Das Programm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die Soziale Stadt" weist einige Besonderheiten auf:
Es handelt sich um ein experimentelles Programm insofern, als sowohl für seine Zielstellung als auch für die vorgesehenen Verfahren bisher keine bundesweiten Erfahrungen vorliegen; insofern muss es als lernendes Programm verstanden werden.
Das Programm unterscheidet sich von den bisherigen Programmen der Städtebauförderung dadurch, dass es sich für die Sicherstellung der Mitwirkungsbereitschaft und der Implementation nicht auf das Angebot von umfangreichen Fördersummen verlässt; vielmehr hat es als "Leitprogramm", das auf die Kooperation einer Vielzahl von Akteuren auf allen Ebenen des administrativen Systems angewiesen ist, einen stark appellativen Charakter. Das Programm stellt selbst nicht alle notwendigen Mittel für das Erreichen der gesteckten Ziele bereit, vielmehr ist es auf die Kooperation anderer Ressorts und Akteure angewiesen.
Das Programm zielt auf Innovationen sowohl in der (a) inhaltlichen Zielsetzung der Städtebauförderung als auch (b) in den Verfahren:
Inhaltlich geht das Programm über die Ziele der traditionellen Städtebauförderung hinaus, indem es nicht nur städtebauliche Ziele verfolgt, sondern Segregation und Polarisierung in der Stadt bekämpfen und die Abkoppelung von Stadtteilen von der Entwicklung der übrigen Stadt verhindern will. Die soziale Situation in den Quartieren soll verbessert werden.
Mit dem Programm sollen neue Formen von governance angestoßen werden; damit ist eine Abkehr von der Top-down-Steuerung gemeint, bei der die staatliche Verwaltung sämtliche Entscheidungen trifft und auch die zu ihrer Verwirklichung notwendigen Mittel bereitstellt - und eine Hinwendung zu Bottom-up-Formen der Steuerung, bei der in neuen Organisationsformen eine Vielzahl von öffentlichen und nicht-öffentlichen Akteuren an der Prozesssteuerung und an der Zielverwirklichung mitwirkt.
Die Evaluation muss zunächst nach der Relevanz und der Kohärenz des Programms fragen. Die Frage nach der Relevanz besteht darin, zu prüfen, ob die Probleme richtig erkannt sind und ob das Programm eine angemessene Antwort auf diese Probleme ist. Die Frage nach der Kohärenz richtet sich darauf, ob die Ausrichtung der Instrumente in sich" stimmig" und geeignet ist, die erkannten Probleme erfolgreich zu bearbeiten.
Quelle: "Die Soziale Stadt — Ergebnisse der Zwischenevaluierung – Bewertung des Bund-Länder-Programms
„Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“ nach vier Jahren Programmlaufzeit", IfS Institut für Stadtforschung und Strukturpolitik 2004