(Ein Exemplar der ausführlichen Fassung des Berichtes wird jeder Fraktion und Gruppierung des Stadtrates zur Verfügung gestellt.)
Mit den vorbereitenden Untersuchungen zum Bund-Länder-Programm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt", Maßnahme Heuchelhof H 1, wurden das Büro für Städtebau und Architektur Dr. Hartmut Holl (städtebaulicher Teil) und BSI-Consult, Maria Gardemann (sozialplanerischer Teil) beauftragt.
Im Januar dieses Jahres wurden die Ergebnisse der Bestandsaufnahme dem Stadtrat vorgestellt. Im Februar 2002 fand im Stadtteilzentrum Heuchelhof eine Planungswerkstatt mit Bewohnern, Vertretern von Vereinen und Institutionen sowie Fachleuten statt. Dabei sind interessante Ideen entstanden, über die der Stadtrat Ende Februar 2002 informiert wurde.
Mit dem nun vorliegenden Bericht liegt erstmals eine Gesamtschau der vorliegenden Qualitäten und Mängel im Gebiet, der Ziele für die Entwicklung des Stadtteiles sowie der daraus abzuleitenden Maßnahmen vor. Dabei wird auf eine detaillierte Darstellung der Ergebnisse der Bestandsaufnahme verzichtet, da dies schon an anderer Stelle erfolgt ist.
Das Untersuchungsgebiet H 1 ist geprägt durch die Ideen des modernen Städtebaus der 60er Jahre unter dem Leitbild der Urbanität durch Dichte und der Umsetzung in fließenden, offenen Raumstrukturen. Es ist Teil des modernen Massenwohnungsbaus der 60er und frühen 70er Jahre für breite Bevölkerungsschichten und weist überwiegend qualitativ gute, großzügige Wohnungen mit guten Besonnungs- und Belichtungsverhältnissen auf. Mit 1400 Wohneinheiten ist es von der Größe noch recht überschaubar. Es ist umgeben von einem Ring aus Einfamilienhäusern. Das Untersuchungsgebiet selbst weist allerdings mit rund 90 % einen sehr hohen Anteil geförderten Wohnungsbaus auf. Zu den alteingesessenen Mietern wurden hier im vergangenen Jahrzehnt verstärkt Aussiedler sowie sozial schwächere Bevölkerungskreise angesiedelt. Deren individuelle soziale und Integrationsschwierigkeiten kumulieren im H 1, rufen neue Probleme hervor und tragen zum negativen Image des Untersuchungsgebietes in Würzburg bei. Die soziale Schieflage spiegelt sich auch in den Instandhaltungsdefiziten im Fassaden- und Außenbereich. Trotzdem weist das Untersuchungsgebiet gegenwärtig ungeachtet eines recht hohen Mietniveaus nur eine geringe Leerstandsquote auf - jedoch eine recht hohe Fluktuation, die die Bildung stabiler Sozialstrukturen erschwert.
Aktuelle Probleme treten bei der Anpassung des Gebäudebestandes an veränderte Nutzungsanforderungen auf. Dies betrifft sowohl die Wohnungen als auch die Gewerbe- und Geschäftsräume. So weist das Gebiet einen Mangel an kleinen Wohnungen auf, die auf Grund der Zunahme individualisierter Lebensstile mit sinkenden Haushaltsgrößen verstärkt nachgefragt werden. Defizite bestehen ebenfalls auf dem gehobenen Wohnungssegment. Problematisch für ältere und wenig mobile Bewohnergruppen sind ebenfalls die zahlreichen Treppen und baulichen Barrieren in Gebäuden wie im Außenbereich sowie teilweise beengte Grundrisse.
Das Angebot an gewerblich nutzbarer Bausubstanz ist begrenzt und entspricht hinsichtlich der Größe der Ladenlokale nur noch eingeschränkt den Bedürfnissen des Einzelhandels, wo der allgemeine Trend hin zu größeren Verkaufsflächen und verstärkter Kfz-Orientierung geht. Die in den übrigen Gebäuden vorherrschenden Geschosshöhen erschweren die Umnutzung und behindern so eine gewerbliche Entwicklung.
Das Quartier selbst weist mit dem zentralen Einkaufsbereich und verschiedenen sozialen Infrastruktureinrichtungen eine günstige Versorgungsstruktur für den alltäglichen Bedarf auf. Darüber hinaus bestehen weitere Angebote auf Stadtteilebene. Hinzu kommen im Stadtteil Heuchelhof mehrere Gewerbegebiete mit insgesamt rund 5.000 wohnortnahen Arbeitsplätzen.
Die Weiterentwicklung des Versorgungsbereiches zu dem ursprünglich vorgesehenen Stadtteilzentrum ist in den 70er Jahren unterblieben. Heute bestehen dazu kaum noch Möglichkeiten angesichts fehlender Flächen, der unglücklichen verkehrlichen Einbindung in den Gesamtstadtteil sowie der Ansiedlung von Einzelhandelseinrichtungen im näheren Umfeld. Auf Grund der geringen Kaufkraft im Untersuchungsgebiet sind ohnehin beim Einzelhandel inzwischen zunehmend Probleme und eine stärkere Fluktuation der Geschäfte zu beobachten.
Der Stadtteil Heuchelhof ist gut mit dem örtlichen und überörtlichen Verkehrsnetz über zwei Straßenbahnlinien und eine direkte Anbindung an das Bundesstraßen- und Autobahnnetz verbunden. Das Untersuchungsgebiet selbst ist weitgehend frei vom motorisierten Verkehr, der an den Rändern abgefangen wird. Grundsätzlich erfolgt die Trennung zwischen Kraftfahrzeugen und Fußgänger- und Radverkehr. Damit ist eine gute und verkehrssichere Erschließung gewährleistet, gleichzeitig werden negative Auswirkungen auf die Wohnnutzung vermieden.
Im Gebiet selbst bereitet die Orientierung auf Grund fehlender Wegehierarchie und nur ansatzweise vorhandener Raumbildung durch die Gebäude Schwierigkeiten. Hierdurch unterbleibt auch eine klare Definition und Abgrenzung des öffentlichen und des privaten Raumes. Die fehlende Strukturierung betrifft auch die Grünflächen, deren Zuordnung häufig offen bleibt. Dies beschneidet ihre Benutzbarkeit und verhindert das Entstehen von Identifikation der Bewohner mit ihrer Umgebung und die Übernahme von Verantwortung für ihr unmittelbares Wohnumfeld um Verwahrlosung und Vandalismus vorzubeugen. Insofern bleiben die vorhandenen großzügigen Grünflächen unter ihren funktionalen Möglichkeiten. Ein weiteres Defizit ist hier auch die fehlende Verbindung der Grün- und Freiflächen mit der freien Landschaft im Umfeld, die durch die dichte umgebende Einfamilienhausbebauung bis auf eine Grünschneise im Südosten fast völlig unterbunden ist.
Die Wegeanbindung an die benachbarten Wohnbereiche ist ebenfalls nur rudimentär vorhanden: Das Wegenetz des Untersuchungsgebietes findet jenseits des Straßburger Rings kaum direkte Fortsetzungen, was Fuß- und Radverkehr beeinträchtigt, zur Isolierung des Gebietes beiträgt und auch das Versorgungszentrum schwächt, da wesentliche Verkehrsbeziehungen an ihm vorbeilaufen. Aus Gesichtspunkten der Sicherheit hat sich das konsequent umgesetzte Tiefgaragenkonzept als problematisch erwiesen: De facto stellt es ein unterirdisches, anonymes Straßensystem dar mit allen Folgen fehlender öffentlicher Kontrolle. Hinzu kommt eine mangelnde Akzeptanz wegen langer Zuwege zu den einzelnen Wohnungen, die sich in Schleichverkehr auf den Fußwegen niederschlägt.
Das ursprüngliche Abfallkonzept mit wenigen zentralen Sammelstationen entspricht auf Grund der Zunahme der Abfallmengen und aktueller Aspekte der Abfalltrennung nicht mehr heutigen Anforderungen. Auf Grund der langen Wege zu den Sammelstellen werden sie von den Bewohnern zum Teil nicht angenommen, was zu wilden Entsorgungen und Verschmutzungen im Gebiet führt.
Die städtebaulichen Probleme des Untersuchungsgebietes basieren vornehmlich auf den starren Strukturen des städtebaulichen Konzeptes. Sie sind jedoch nicht derartig eklatant, als dass sie nicht ausgleichbar wären. Insgesamt resultieren die Probleme und das schlechte Image des Untersuchungsgebietes sowohl aus den baulichen Strukturen als auch aus der Ballung von sozialen Problemgruppen. Das Untersuchungsgebiet droht in eine Abwärtsspirale zu geraten. Ein koordiniertes Handlungskonzept, das auf soziale, städtebauliche und ökonomische Maßnahmen zur Stabilisierung und Aufwertung des Untersuchungsgebietes zielt, ist unbedingt umzusetzen.
Auf dem Heuchelhof H 1 leben sozial und ökonomisch benachteiligte Menschen auf einem dichten Raum zusammen: 14,3 % der Bewohner sind abhängig von Sozialhilfeleistungen, 40 % der Bevölkerung sind Spätaussiedler und 17% sind ausländische Mitbürger, davon ca. 50% aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion.
Sowohl durch die verstärkte Ansiedlung von sozial und ökonomisch
benachteiligten Menschen aus dem Stadtgebiet (viele Sozialhilfeempfänger)
als auch durch den Zuzug von sehr vielen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion
entwickelte sich der H 1 zu einem Quartier mit großen sozialen Problemen.
Zentrale Problematik ist die noch nicht gelungene Integration vor allem der
Aussiedler und Kontingentflüchtlinge. Die russisch sprechende Bevölkerung
prägt das öffentliche Leben stark und viele Bewohner des H 1 fühlen
sich "russisch" dominiert, was zu Abwehr und Ablehnung führt.
Die Zuwanderer wiederum fühlen sich zurückgewiesen, stigmatisiert
und diskriminiert. Es kommt so zu einer wechselseitigen sozialen Isolierung
verschiedener Bevölkerungsgruppen.
Der Stadtteil wird zunehmend als sozialer Brennpunkt mit entsprechend schlechtem
Image gesehen.
Negativimage des Stadtteils nach innen und außen
Der Stadtteil Heuchelhof leidet sowohl nach außen wie innen unter einem
ausgesprochenen Negativimage mit weitreichenden Folgen für einzelne Bewohner,
Bevölkerungsgruppen, die Wohnungswirtschaft und Gewerbetreibende. Eine
deutliche Imageverbesserung ist für die weitere positive Entwicklung im
Stadtteil und für den Stadtteil von wesentlicher Bedeutung.
Bei der Integration von Aussiedlern und Ausländern stehen Sprachprobleme
sowie Probleme der beruflichen Eingliederung, hier vor allem die der Jugendlichen
im Vordergrund.
Wo diese nicht gelingt entwickeln sich Kriminalität, Alkohol- und Drogenkonsum
zu einem ernstzunehmenden Problem und verstärken das in der Bevölkerung
weit verbreitete Gefühl der Unsicherheit im Quartier. Die Kriminalstatistik
weist im Vergleich zu anderen Stadtteilen keine signifikant höheren Straftaten
und keine höhere Gefährdung durch Kriminalität für Bewohner
des Stadtteiles aus.
Der H1 verfügt über große Ressourcen und Potenziale, die für seine Entwicklung und für die Lösung der Probleme nutzbar gemacht werden können:
Bevölkerungsstruktur, Potenziale der Bewohner/-innen:
Der größte Reichtum des H1 sind seine vielen Kinder und Jugendlichen.
Im H 1 leben viele Künstler, die sich für die Menschen im den Stadtteil
und für das Zusammenkommen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen
engagieren. Auch bringen viele Migranten auf dem H1 Fähigkeiten im handwerklichen,
musischen und gestalterischen Bereich mit, die für die Bürgerarbeit
bereichernd wirken können.
Bürgerengagement:
Der Heuchelhof hat eine ausgeprägte Vereinskultur mit engagierten Bürgern.
Zudem engagieren sich im Rahmen der Bevölkerungsbeteiligung seit einem
Jahr sehr viele Bewohner und Akteure aus den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen
zur Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem H1.
Infrastruktur:
Der H1 hat ein Stadtteilzentrum. Eine Quartiersmanagerin ist im Stadtteil unterstützend
tätig.
Das Quartier verfügt über eine gute soziale Infrastruktur, sowohl
im Bereich der Institutionen als auch im Bereich von Maßnahmen und Projekten
für die Bewohner. Die Mitarbeiter in den verschiedenen Institutionen haben
ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt und arbeiten "Hand
in Hand" für ihren Stadtteil. Für Kinder und Jugendliche gibt
es ein breites Sport- und Spielangebot. Viele Träger kooperieren erfolgreich
miteinander.
Die Grundschule engagiert sich in hohem Maße für die gesellschaftliche Integration ihrer Kinder und deren Familien. In einem Ganztagszweig werden Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und dem Erwerb sozialer Kompetenzen gefördert.
Ein zentraler wohnraumnaher Einkaufsbereich sichert die Grundversorgung. Die ärztliche Basisversorgung mit vielen Fachärzten ist vor Ort vorhanden. Der Stadtteil verfügt über einen klassischen Kirchplatz, den "Place de Caen", der als Treffpunkt und als Festplatz bereits von den Bewohnern des H1 - trotz gestalterischer Mängel - angenommen wird.
Naherholung, Aufenthalt im Freien:
In räumlicher Nähe - Fußweg 5 Minuten - zum H1 befindet sich
ein Naturraum, der zur Erholung einlädt. Der H1 ist kinder- und fußgängerfreundlich
angelegt und verfügt über große Spielflächen und viele
Grünflächen, die von den Bewohnern genutzt werden können.
Wohnungsausstattung:
Im H1 finden sich große familienfreundliche Wohnungen.
Die Planungen und Maßnahmen des integrierten Handlungskonzeptes haben nicht nur zum Ziel, die baulichen Defizite des Bestandes zu beseitigen, um die Zufriedenheit der Bewohner im Untersuchungsgebiet zu steigern, die Wohnqualität zu erhöhen und die Fluktuation einzudämmen. Die grundlegende Zielvorstellung besteht vielmehr darin, die Entwicklung eines breiten, gemischten Bewohnerspektrums im H 1 zu fördern und damit eine dauerhafte Basis zu schaffen für die soziale Stabilität des Untersuchungsgebiets und des Heuchelhofs. Das Gebiet ist zudem durch die Verbesserung des Images auch offensiv nach außen zu positionieren. Maßgeblicher Schritt dazu ist die Förderung der Identifikation und des Selbstwertgefühls der Bewohner mit und in ihrem Gebiet, die sich in eigenverantwortlichem Handeln im und für den Stadtteil niederschlägt. Die Ziele bedingen sich gegenseitig und können eine positive Rückkopplung in Gang setzten, die das negative Image eines niedergehenden Quartiers in das Gegenteil, einen lebendigen Stadtteil, verkehrt.
Dabei kann an die verschiedenen Qualitäten des Untersuchungsgebietes angeknüpft
werden, die entsprechend heutigen und zukünftigen Anforderungen weiterzuentwickeln
sind. Die urbane Dichte bildet dabei eine wichtige Grundlage und ist
die Voraussetzung für eine vielfältige Infrastruktur und ein breites
Spektrum bürgerlicher Aktivitäten und Initiativen. Diese Eigenschaften
gilt es zu fördern und den Stadtteil für viele Menschen attraktiv
zu gestalten.
Der Gebäudebestand ist dafür an zunehmend differenziertere Nutzungsanforderungen
und vielfältigere Nutzergruppen anzupassen. Neben den Wohnungen beinhaltet
dies die Schaffung von Raum für ökonomische Aktivitäten zur Stärkung
des Dienstleistungs- und Einzelhandelsangebotes. Realistischerweise ist der
Einkaufsbereich dabei allerdings zukünftig als Nahversorgungszentrum weiterzuentwickeln
und nicht als Stadtteilzentrum wie in den ursprünglichen Plänen. Ebenfalls
zu erweitern ist das Raumangebot für Bürgergruppen und Initiativen.
Die Aufwertung des Gebäudebestandes beinhaltet aber auch die Verbesserung
des Erscheinungsbildes und die Anpassung an aktuelle bauliche und umwelttechnische
Standards.
Hand in Hand gehen diese Ziele mit der notwendigen Aufwertung des öffentlichen Raumes und der Förderung seiner Benutzbarkeit. Gleichzeitig ist dabei die Verbesserung der räumlichen Gliederung und Orientierung zu verfolgen. Diese Ziele betreffen ebenfalls die Grün- und Freiraumstruktur. Hier ist das Angebot durch Bereiche abgestufter Öffentlichkeit zu differenzieren.
Ein weiteres wesentliches Ziel ist die Verbesserung der Anbindung des Gebietes im Stadtteil und im gesamtstädtischen Kontext sowohl verkehrlich als auch hinsichtlich der Grünstrukturen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung von Fuß- und Radwegeverbindungen, um die Nahorientierung im Stadtteil zu fördern und die umliegenden Grünflächen besser in Freizeit und Naherholung zu integrieren.
Ohne eine gezielte soziale Intervention ist zu befürchten, dass sich eine Abwärtsspirale im Quartier H 1 entwickelt. Negative soziale Prozesse werden sich weiter verstärken, wenn sie nicht durch koordinierte Anstrengungen von Politik, Verwaltung, Bewohnerschaft, Wirtschaft und anderen lokal relevanten Akteuren unterbrochen werden. Es sind Ansätze einer integrierten Stadtteilpolitik notwendig, die sich auf das Quartier als Ganzes richten und die es erlauben, sowohl die sozialen Problemszenarien zu bearbeiten als auch die vorhandenen Potenziale zur Verbesserung der lokalen Lebensverhältnisse zu fördern.
Um dem sozialen Abwärtstrend, dem das Quartier aktuell unterliegt, nachhaltig entgegen wirken zu können, werden insbesondere die folgenden Interventionsstrategien als wichtig/zentral angesehen:
Soziale Durchmischung anstreben!
Vor dem Hintergrund der Konzentration sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen
auf dem H1 und den damit verbundenen Problemszenarien wird eine bessere soziale
Durchmischung angestrebt. Mit Anreizen im Wohnungsbau sollen neue Mietergruppierungen
für das Quartier gewonnen werden.
Bevölkerungsbeteiligung weiter ausbauen!
Ein zentrales Ziel sozialer Interventionsstrategien muss es sein, die aufgebauten
Strukturen der Bevölkerungsbeteiligung an der Stadtteilentwicklungsplanung
zu stabilisieren. Darüber hinaus müssen Methoden zur Gewinnung weiterer
Zielgruppen entwickelt werden. Es ist eine Vielzahl kleinerer, niedrigschwelliger
Aktivierungsaktionen notwendig, die darauf abzielt, die Interessen der Wohnbevölkerung
zu organisieren und eine Grundmobilisierung herbeizuführen. Hierdurch wird
die Identifikation mit dem Stadtteil ebenso wie die Integration unterschiedlicher
Bevölkerungsgruppen gefördert.
Hausgemeinschaften und bürgerschaftliches Engagement fördern!
Intakte Hausgemeinschaften sind die Grundlage für soziale Stabilisierungsprozesse
in einem Quartier wie dem H1. Gegenwärtig zeichnet sich das Zusammenleben
durch Anonymität und Abgrenzung aus. Hier sind insbesondere die Wohnungsbaugesellschaften
gefordert, Aktivitäten zu entwickeln, die dazu beitragen Hausgemeinschaften
wieder zu beleben (Hausfeste, gemeinsamer Hausputz, gemeinsam zu nutzende Mietergärten,
Mieterbeiräte, Hauszeitungen, Nachbarschaftshilfen, Conciergemodelle etc.)
Darüber hinaus gilt es auch das Gemeinschaftsgefühl auf Quartiersebene
zu stärken (geplant ist eine Initiative "Aktive Nachbarschaftshilfe").
Integration unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen unterstützen!
Zielsetzung ist hierbei, ein Integrationsmodell für Deutsche und Aussiedler
zu entwerfen. Entsprechend dieser Bevölkerungsstruktur müssen Wege
gefunden werden, die dazu geeignet sind, ein möglichst reibungsloses soziales
Miteinander - in Bezug auf Lärm, Verwahrlosung von Wohnhäusern und
Anlagen, Gewalt und Gewaltandrohungen, Fremdenfeindlichkeit etc. - zu realisieren.
Gleichzeitig sollten auch Angebote entwickelt werden, die dazu beitragen, dass
interkulturelle Konflikte diskutiert und gelöst bzw. ihrer Sprengkraft
beraubt werden können(z.B. über Konfliktberater).
Grundlegende Voraussetzung für die Integration von Aussiedlern und Ausländern ist das Erlangen der deutschen Sprache. Hierzu müssen bestehende Sprachkurse weiter angeboten und weiter entwickelt werden, die didaktisch auf unterschiedliche Zielgruppen eingehen, denn auch Aussiedler und Ausländer sind keine homogene Gruppe. Die Motivation der Kursteilnehmer muss dahingehend gestärkt werden, diese Kurse so lange zu besuchen, bis ein ausreichender Erwerb der deutschen Sprache erreicht worden ist (Zertifizierung, Entwicklung von Qualitätsstandards).
Zukunftsperspektiven für Jugendliche entwickeln!
Im Quartier H1 leben - im Vergleich zu anderen Stadtteilen von Würzburg
- überproportional viele Jugendliche. Mehr als die Hälfte von ihnen
kommt aus Russland. Viele sind durch den kulturellen Übergang von ihrem
Heimatland nach Deutschland verunsichert und in ihrer Entwicklung labilisiert.
Sie suchen Halt und Orientierung. Diese Jugendliche benötigen eine ganzheitliche
Unterstützung, sowohl bei der Gestaltung ihrer beruflichen Perspektiven
als auch bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit über speziell auf
sie zugeschnittene Angebote und Gestaltungsräume.
Integration in den Arbeitsmarkt fördern - Netzwerke aufbauen!
Das Quartier zeichnet sich durch eine hohe Dichte von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern
aus. Hier gilt es die Ressourcen der "Sozialen Stadt" zu nutzen und
die bereits vorhandenen Angebote der Stadt Würzburg zur Integration in
den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt weiter auszubauen.
Insbesondere zur Unterstützung von sozial benachteiligten Zielgruppen bei ihrer Integration in den Arbeitsmarkt gilt es, gezielte Netzwerke und Kooperationsformen aller relevanten Akteure aufzubauen. Durch sie soll ein fachbezogener Austausch und eine qualitative Fortentwicklung von arbeitsweltbezogenen Projekten und Maßnahmen umgesetzt werden.
Familien, Frauen und Kinder in ihrer Potenzialen unterstützen!
Die Potenziale, die Familien, Frauen und Kinder in sich tragen sollen im Rahmen
der "Sozialen Stadt" besonders unterstützt und gefördert
werden. Hierbei ist insbesondere an geschlechtsspezifische Projekte für
junge Frauen und Mütter gedacht.
Abhängigkeitsproblematik bearbeiten!
Im Quartier ist eine starke Abhängigkeitsproblematik zu konstatieren sowohl
bei Erwachsenen als auch bei Jugendlichen. In besonderem Maße hiervon
betroffen sind Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Vor diesem Hintergrund
sollte die bereits vorhanden Angebotsstruktur von Suchtprojekten weiter ausgebaut
und auf die spezifischen Bedürfnislagen der Zielgruppe "Aussiedler"
zugeschnitten werden (Informationsveranstaltungen vor Ort, Aufbau von Selbsthilfegruppen).
Freizeit- und Kulturangebot ausbauen!
Aktuell fehlt es im H 1 an Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen
und Freizeitangebote. Vor allem die Bevölkerungsgruppe der Aussiedler artikulieren
hier einen starken Bedarf, der unterstützt werden sollte.
Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung ernst nehmen!
Obwohl aufgrund der Kriminalitätsrate am Heuchelhof rein faktisch kein
erhöhtes Gefährdungspotential festgestellt werden kann, besteht doch
ein sehr starkes Unsicherheitsempfinden bei der Bevölkerung. Diesem muss
im Rahmen der "Sozialen Stadt" Artikulierungsmöglichkeiten gegeben
werden und es müssen Strategien gegen die subjektive Unsicherheit entwickelt
werden.
Image- und Öffentlichkeitsarbeit ausbauen!
Imageverbesserung und Öffentlichkeitsarbeit muss eine Querschnittsaufgabe
im Rahmen von Interventionsstrategien zur Gegensteuerung der sozialen Abwärtsentwicklung
in einem Quartier wie dem H1 darstellen, die alle Handlungsfelder einbeziehen
muss. Eine Korrektur des bestehenden Negativimages, das einer Identifikation
mit dem Quartier im Wege steht sowie die Förderung eines Positivimages
kann nur durch das ein gezieltes Konzept der Öffentlichkeitsarbeit hergestellt
werden.
Das Projekt Soziale Stadt Würzburg-Heuchelhof basiert auf einer intensiven Einbindung aller am Prozess Beteiligten und hierzu gehören insbesondere die Bevölkerung, Institutionen, Wirtschaft, Verwaltung und die Politik. Vorhandene lokale Potenziale zur Verbesserung der Lebensverhältnisse und der Aufbau selbsttragender Strukturen sollen hierdurch gefördert werden.
Die dem Prozess zugrunde liegende Organisationsstruktur wurde bereits im Dezember 2000 dem Stadtrat vorgestellt. Koordiniert wird das Projekt durch die Steuerungsgruppe, der Mitarbeiter/innen des Bau-, Sozial- und Umweltreferates, der externen Büros, der Wohnungsbaugesellschaften und der Regierung von Unterfranken angehören. In der Projektgruppe Heuchelhof sind Bewohner und Delegierte der auf dem H 1 ortsansässigen Interessengruppen vertreten. In der Projektgruppe sollen Ziele für den Stadtteil entwickelt, konkrete Maßnahmen vorgeschlagen sowie Arbeitsgruppen zur Planung einzelner Maßnahmen initiiert und geleitet werden. Die Arbeitsgruppen nehmen sich spezieller Themenstellungen an. Bislang gibt es Arbeitsgruppen zu den Themen "Schöner Wohnen", "Familie", "Jugend", "Kulturelles Leben", "Seniorengerechte Angebote", "Unser Place de Caen soll schöner werden" sowie Öffentlichkeitsarbeit. Darüber hinaus werden Veranstaltungen mit einem größeren Beteiligtenkreis, z. B. die Planungswerkstatt durchgeführt.
Im Stadtteil Heuchelhof, besonders auch im H 1 wurden bereits in den Jahren vor Programmbeginn wichtige soziale Institutionen geschaffen, sozialpräventive Projekte begründet und Maßnahmen im sozialen Handlungsfeld platziert. Seit dem Start des Programms "Soziale Stadt" wurden weitere wichtige Projekte im sozialen Netzwerk des H 1 begonnen. Für weitere notwendige soziale Maßnahmen sind folgende Aufgabenfelder zu benennen:
Familien, Frauen und Kinder
Für diese Bevölkerungsgruppe fehlt ein selbst organisierter Treffpunkt.
Dies könnte z. B. im Erdgeschoss oder Arkadenbereich eines Hochhauses in
Form einer niedrigschwelligen Anlaufstelle (z. B. Krabbelstube, Spielstube für
stundenweise Betreuung, etc.) erfolgen. Die Lage, Qualität und Ausstattung
vorhandener Spielplätze und Spielflächen ist den neuen Anforderungen
anzupassen.
Jugendliche
Für die Jugendlichen zeigt sich vor allem ein Bedarf an einem nah zum Quartier
gelegenen multifunktional zu nutzenden Aktionsplatz für Jugendliche
als Treffpunkt zum Streetball spielen, zum Fußball spielen, etc. Dieser
Platz könnte in Erweiterung des bestehenden Bolzplatzes an der Gethsemane-Kirche
geschaffen werden.
Weiter entfernt von der Wohnbebauung sollte ein Platz im Freien, der nur minimal
mit Feuerstelle, Sitzgelegenheiten, Papierkörben etc. gestaltet werden
muss, etwas lautstarkere Aktivitäten und z. B. ein Lagerfeuer ermöglichen.
Senioren
Die Senioren vermissen im Stadtteil gemütliche Ecken mit Sitzgelegenheiten
zum Ausruhen bei Spaziergängen, zu einem kleinen Plausch, vielleicht zu
einem Schachspiel. Hier soll Abhilfe geschaffen werden.
Kultur
Vor allem die Zuwanderer aus den GUS-Staaten artikulieren das Bedürfnis
nach Räumlichkeiten, in denen kulturelle Veranstaltungen stattfinden,
Kulturgruppen proben können, in denen gefeiert und getanzt werden kann.
Neben dem bestehenden Stadtteilzentrum sollen hierfür weitere Räumlichkeiten
erschlossen werden, z. B. im Bereich des ehemaligen Hallenbades, Den Haager
Straße 18 oder im Bereich des ehem. Kupsch-Marktes.
Sicherheit - Ordnung - Kriminalität
Im Stadtteil besteht ein subjektives Unsicherheitsempfinden, obwohl die Kriminalitätsrate
kein erhöhtes Gefährdungspotential bestätigt. Die Polizei plant
die Ausweitung der Sicherheitswacht, die durch Mitarbeiter aus dem Aussiedlerbereich
verstärkt werden soll. Durch die verstärkte Kooperation von Polizei,
Justiz, Schule und Jugendhilfe sollen vertrauensbildende Aktivitäten im
Stadtteil umgesetzt, sowie angemessene und konsequente Reaktionen auf Phänomene
wie Überschreitung der Straßenverkehrsordnung, Ruhestörung,
Vandalismus, Gewalt, Drogenkonsum etc. gewährleistet werden.
Bürgerengagement
Das bestehende Bürgerengagement soll weiter gefördert und entwickelt
werden. Mit einer Initiative "Aktive Nachbarschaftshilfe" sollen
Bewohner des Quartiers im Rahmen der bezahlten Bürgerarbeit tätig
werden. Diese Initiative soll in den Bereichen Umwelt, Spiel- und Sportanlagen,
Stadtteilbibliothek, Freizeit- und Ferienangebote, soziale Hilfeleistungen,
Betreuung von Neubürgern aktiv sein. Von der "Aktiven Nachbarschaftshilfe"
sind auch positive Beiträge für die Bereiche Sicherheit und Ordnung
im Stadtteil zu erwarten.
Abhängigkeitsproblematik
Vor dem Hintergrund einer starken Abhängigkeitsproblematik sowohl bei Jugendlichen
wie auch bei Erwachsenen sollten Angebote zur Suchtprävention weiter ausgebaut
und Informationsveranstaltungen durchgeführt werden, in denen insbesondere
den Bewohnern aus den ehemaligen GUS-Staaten die Möglichkeiten der Sucht-
und Drogenhilfe näher gebracht werden sollen. Mit Angehörigen und
Betroffenen sollen Selbsthilfegruppen nach dem Vorbild der anonymen Alkoholiker
aufgebaut werden.
Ausbildung und Beruf
Auffällig ist, dass viele Menschen, die aus den GUS-Staaten kommen, nicht
ausreichend über Wege in Ausbildung und Beruf informiert sind. Hier sollen
vor Ort zukünftig verstärkt Strukturen in Kooperation zwischen Arbeitsamt,
Fachbereich Soziales und den Bildungsträgern geschaffen werden, um Menschen
in Arbeit zu bringen. Ein erster Schritt hierzu wird mit dem neu gestarteten
Projekt Kompetenz und Qualifikation für junge Menschen, finanziert
durch das Bundesfamilienministerium, gegangen, mit dem Zugänge von Jugendlichen
in Ausbildung und Beruf verbessert werden sollen. In diesem Rahmen wird eine
sozialraumorientierte Anlaufstelle zur beruflichen Eingliederung, insbesondere
auch für junge Menschen angestrebt. Im Stadtteil lebt eine größere
Zahl junger Frauen zwischen 16 und 21 Jahren, die aufgrund ihrer persönlichen
Situation und Entwicklung nur schwer in den Arbeitsmarkt bzw. in Berufsvorbereitungsmaßnahmen
integriert werden können. Auch hier sollen Anstrengungen unternommen werden,
in Kooperation mit dem Arbeitsamt und einem Bildungsträger, Mädchen
eine Kombination von sinnvoller ausbildungsorientierter Arbeit, sozialpädagogischem
Training und Unterricht anbieten zu können.
Wesentlicher Bestandteil des integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes ist eine Rahmenplanung, die für alle Beteiligten einen raumbezogenen Orientierungsrahmen bildet. Aufgabe der Rahmenplanung ist es, die städtebaulichen Ziele für das Untersuchungsgebiet Heuchelhof H 1 zu formulieren und die Maßnahmen ihrer Umsetzung räumlich darzustellen. Die Rahmenplanung stellt ein langfristiges Konzept dar, das in prozesshafter Entwicklung stufenweise durch einzelne Projekte umgesetzt werden soll. Sie ist integrierter Bestandteil des allgemeinen Entwicklungskonzeptes und steht in engen Wechselwirkungen zu den anderen Maßnahmen dieses Gesamtkonzeptes. Die Ideen der Planungswerkstatt wurden im Zuge des Beteiligungsprozesses in den verschiedenen Arbeitsgruppen weiter bearbeitet und bilden insgesamt die Grundlage für den vorliegenden Rahmenplan.
Wohnen und Gebäude
Im Handlungsfeld Wohnen und Gebäude ist die Modernisierung des Wohnungsangebotes,
z. B. durch das Angebot von Maisonettewohnungen, die Beseitigung von Barrieren,
Wohnen für Senioren oder die Aufwertung der Penthousezonen anzustreben.
Auch das Angebot von wohnungsbezogenen Dienstleistungen kann zu einer besonderen
Qualität der Bebauung werden. Möglichkeiten bieten hier insbesondere
das Concierge-Modell, das bereits in verschiedenen Großwohnsiedlungen
in Bremen, Hannover und Berlin Anwendung gefunden hat. Neben der Aufwertung
der Wohnqualität werden die Anonymität abgebaut und die soziale Kontrolle
im Gebäude und seinem Umfeld verbessert.
Teile der Bebauung im Untersuchungsgebiet weisen an ihren Fassaden deutliche Abnutzungserscheinungen auf, es treten auch erste Bauschäden auf. Die Wärmedämmung entspricht nicht mehr den aktuellen Baustandards. Gleichzeitig bilden die Fassaden, gerade der hohen Baukörper, die weithin sichtbare Visitenkarte des Stadtteils. Die Modernisierung der Fassaden ist daher sorgfältig zu planen und gestalterisch umzusetzen. Sie bildet ein deutlich sichtbares Signal für die Erneuerung des Untersuchungsgebietes.
Die Arkadenzone hat sich als Bestandteil des Fußwegenetzes nicht bewährt. Statt dessen ist sie verstärkt von Verschmutzung und Vandalismus betroffen. Diese Arkadenbereiche sollen baulich geschlossen und als Raum für andere Nutzungen zur Verfügung gestellt werden. Denkbar ist hier eine Nutzung für gewerbliche Zwecke, Start-up-Unternehmen, Beschäftigungsgesellschaften, Concierge-Lösungen oder auch wohnungsbezogene Angebote. Bei der baulichen Umsetzung sind Varianten denkbar wie die einfache Schließung der Arkadenbereiche, aber auch Ausweitungen durch vorgezogene Bauteile sowie unterschiedliche Lösungen hinsichtlich der Fassadengestaltung. Gleichzeitig wird durch die Schließung der Arkaden die Verbesserung der Wärmeisolierung in den darüber liegenden Wohnungen erreicht.
Die Umgestaltung der Hausvor- und -eingangsbereiche zielt auf die Verbesserung der räumlichen Gliederung und die Schaffung von gebäudebezogenen Gemeinschaftsgrünanlagen. In diesem Rahmen ist auch die Schaffung von Sitzgelegenheiten oder Spielmöglichkeiten für Kleinkinder sinnvoll. Die Wohnumfeldgestaltung bietet große Spielräume, die Bewohner in die Umgestaltung und Umsetzung einzubeziehen, da ein wesentliches Ziel dieser Maßnahme auch die Erhöhung der Identifikation der Bewohner mit ihrem selbstgestalteten Umfeld ist. Im Zuge der Wohnumfeldgestaltung könnten teilweise auch wohnungsnahe Grünflächen als Mietergärten zur Verfügung gestellt werden.
Im Zusammenhang mit der Müllentsorgung sind neben der Sensibilisierung der Bevölkerung für das Müllproblem zusätzlich dezentrale Sammelstellen denkbar. Auch die Neuordnung der Fahrrouten ist zu überprüfen.
Die Verbesserung der Tiefgaragenproblematik ist schwierig, da das Kernproblem die leichte Zugänglichkeit bei fehlender sozialer Kontrolle baulich kaum zu lösen ist, wenn die Funktionalität erhalten bleiben soll. Andererseits kann auf die Tiefgaragen aufgrund des begrenzten Raumangebotes im H 1 nicht verzichtet werden. Bauliche bzw. funktionale Verbesserungen des Bestandes können erreicht werden durch neue Tore und Schlösser, um die Zugänglichkeit einzuschränken, eine bessere Belichtung oder auch durch eine Videoüberwachung.
Grün- und Freiflächen
Das Untersuchungsgebiet weist keine eindeutig öffentlichen Grünflächen
auf. Ein wichtiger Baustein für die Umgestaltung ist daher die Umnutzung
eines zentralen Baugrundstückes an der Hauptwegeverbindung als zentraler
grüner Platz mit der Option auf die Einrichtung eines Cafés.
Damit wird die Mitte des Quartiers betont und ein Anziehungspunkt geschaffen,
der auch über seine Grenzen hinaus in den Stadtteil ausstrahlt.
Des Weiteren liegt außerhalb des Untersuchungsgebietes hinter der Gethsemane-Kirche eine große Grünfläche, die ein erhebliches Potenzial als Freizeit- und Erholungsfläche aufweist. Wie eine Schülerbefragung zum Thema Freizeit im März/April 2002 aufzeigt, besteht für die Jugendlichen ein deutlicher Bedarf nach geeigneten Rasen- und Freiflächen für Spiel und Sport.
Die Grün- und Freiflächen leiden unter einer geringen Differenzierung und gestalterischen Defiziten, die ihre Nutzungsqualität einschränken. Wie auch bei den gebäudebezogenen Grünanlagen soll dem durch eine Neugestaltung der öffentlichen Grün- und Freiflächen mit einer klaren funktionalen und räumlichen Gliederung entgegengewirkt werden. Eine Maßnahme in diesem Sinne können Baumpflanzungen sein, wie sie im Rahmen des Projektes "Bäume der Nationen" angedacht sind. Die Idee dieses Projektes ist, dass jede auf dem Heuchelhof vertretene Nation durch einen typischen Baum repräsentiert wird.
Die vorhandenen Spielplätze sollen gesichert und erneuert werden sowie differenzierte Spielmöglichkeiten für verschiedene Altersgruppen geschaffen werden. Für Jugendliche soll im benachbarten Quartier H 2 ein zusätzliches Angebot geschaffen werden, um den "schwarzen Platz" im angrenzenden Einfamilienhausbereich zu entlasten.
Infrastruktur:
Insgesamt weist das Untersuchungsgebiet eine gute und breite Infrastrukturausstattung
auf, sowohl hinsichtlich der Nahversorgung als auch der sozialen Einrichtungen.
Dennoch sind auch hier einzelne gezielte Ergänzungen sinnvoll. So
lässt sich die geplante zentrale Grünanlage durch ein Café
oder Biergarten in ihrer Naherholungs- und Freizeitqualität weiter verbessern.
Das Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot ist zu sichern und auszubauen.
Als Standort für ergänzende Einrichtungen sind insbesondere der Place
de Caen und die Arkadenzone im Bereich der Nord-Süd-Wegeachse geeignet.
Wie schon im Zusammenhang mit den vorgesehenen sozialen Maßnahmen erwähnt, besteht ein deutliches Defizit bei den verfügbaren Räumlichkeiten für Vereine, sozialen und kulturellen Initiativen im Gebiet. Diese Aktivitäten können maßgeblich zur sozialen Integration im Quartier und zur Identitätsstiftung beitragen. Zu solchen Nutzungen befinden sich im Untersuchungsgebiet Raumreserven in unterschiedlicher Größenordnung: die Arkadenbereiche, das ehemalige Schwimmbad im Gebäude Den Haager Straße 18 sowie im Bereich des ehemaligen Kupsch-Marktes. Ebenso ist die Schaffung von Räumlichkeiten außerhalb des Untersuchungsgebiets in Betracht zu ziehen, beispielsweise im Bereich der leerstehenden Mainpost-Hallen.
Straßen und Wege
Kernpunkt der Maßnahmen im Handlungsfeld Verkehr ist die Umgestaltung
der Nord-Süd-Wegeverbindung zur urbanen Achse. An dieser Achse liegen
alle Versorgungs- und Infrastruktureinrichtungen des Gebietes mit dem Ladenzentrum,
der Grundschule und der Kirche St. Sebastian im Süden, der zentralen Grünfläche
und dem ungenutzten Schwimmbad im mittleren Bereich und dem Stadtteilzentrum
im Norden.
Die Wegeverbindungen vom Untersuchungsgebiet zum Außenbereich sind aufzuwerten. Insbesondere gilt dies für die Verbindung von der Bonner Straße zur Dubliner Straße, da hier gleichzeitig die Radwegeverbindung Richtung Heidingsfeld verläuft. Des Weiteren ist auch die Verbindung vom Place de Caen über die Römerstraße in die südöstlich angrenzenden Grünbereiche aufzuwerten, die eine wichtige ergänzende Naherholungs- und Freizeitfunktion für das Untersuchungsgebiet erfüllen.
Um die Fuß- und Radwegbereiche und damit auch die Wohn- und Aufenthaltsfunktionen zu schützen, soll die Zufahrt zu den Gebäuden auf die Stichstraßen beschränkt werden. Das Wegenetz hingegen soll konsequenter als heute für den Pkw-Verkehr gesperrt werden. Der Straßburger Ring stellt heute eine deutliche Zäsur dar und trennt das Untersuchungsgebiet von den umliegenden Einfamilienhausbereichen. Diese Trennwirkung soll durch Verkehrsberuhigung, Straßenraumeinengungen und gezielte Querungshilfen vermindert werden. Die vorhandene Fußgängerunterführung am Straßburger Ring, Höhe Römerstraße sollte rückgebaut werden und eine Verknüpfung mit dem anschließenden Grünbereich hergestellt werden.
Die Aufwertung des öffentlichen Raumes und die Hierarchisierung des Wegesystems
erfordern eine bauliche Umgestaltung des Hauptwegenetzes und des Place de
Caen. Die Wege müssen entsprechend ihrer funktionalen Aufgaben gestaltet
und dimensioniert sein. Dies bedeutet:
- Neuordnung der Begrünung unter Einbeziehung der angrenzenden neuen Grünfläche
und Entfernung der Pflanzkübel
- Reparatur und Erneuerung des Pflasters
- Beleuchtungskonzept
- Erneuerung und Ergänzung des Mobilars im Straßenraum.
Daneben wurde bei einer Bewohnerbefragung im Juni 2002 auch die Reparatur des Springbrunnens vom Place de Caen als wichtig genannt. Aufwendige Umgestaltungen wurden nur in zweiter Linie gewünscht, was für die Akzeptanz des Platzes spricht. Die Umgestaltung des öffentlichen Raumes macht ein Gesamtkonzept erforderlich, in das auch die Bewohner einbezogen werden sollten. Für die Umsetzung sind gerade Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen besonders geeignet, so dass auch hier eine Verknüpfung zur Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik erfolgen kann.
Als weitere Maßnahme ist die Aufwertung der Stichstraßen
zu nennen, die durch die Umgestaltung zu Mischverkehrsflächen als benutzbare
Freiräume entwickelt werden sollen. Dies beinhaltet neben Änderungen
in Querschnitt und Belag auch die Erhöhung des Grünanteils im Straßenraum,
soweit dies mit den darunterliegenden Tiefgaragen zu vereinbaren ist.