soziale Stadt folgt, dass sich die Evaluierung nicht allein mit „physischen“ Ergebnissen und Wirkungen wie der Verbesserung der baulichen Situation im Quartier oder der Schaffung von Arbeitsplätzen für die Bewohner, sondern auch mit immateriellen Wirkungen bzw. Wahrnehmungseffekten zu befassen hat. Diese betreffen die Gebietsebene wie die politisch-administrative Ebene.

Eine dem Programm Soziale Stadt und dem ihm zugrunde liegenden Politikansatz angemessene Zwischenbewertung ist notwendigerweise als Mischung aus Ergebnis-/Wirkungsanalyse und Prozessanalyse anzulegen.(2) Sich auf die Bewertung von Ergebnissen und Wirkungen zu beschränken, scheidet schon aufgrund des Umsetzungsstands des Programms aus. Heute ist das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt knapp fünf Jahre alt und viele der geförderten Maßnahmen und Projekte haben eine noch kürzere Laufzeit. Bedenkt man, dass die angestrebten Veränderungen in den Stadtquartieren in der Regel einen langen Atem brauchen, so ist es in vielen Fällen noch zu früh, um Ergebnisse und Wirkungen zuverlässig messen und beurteilen zu können. Die Zwischenevaluierung allein als Ergebnisanalyse anzulegen wäre aber auch insofern unzureichend, als der komplexe Politikansatz der Sozialen Stadt ganz wesentlich auf die Einleitung und Flankierung von Prozessen zielt. Die Zwischenevaluierung muss daher vor allem Prozessanalyse (und damit Implementationsanalyse) sein, ohne sich der Frage nach den bislang erreichten Ergebnissen entziehen zu können oder zu sollen.

Für eine Wirkungsanalyse im strengen Sinne fehlten allerdings die Voraussetzungen: Dafür wäre die Simulation einer Situation ohne den Einfluss der Sozialen Stadt erforderlich gewesen. Für einen Vergleich mit Gebieten, die nicht ins Programm aufgenommen wurden, hätte ein einheitlicher Indikatoren- und Datenset zur sozioökonomischen Lage der geförderten Gebiete zur Verfügung stehen müssen. Selbst dann hätte die kausale Zurechnung von Ergebnissen und Wirkungen konzeptionelle Schwierigkeiten bereitet. Aufgrund der dargestellten Rahmenbedingungen musste sich die Zwischenevaluierung zur Sozialen Stadt in weiten Teilen auf qualitative Informationen stützen.

Daher kam es darauf an, unterschiedliche Perspektiven in die Bewertung einzubeziehen. Insofern sind nicht nur Einschätzungen der unmittelbar in die Arbeit der Sozialen Stadt Einbezogenen (zuständige Einheiten der Stadtverwaltungen, Quartiersmanager etc.), sondern auch die von solchen Akteuren berücksichtigt worden, die nicht primär mit dem Programm befasst sind, aber eine qualifizierte Beurteilung abgeben können.(3)

Methodischer Ansatz

Der Komplexität der Förderansätze und angestrebten Wirkungsketten der Sozialen Stadt wie der unvollkommenen Datenlage entsprach es, die Zwischenbewertung auf einen „Methodenmix“ zu stützen.(4) Dieser „Mix“ besteht zum einen aus der Kombination von quantitativen mit qualitativen Methoden. Zum anderen sollen Untersuchungsinstrumente, die flächendeckend bzw. für die Gesamtheit der Programmgebiete angelegt sind, mit vertiefenden Analysen zu ausgewählten Gebieten und Themen kombiniert werden.

Im Einzelnen sind die folgenden Untersuchungsinstrumente verwendet bzw. Arbeitsschritte durchgeführt worden:

  • Sekundäranalyse der relevanten Materialien,
  • vertiefende Datenanalyse der Programmstatistik,
  • schriftliche Erhebungen der Programmbegleitung,
  • Auswertung der Ergebnisse mehrerer Länderevaluierungen,
  • Experteninterviews auf Bundes- und Landesebene,
  • Fallstudien in 13 ausgewählten Programmgebieten,
  • schriftliche Befragung „programmexterner“ Akteure,
  • Fachgespräche.

Materialien aus der Programmbegleitung durch das Difu

Eine Besonderheit des Programms Soziale Stadt bestand in der bundesweiten Programmbegleitung durch das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), die im Zuge ihrer rund dreieinhalbjährigen Tätigkeit eine Fülle von Vorarbeiten und Materialien geliefert hat, auf welche die Zwischenevaluierung zur Sozialen Stadt zurückgreifen konnte.

Hierzu gehören:

Von besonderem Interesse waren neben den PvO-Berichten die Befragungen, die vom Difu unter anderem auch unter dem Gesichtspunkt einer späteren Verwendung für eine Evaluierung durchgeführt worden waren. Dem IfS wurde zu diesem Zweck vom Difu ein Datensatz zur Verfügung gestellt, und es gab Konsultationen zu methodischen Fragen der Datenauswertung. Für diese Unterstützung sei dem Difu und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlich gedankt.

Schriftliche Befragung in den Programmgebieten

Die erste Befragung, die vom Difu im Zeitraum zwischen Anfang 2000 und Herbst 2001 erfolgt ist, thematisierte vor allem die Ausgangssituation in den Städten und die Kriterien für die Auswahl der Gebiete. Bei der zweiten Befragung, die im Jahr 2002 durchgeführt wurde, standen Fragen zu den Umsetzungsstrategien im Vordergrund. Die Rücklaufquote betrug mit 222 Fällen 90 Prozent der seinerzeit 248 Programmgebiete.

Es sind Aussagen zu den folgenden Themenfeldern erhoben worden:

  • Programmgebiete,
  • Integrierte Handlungskonzepte,
  • Handlungsfelder,
  • Kooperation und Koordination,
  • Ressourcenbündelung,
  • Quartiersmanagement,
  • Aktivierung und Beteiligung.

Der Nutzen der Angaben lag vorwiegend auf dem Feld der Prozessevaluation, da Angaben zu den Ergebnissen nicht bzw. nur in ersten Ansätzen gemacht worden waren. Versuchsweise waren vom Difu über die Grundauswertungen hinaus eine Reihe von Indizes und Typisierungen gebildet worden, an die bei der weiteren Analyse der Daten angeknüpft werden konnte.(5)

PvO-Berichte

Bei der Programmbegleitung vor Ort hatte das Difu in 16 Modellgebieten Erfahrungen bei der Implementation des Programms auswerten lassen. Auch diese Ergebnisse ließen im Wesentlichen nur Verallgemeinerungen hinsichtlich der Gebietsauswahl und der anfänglichen Verfahrensweise in den Gebieten zu.

Übersicht 1: Modellgebiete der Programmbegleitung vor Ort (PvO)

Länderevaluierungen

In vier Ländern waren bis Mitte 2004 Evaluierungsstudien erarbeitet worden (Hamburg, Bayern, Berlin, Saarland), auf deren Darstellungen und Ergebnisse ebenfalls zurückgegriffen werden konnte. Daneben lagen Teilergebnisse aus Hessen (6) sowie eine ältere Analyse der Umsetzung des Integrierten Handlungsprogramms aus NRW (7) vor. Eine noch nicht abgeschlossene Evaluation der Programme in Bremen wurde zeitgleich vom IfS und dem Bremer Institut ForStaR bearbeitet, sodass auch Ergebnisse aus dieser Untersuchung in den vorliegenden Bericht eingeflossen sind. Erwähnt sei ergänzend noch das Werkstattbuch Soziale Stadt, welches für das Bundesministerium für Bildung und Forschung erarbeitet worden ist und das insgesamt fünf Fallstudien zu den Erfahrungen aus Soziale Stadt-Gebieten enthält.(8)

Übersicht 2

Länderevaluierungen

Bayern hat schon früh einen Bericht der Begleitforschung über die Anfangsphase des Programms (Romaus u.a. 2002) vorgelegt. Die Forschungsgruppe verfolgt einen qualitativen Ansatz, gibt einen Überblick über die Situation in den Programmgemeinden bis Ende 2001, stellt einen Vergleich der Strukturen und Strategien an und ermittelt durch eine Wirkungskontrolle Handlungs- und Korrekturbedarf für das Programm. Bemängelt wird unter anderem die defizitäre Datenlage auf Gemeindeebene.

Ebenfalls auf die Startphase konzentriert sich die Evaluation des Verfahrens in Berlin, deren Ansatz mit Ziel-, Verfahrens- und Wirkungsanalyse nach eigenen Angaben „bundesweit einmalig“ ist. Sie wurde 2003 fertig und gut ein Jahr später der Öffentlichkeit vorgestellt (empirica 2004). Sie bezieht sich auf den Zeitraum 1999 bis 2002 und hat bereits einige Modifikationen bei der Programmsteuerung bewirkt. Sie enthält Vorschläge zur Entwicklung eines Zielsystems und zur Verbesserung des Monitorings und setzt sich mit der inhaltlichen Schwerpunktsetzung kritisch auseinander.

Wie das entsprechende Landesprogramm heißt die Zwischenevaluierung im Saarland aus dem Jahr 2003 „Stadt-Vision-Saar“. Sie untersucht unter anderem elf mit dem Programm Soziale Stadt verknüpfte Programmgebiete und stellt im Wesentlichen auf eine Bewertung der Umsetzung und erster Ergebnisse des Programms ab (isoplan 2003). Sie ist qualitativer Art, versucht jedoch gleichzeitig durch Standardisierung von Bewertungskriterien eine Vergleichbarkeit zu erreichen.

Die „jüngste“ fertig gestellte Zwischenevaluation kommt aus Hamburg und befasst sich mit dem Hamburgischen Stadtteilentwicklungsprogramm. Sie untersucht dies anhand der acht mit Beschluss des Programms in die Förderung aufgenommenen Gebiete, von denen ein Teil auch aus dem Bund-Länder-Programm gefördert wird. Ihr Fokus ist aber nicht das einzelne Gebiet, sondern das Programm. Es handelt sich um eine ausschließlich qualitative Untersuchung, die sich auf Sekundäranalysen, Begehungen und Experteninterviews stützt (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 2004). Sie stellt die einzelnen Themenbereiche ausführlich vor und gibt Empfehlungen auf der Grundlage der vorgenommenen Bewertung.

In Hessen ist die HEGISS-Servicestelle mit Begleitforschung und Fachberatung beauftragt und führt Fallstudien und Erhebungen zu vier Themenfeldern im Zusammenhang mit dem Bund-Länder-Programm durch: Beitrag des kommunalen Bildungssystems, Beitrag der kommunalen Beschäftigungspolitik, Zusammensetzung und Struktur der lokalen Politiknetzwerke, Bürgerbeteiligung. Außerdem gibt sie Hinweise zur Sozialraumbeobachtung und Selbst- bzw. Peer-Evaluation der Programmgebiete.

In NRW hat das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen bereits im Jahr 2000 eine Analyse der Umsetzung des integrierten Handlungsprogramms des Landes vorgelegt. Diese umfasst neben einer vergleichend-systematischen Betrachtung der Gebietstypen, Problemlagen, Ziele und Umsetzungsstrukturen die Vorstellung von 28 Stadtteilprofilen.

Das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt wurde zusammen mit dem Programm „Wohnen in Nachbarschaften – WiN“ für die Stadt Bremen evaluiert (IfS, ForStaR 2004). Hierbei standen die Bestimmung und Bewertung von Kontextindikatoren für die Gebietsauswahl und für ein geplantes Monitoringverfahren sowie die Bewertung der Programmsteuerung im Vordergrund. Für die einzelnen Gebiete wurden Empfehlungen zur weiteren Förderung beziehungsweise zum Phasing Out erarbeitet.

Vertiefende Analyse anhand von Fallstudien

Einen zentralen Baustein der vorliegenden Untersuchung bilden die im Rahmen der Zwischenevaluierung durchgeführten Fallstudien. Mit den Fallstudien sollten Gebiete untersucht werden, die zusammengenommen als ein typischer Querschnitt des Programms gelten können, wenn auch nicht als repräsentativ im statistischen Sinn. Die Auswahl der Fallstudien wurde so angelegt, dass die Erkenntnisziele anhand verschiedener typischer Problemlagen bzw. Gebietstypen verfolgt werden können. Für die verschiedenen Typen sollten besonders „instruktive“ Fälle ausgewählt werden (aber nicht im Sinne einer Auswahl von bekannten „Erfolgsfällen“ bzw. „Good-Practice“-Fällen des Programms).

In einem mit dem Auftraggeber abgestimmten Verfahren wurden 13 Gebiete bestimmt. Bei ihrer Auswahl waren verschiedene Indikatoren eingesetzt und getestet worden, die mithilfe der Daten aus der Difu-Befragung gebildet worden waren:

  • Stadtgröße: Angesichts der großen Unterschiede zwischen Großstädten sowie Mittel- und Kleinstädten hinsichtlich Problemlage und Steuerung war die Größenordnung der Stadt relevant.
  • Die Ost-/West-Dimension war aufgrund der Unterschiede in baulicher wie sozialer Hinsicht zwischen alten und neuen Ländern zu berücksichtigen.
  • Die Kombination aus Baualter und Nutzungsstruktur, die bereits vom Difu benutzt wurde, konnte als Indikator für „problematische Gebiete“ gelten.
  • Soziales Milieu: Als grobe Voreinschätzung von „kulturellem“ und „sozialem“ Kapital der Gebiete konnten einerseits Indikatoren für eine Kumulation von „sozialen Problemen“ (wie Arbeitslosigkeit, Anteil der Sozialhilfebezieher, hohe Mobilität) genutzt werden. Da nach statistischen „Problemindikatoren“ einander ähnliche Gebiete jeweils sehr verschiedene soziale Situationen oder Niveaus von „sozialem Kapital“ beherbergen können, wurden diese durch entsprechende Indikatoren und weitere Informationen bei der Auswahl der Fallstudiengebiete berücksichtigt.
  • Steuerung und Steuerungsintensität: Vermutete Zusammenhänge zwischen Prozesssteuerung und Programmergebnissen sprachen dafür, in die Gebietsauswahl Merkmale einzubeziehen, die die Steuerungsintensität betreffen (z.B. inhaltliche Breite des Integrierten Handlungskonzepts [IHk], Management innerhalb der Verwaltung und im Gebiet, Monitoring).

Letztlich ist die Auswahl der Fallbeispiele auch entlang des Merkmals Bundesland erfolgt.(9)

Im Rahmen der Fallstudien sind folgende Erhebungsschritte durchgeführt worden:

  • Auswertung sozialstatistischer und baulicher Daten zu den Gebieten (sofern diese vorlagen).
  • Auswertung von Dokumenten (Integrierte Handlungskonzepte, Planungsunterlagen, Zeitungen, Presseberichte, Verlaufsberichte etc.).
  • Durchführung von Experteninterviews, wobei zur Validierung Informationen und Einschätzungen von Akteuren aus verschiedenen Bereichen gewonnen wurden (Verwaltungsakteure, Quartiersmanagement, einbezogene private Akteure, Bewohnervertreter).
  • Gebietsbegehungen.

Die Mitwirkungsbereitschaft in den ausgewählten Gemeinden war sehr hoch. Teilweise wurde umfangreiches Material zur Analyse übergeben, und die zentralen Ansprechpartner auf Gemeinde- und Gebietsebene standen überall für Gespräche und die Beantwortung von Fragen zur Verfügung. Ihnen sei hier ausdrücklich für ihre Auskunftsbereitschaft, Geduld und aktive Mithilfe bei der Recherche gedankt.

Tabelle 1: Merkmale der Fallstudiengebiete

  Stadt

  Gebiet

 Land

Bau-
alter*

Nutz-
ung**

Größe
Quar-
tier in ha

Einwoh-
ner im Gebiet

Einwoh-
ner in Stadt

Einwoh-
neranteil Gebiet

Auslän-
deranteil in Gebiet

Arbeits-
losen-
quote***
in Gebiet

Arbeits-
losen-
quote***
in Stadt

vorher Sanie-
rungs-
gebiet

Vorgän-
gerpro-
gramm Land

vorher Wei-
terentwick-
lung Neu-
baugebiete

IHk vor-
hand-
en?

Moni-
toring-
****

Steue-
rungs-
index-
*****

West, unter 50.000 Einwohner, Neubau

Achim

Achim-Nord

NDS

  3

  1

    15

   1.839

       31.192

    5,9%

  41,0%

  25,0%

  ja

    9

West, unter 50.000 Einwohner, kein Neubau

Völklingen

Unteres Wehrden

SAAR

  1

  2

    45

   1.657

       43.051

    3,8%

  28,6%

  29,0%

  18,0%

  ja

 

 

  ja

  2

    8

West, 50.000 bis unter 200.000 Einwohner, Neubau

Ludwigsburg

Eglosheim II

BAW

  3

  1

    53

   5.051

       86.596

    5,8%

  28,0%

 

 

 

 

 

  ja

 

  11

Mainz

Neustadt

RPF

  3

  2

  140

 24.484

     183.822

  13,3%

  26,7%

  13,0%

    8,1%

 

 

 

 

  2

  11

West, 50.000 bis unter 200.000 Einwohner, kein Neubau

Hof

Bahnhofsviertel

BAY

  1

  2

    74

   4.385

       49.617

    8,8%

 

 

 

 

 

 

  ja

 

  11

Neumünster

Vicelinviertel

SLH

  1

  2

    25

   3.900

       81.200

    4,8%

  25,0%

  18,0%

  11,0%

  ja

 

 

  ja

  1

    9

West, ab 200.000 Einwohner, Neubau

Köln

Chorweiler

NRW

  3

  1

  186

 23.736

 1.019.049

    2,3%

  39,8%

  21,0%

  11,7%

  ja

  ja

 

 

  2

    9

Hamburg-Harburg

Heimfeld-Nord

HH

  3

  2

    40

   7.124

 1.700.000

    0,4%

  31,0%

    9,0%

    6,1%

 

  ja

 

 

  2

  11

West, ab 200.000 Einwohner, kein Neubau

Wiesbaden

Biebrich (Süd-Ost)

HES

  4

  2

    40

   3.646

     269.443

    1,4%

  40,2%

    8,8%

    6,5%

 

 

 

 

  1

  10

Berlin-Kreuzberg

Wrangelkiez

BER

  1

  2

    55

 12.389

 3.333.000

    0,4%

  39,8%

  14,6%

    8,2%

  ja

 

 

  ja

  1

  12

Ost, unter 50.000 Einwohner, Neubau

Schwedt

Obere Talsandterrasse

BB

  3

  1

  154

 15.095

       39.702

  38,0%

 

 

  23,8%

 

 

  ja

  ja

 

    9

Ost, 50.000 bis unter 200.000 Einwohner, Neubau

Jena

Lobeda

TH

  3

  1

  445

 22.825

     104.800

  21,8%

    3,7%

  13,5%

  12,7%

 

 

  ja

  ja

 

    9

Ost, kein Neubau

Chemnitz

Limbacher Straße

SAC

  1

  2

    76

   3.539

     253.495

    1,4%

    5,6%

  19,3%

  18,0%

  ja

 

 

  ja

  2

  12

* 1=alt, 2=zwischen, 3=Neubau, 4=gemischt

** 1=reines Wohnen, 2=gemischt

*** Berlin: bezogen auf alle Einwohner, Wiesbaden: bezogen auf alle Einwohner von 21 bis 61 Jahren; die offizielle Arbeitslosenquote (bezogen auf abh. zivile Erwerbspersonen) ist deutlich höher

**** 1=vorhanden, 2=geplant

***** Der Steuerungsindex wurde aus den Angaben in der Difu-Gebietsbefragung zu IHk, Akteuren, Organisationsformen und Monitoring berechnet. Der durchschnittliche Indexwert für alle befragten Gebiete lag bei 9, das Maximum bei 14.

Quellen: Difu-Gebietsbefragung, Angaben der Fallstudienstädte, eigene Erhebungen und Auswertung

Befragung programmexterner Akteure

Um zu einer ausgewogenen und fundierten Bewertung gelangen zu können, sind neben den Einschätzungen der unmittelbar mit der Umsetzung der Sozialen Stadt betrauten Akteure im „Cross Checking“ auch Einschätzungen von „programmexternen“ Akteuren erhoben worden. In einer schriftlichen Befragung wurden rund 1.800 Vertreter relevanter Institutionen um ihre Einschätzungen zum Programm Soziale Stadt gebeten.(10) Es handelte sich dabei um Vertreter und Mitarbeiter folgender Organisationen und Einrichtungen:

  • Organisationen der örtlichen Wirtschaft (Kammer, Einzelhandelsverband, sonstige Unternehmensverbände),
  • Gewerkschaften,
  • Kirchen,
  • Sozial-, Wohlfahrts- und Jugendverbände,
  • Migrantenorganisationen,
  • Kommunalpolitik,
  • Medien.

Der Rücklauf lag bei 762 bzw. 746 ausgewerteten Fragebögen und bezieht sich auf 140 Programmgebiete aus 112 Städten. Mit 42,3 Prozent ist er erfreulich hoch ausgefallen, sodass die Einschätzungen der Befragten zu Verlauf und Ergebnissen des Programms wie vorgesehen ein zentrales Instrument der Zwischenevaluierung darstellen konnten.

Wichtige Zwischenergebnisse der Evaluierungsarbeiten sowie methodische Fragen und die Auswahl der Gebiete für die Fallstudien sind bei drei Fachgesprächen der Experten-/Steuerungsgruppe vorgestellt und diskutiert und ihre Ergebnisse in diesen Bericht eingearbeitet worden. Gesprächsteilnehmer waren Vertreter der an der Sozialen Stadt beteiligten Bundes- und Länderressorts, der zentralen Programmbegleitung, der Programmbegleitung vor Ort sowie weitere Experten (z.B. Kommunalvertreter, Wissenschaft).

Zentrale Forschungsfragen

Zu Beginn des Forschungsvorhabens sind zentrale Forschungsfragen formuliert worden. Sie werden in den einzelnen Abschnitten sowie im Schlusskapitel beantwortet. Allerdings hat es sich nicht als sinnvoll und auch nicht als praktikabel erwiesen, sie entsprechend ihrer ursprünglichen Formulierung und der Reihe nach abzuarbeiten. Neue Gesichtspunkte, die im Fortgang der Bearbeitung hinzutraten, machten Differenzierungen erforderlich und ließen eine abweichende Darstellungsweise geboten erscheinen. Trotzdem folgen die Ausführungen im Kapitel 7 im Wesentlichen der Logik der zu Beginn aufgeworfenen Fragen.(11) Auf der politischadministrativen Ebene standen folgende ausgewählte Forschungsfragen im Vordergrund der Untersuchung:

  • Hat das Programm Soziale Stadt (weiterhin) bundesweite Relevanz? Entspricht es in seiner Strategie der Problementwicklung in den Städten und ihren benachteiligten Quartieren?
  • Wie verhalten sich die Programme der einzelnen Länder und die mit ihnen verfolgten Strategien zum Bund-Länder-Programm?
  • Passen die gewählten Instrumente zur Strategie? Ist das relativ kleine Programm mit „Appellcharakter“ der richtige Hebel, um andere Förderprogramme zu bewegen?
  • Haben sich die für die Umsetzung der Sozialen Stadt geschaffenen Organisationsstrukturen und Verfahren, insbesondere die Begleit- und Vernetzungsaktivitäten und jene Mechanismen, die Bund und Länder zur Bündelung der Förderinstrumente etabliert haben, bewährt?
  • Ist eine Bündelung von Ressourcen in den Gebieten gelungen? Wie ist das Verhältnis von investiven und nicht-investiven Mitteln?
  • Haben die Städte für die geförderten Gebiete tatsächlich Entwicklungsstrategien erarbeitet, die auf einer fundierten Problemanalyse aufbauen und integrierten und langfristigen Charakter haben? Wie ist die Qualität der Strategie- und Zielformulierung einzuschätzen? Inwieweit ist in den Konzepten tatsächlich die inhaltliche Integration der verschiedenen Politik- und Handlungsfelder gelungen?
  • Haben die Integrierten Handlungskonzepte eine strategische Funktion und wie passen sich die für die benachteiligten Quartiere verfolgten Strategien in die gesamte Stadtentwicklungspolitik ein? Wurden realistische Ziele definiert, deren Erreichung prinzipiell messbar ist? Wird die Zielerreichung im Rahmen eines Monitorings verfolgt, das die Steuerung der Förderaktivitäten möglich macht?
  • Haben sich die erforderlichen „Veränderungskoalitionen“ aus Kommunalpolitik, Kommunalverwaltung, privaten und gesellschaftlichen Akteuren herausgebildet? Handelt es sich um nachhaltige Struktur- und Prozessveränderungen im Sinne einer „Urban Governance“?
  • Konnte die Vernetzung der für die Lösung der Probleme relevanten öffentlichen, quasi-öffentlichen/gemeinnützigen und privaten Akteure realisiert werden? Inwieweit konnten auch solche Akteure einbezogen werden, die für die Gebiete wichtig sind, die aber in der Vergangenheit nicht zureichend an Netzwerken beteiligt waren (z.B. örtliche Unternehmer, private Vermieter)?
  • Welchen Stellenwert haben die Quartiersmanagementteams für die sich in den Gebieten vollziehenden Prozesse? Welche Akteure sind in die Entscheidungen über die Verwendung der aus dem Bund-Länder-Programm zur Verfügung stehenden Mittel eingebunden?
  • Inwieweit konnte die Bevölkerung im Gebiet zu eigenen Problemlösungsbeiträgen aktiviert und befähigt werden (Empowerment)? Welche Unterschiede bestehen zwischen Bewohnergruppen; inwieweit ist z.B. die Einbeziehung von Migranten gelungen?

Bezogen auf die Ergebnisse in den Gebieten musste sich die Fragestellung im Wesentlichen auf erste Einschätzungen beschränken:

  • Was ist unmittelbar aus dem Programm gefördert und was ist mithilfe des Programms in den Gebieten angestoßen worden, welche Veränderungen der Wahrnehmung des Gebiets und seiner Situation („mentaler Wandel“) sind festzustellen?
  • Gibt es Hinweise auf Veränderungen der sozioökonomischen Situation in den Gebieten?

(1) Vgl. Franke, Löhr, Sander 2000.

(2) Siehe ausführlich Häußermann, Jaedicke, Wollmann 1999 und Zimmer-Hegmann 2002.

(3) Siehe für einen entsprechenden Ansatz bei der Begleitforschung zum nordrhein-westfälischen Programm Zimmer-Hegmann 2002.

(4) Siehe auch Löhr 2002.

(5) Siehe Difu 2003a, S. 272 ff.; Mittag, Pricken 2003.

(6) Servicestelle HEGISS 2003.

(7) ILS 2000.

(8) Als einziger Band liegt bislang veröffentlicht vor: empirica 2003b.

(9) Es wurde zu jedem Erstvorschlag ein Ersatzvorschlag ausgewählt. Diese sind jedoch, da alle Städte bereit waren, an der Untersuchung teilzunehmen, nicht zum Einsatz gekommen.

(10) Die Adressen wurden in einem „doppelgleisigen“ Verfahren ermittelt: Aus zentralen Adressdateien und aus dem Internet wurden entsprechende Akteure zusammengetragen. Um die Vielfalt möglicher Akteure je nach den örtlichen Bedingungen abzubilden, wurden zudem die Quartiersmanagements gebeten, entsprechende Adressen zusammenzustellen und mitzuteilen. Beide Teildateien wurden danach bereinigt, gegenseitig abgeglichen und zusammengeführt.

(11) Die aufgeführten Forschungsfragen waren Bestandteil des Angebots. Zur Anwendung von Gender Mainstreaming im Programm Soziale Stadt ist vom BBR eine gesonderte Expertise in Auftrag gegeben worden, sodass auf eine nochmalige Darstellung dieses Themas hier verzichtet werden konnte. Im vorliegenden Bericht ist ausschließlich im Interesse seiner Lesbarkeit auf die geschlechterspezifische Differenzierung der Formulierungen verzichtet worden.


  

Quelle: "Die Soziale Stadt — Ergebnisse der Zwischenevaluierung – Bewertung des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“ nach vier Jahren Programmlaufzeit", IfS Institut für Stadtforschung und Strukturpolitik 2004

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