Nordrhein-Westfalen: Wuppertal, Ostersbaum
| Strategische Handlungsfelder: | Aktivierung und Beteiligung |
| Inhaltliche Handlungsfelder: | Image und Öffentlichkeitsarbeit, Stadtteilkultur, Wohnumfeld und öffentlicher Raum |
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Der Schwerpunkt liegt im inhaltlichen Handlungsfeld. | |
I. AusgangssituationDie insgesamt 15 öffentlichen Treppenanlagen stellen im Stadtteil Ostersbaum auf Grund seiner topographischen Lage auf einem Höhenrücken ein städtebauliches Charakteristikum dar. In dem Fußwegenetz bilden oft mehrere Treppen als Abfolge die kürzesten Wegeverbindungen zwischen dem Quartiersmittelpunkt, dem Platz der Republik, und der Innenstadt sowie den Nachbarquartieren in der Talsohle. Auf Grund dieses Vorteils kann eine starke Nutzung der Treppen vermutet werden. An einigen Stellen bieten die Treppen sehr schöne Aussichten über die Stadt. Tatsächlich lässt jedoch die funktionale Bedeutung der Treppen für die Bewohner/-innen nach. Der Grund liegt in der übermächtigen Konkurrenz des Autos. Doch auch nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer/-innen benutzen die Treppen ungern zur Erledigung ihrer täglichen Wege. Das Unbehagen der Nutzer/-innen resultiert überwiegend aus dem schlechten Zustand der Treppen. Schmutz, üble Gerüche, schlechte Beleuchtung und teilweise Unübersichtlichkeit führen zu Unsicherheit. Einige Treppen, die schmale Schluchten zwischen Häuserfassaden darstellen, gelten in den Abendstunden als Angsträume. Wegen der extremen Steigung einiger Treppen sind diese gerade für ältere Menschen, Eltern mit Kinderwagen oder Menschen mit schweren Einkäufen schwer überwindbare Hindernisse. Außerdem werden die Treppenabfolgen häufig von Straßen gekreuzt und somit unterbrochen, was die räumliche Orientierung für die Fußgänger/-innen erheblich erschwert. (Siehe Bilder 1 und 2) II. Projektidee und -zieleAus dem beschriebenen Zustand der Treppen, der auch von vielen Bewohner/-innen auf Bürger/-innenversammlungen bemängelt wurde, resultiert als Ziel des Projekts die Attraktivitätssteigerung der Treppenanlagen mit zwei Schwerpunkten: 1. Verbesserung der alltäglichen Nutzbarkeit der Treppen für die Bewohner/-innen Das Ziel beinhaltet die Beseitigung aller Unbehagen bereitenden Mängel. - Die Treppen sollen sauberer, sicherer und heller werden. - Angsträume müssen beseitigt werden. - Kurze Wege sollen wieder hergestellt werden. 2. Erhöhung der Nutzungsvielfalt der Treppen - Gestaltung der Treppen als interessante und spannende "Erlebnis"-Räume - Treppen als Symbole des Stadtteils zur Förderung der Identifikation der Bewohner/-innen - Förderung des Stadtteilimages nach innen und außen Neben der Herstellung der "Selbstverständlichkeiten" wie Sicherheit und Sauberkeit sollen unkonventionelle Ideen zur vielfältigen Nutzung der Treppen gefördert werden. In diesem Erneuerungsprozess wie im gesamten Stadtteilprojekt spielen die Bewohner/-innen eine große Rolle. Denn um die Ziele zu erreichen, müssen die Bewohner/-innen die Treppen als Lebensräume und attraktives Wohnumfeld annehmen. III. Umsetzung der Projektziele1. Verbesserung der alltäglichen Nutzbarkeit der Treppen für die Bewohner/-innen Seit Herbst 2000 wird im Rahmen eines Beschäftigungsprojektes der Stadt Wuppertal, Stadtbetrieb Weiterbildung, eine Grundsäuberung der Treppen sowie die Beseitigung kleinerer Mängel, wie z.B. Fugen erneuern und Handläufe streichen, vorgenommen. Obwohl die Mängel im einzelnen die Benutzung der Treppen wenig beeinträchtigen, hat deren Beseitigung im Gesamten eine positive Wirkung. Momentan wird geprüft, ob ähnliche Arbeiten von Mitarbeitern des "Stadtteilservice Ostersbaum", eines neuen Beschäftigungsprojekts für Langzeitarbeitslose, durchgeführt werden. 2. Erhöhung der Nutzungsvielfalt der Treppen Die Umsetzung und Erreichung dieses Ziels ist langfristig zu sehen. Die Umgestaltung der Treppen von reinen Verkehrswegen zu attraktiven Lebensräumen für die Bewohner/-innen soll nachhaltig deren Lebensqualität steigern und das Image des Stadtteils nach innen und außen positiv beeinflussen. IV. IdeenwerkstattIm August 1999 wurde eine interdisziplinäre Ideenwerkstatt mit Architekt/-innen, Landschaftsplaner/-innen, Student/-innen, Künstler/-innen und Verwaltungsangestellten veranstaltet, die zum Großteil selbst im Stadtteil leben oder arbeiten. Ziel war, phantasievolle und unkonventionelle Lösungen zur Umgestaltung der Treppen zu erhalten. Trotz der Ideenvielfalt kristallisierten sich vier Schwerpunkte heraus, die für die weitere Bearbeitung wichtig waren:
Die Ergebnisse des Workshops wurden in einer Broschüre dokumentiert. Treppen werden nicht nur als ein orts- und stadtteiltypisches, städtebauliches Element verstanden, sondern als funktionaler Bestandteil des Lebensumfeldes der Bewohner/-innen. Es bestand Konsens bei den Werkstattteilnehmer/-innen, dass die Grundlage für eine sinnvolle Aufwertung der Treppen die frühzeitige Einbindung der Bewohner/-innen und die damit verbundene Schaffung von Aufmerksamkeit auf oftmals vergessene oder aber bewusst gemiedene Wegeverbindungen darstellt. V. Von der BewohnerInnenbeteiligung zur ImageförderungUm die Aufmerksamkeit der Bewohner/-innen auf die Treppen zu lenken, wurden im Jahr 2000 einige öffentlichkeitswirksame Events nach den Ideen der im Stadtteil lebenden Künstlerin Diemut Schilling veranstaltet: Bereits die erste Aktion "Lichterwege", die auf die schlechte Beleuchtungssituation auf den Treppen hinwies, hat die Erwartungen der Veranstalter weit übertroffen. Etwa 1.000 Menschen aus 30 sozialen Einrichtungen, Vereinen und Gruppen haben alle 15 öffentlichen Treppen im Stadtteil für einen Abend in ein farbenprächtiges Lichtermeer verwandelt. Sie haben ca. 3.000 Gläser farbig angemalt, mit Kerzen bestückt und in verschiedenen Mustern auf den Treppen postiert. Diese Veranstaltung hat in der Bevölkerung enormen Anklang gefunden und einen bürgerfestähnlichen Charakter angenommen. Seitdem findet "Lichterwege" jährlich Anfang Februar statt. Als Veranstaltung mit einer Art "Kult"-Charakter ist "Lichterwege" weit über Wuppertals Grenzen hinaus bekannt. 2004 hat der Stadtteil den 2. Preis im Imagewettbewerb Soziale Stadt NRW gewonnen. (Siehe Bild 3) Zwei weitere Events im Jahr 2001 haben sich mit dem Schmutz und den Treppen als Angstraum beschäftigt. Im Jahr 2006 folgten zwei weitere Großveranstaltungen, die im Rahmen der REGIONALE 2006 durchgeführt wurden. Der 1. Wuppertaler Treppenlauf war mit ca. 700 Läufer/-innen und Tausenden Zuschauern ein Riesenerfolg. Die Veranstaltung stellte eine gelungene Verknüpfung zwischen der städtebaulichen Erneuerung und Sport- und Gesundheitsförderung dar. Einige Treppen wurden mit Beteiligung von Jugendlichen künstlerisch inszeniert und die Wegmarkierung für den Treppenlauf war ein Wuppertaler Gesamtkunstwerk. Tausende Menschen haben unter dem Motto "Menschen laufen durch Wuppertal" in Monate langer Arbeit ein 6,5 km langes rotes Stoffband bemalt. Von vielen Seiten wurde eine Wiederholung gewünscht. Momentan werden Sponsoren für den 2. Wuppertaler Treppenlauf gesucht. (Siehe Bilder 4 und 5) Im September/Oktober 2006 hat die Elisabeth-Montag Stiftung eine zweimonatige Kunstausstellung auf sieben Treppen veranstaltet. Sieben international arbeitende Künstler haben sich mit den Treppen auseinandergesetzt, was eine sehr große Aufmerksamkeit weit über Wuppertals Grenzen hinaus auf den Stadtteil Ostersbaum gelenkt hat. Das Projekt hat aber nicht nur eine positive Außensicht gefördert, sondern mit Hilfe vieler Führungen, auch für Kinder und Jugendliche, zur Auseinandersetzung vieler Bewohner/-innen mit Kunst im öffentlichen Raum geführt. Zum Erhalt eines der Kunstwerke haben Bewohner/-innen Unterschriften gesammelt und erreicht, dass dieses Kunstwerk in die geplante Umgestaltung einbezogen und somit aus einem temporären ein dauerhaftes Kunstwerk wird. Zwei Objekte sind leider Vandalismus bzw. Souvenirjagd zum Opfer gefallen. Aber einem Aufruf zur Finissage, zum Dank an die Stiftung und die Künstler, sind über 100 Bewohner/-innen gefolgt und haben ein zerstörtes Kunstwerk förmlich "aufleben" lassen. (Siehe Bilder 6 bis 8) Mit den Veranstaltungen wurde das Ziel erreicht, auf unterschiedliche Art und Weise die Bewohner/-innen, Erwachsene und Kinder, aufmerksam zu machen und sie zu einer Auseinandersetzung mit den Treppen anzuregen. Die Treppen wurden zu einem Image-Faktor im Stadtteil aufgewertet. Neben den auf viele Mitwirkende ausgerichteten Veranstaltungen beschäftigen sich aber auch kleinere Gruppen mit dem Thema. Eine AG der Else-Lasker-Schüler-Gesamtschule hat positive und negative Merkmale der Treppen aufgenommen. Die SchülerInnen haben Bewohner/-innen zu ihren Meinungen über die Treppen befragt. Die Ergebnisse haben sie mit dem Architekten diskutiert, der mit der Umplanung einer Treppe beauftragt ist. VI. Umgestaltung der TreppenUm dauerhafte Lösungen zur Attraktivitätssteigerung zu erreichen, hat die Umgestaltung mehrerer Treppen begonnen. Vier Treppen werden als Erlebnis- und Aufenthaltsräume gestaltet. Die Bewohner/-innen sollen die Treppen nicht nur als Verkehrswege, sondern als erweiterten attraktiven Lebensraum nutzen können. Bei diesen vie Treppen handelt es sich um schmale Wege, teilweise mit einem schluchtartigen Charakter aufgrund der die Treppen begrenzenden hohen Hausfassaden. Auf diesen Treppen werden die Stufen und Podeste saniert. Auf allen Treppen werden neue Lichtanlagen installiert, damit sie eine helle und freundliche Atmosphäre erlangen. In Abstimmung mit den Hauseigentümern der Nachbargrundstücke werden die Fassaden saniert, gestrichen und mit einem Anti-Graffity-Schutz versehen. Auf den Treppen werden verschiedene Spielgeräte aufgestellt, die die Aufenthaltsqualität für Kinder erhöht und damit die begrenzten Spielmöglichkeiten in einem sehr dicht bebauten Stadtteil erweitert. Die Spielgeräte sind sehr robust und somit resistent vor Vandalismus. (Siehe Bild 9) Um in den Treppenschluchten eine besondere Aufenthaltsqualität zu schaffen und um Verschmutzungen und Graffity-Schmierereien auf den neu gestrichenen Fassaden zu reduzieren, werden die meisten Fassaden durch Kunstprojekte verschönert, die mit Beteiligung vieler BewohnerInnen des Stadtteils und unter Anleitung von KünstlerInnen umgesetzt werden. Die Schleswiger Treppe wird zur "Wunschtreppe". Über 150 BewohnerInnen haben ca. 500 Wunschmedaillen hergestellt. Dies sind selbst hergestellte runde Tonkacheln, auf denen die Menschen ihre größten Wünsche verewigt haben. Mit bunten Glasuren bemalt und anschließend gebrannt werden die sehr robusten und wetterfesten Kacheln auf die Fassaden geklebt, so dass sie wie Seifenblasen die Treppe herunterschweben. Bereits während der Anbringung der ersten Kacheln haben alle NutzerInnen der Treppe großes Interesse gezeigt, sich die Wünsche ihrer Nachbarn angeschaut und sich vielleicht über ihre eigenen Wünsche und Träume Gedanken gemacht. Die Treppe lädt nun zum Verweilen ein. An diesem Projekt waren Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren unterschiedlichster Nationalität beteiligt, so dass die Wünsche nicht nur in deutscher, sondern auch in türkischer, russischer und polnischer Sprache geäußert wurden. (Siehe Bilder 10 bis 12) Die Flensburger Treppe erhält ein gemaltes Wandfries, das aus Schatten von StadtteilbewohnerInnen bestehen wird. Über die gesamte ca. 50 Meter lange Fassade wird das etwa 1m hohe Wandfries ab dem Handlauf aufwärts verlaufen. Die Menschen können sich in markanten Posen, verkleidet oder mit ihren Lieblingsgegenständen oder Haustieren fotografieren lassen. Am Computer werden die Fotografierten zu verkleinerten Schatten stilisiert. Im Frühjahr 2008 können alle ihre Schatten auf der Treppe suchen. Oben und unten eingerahmt wird das Fries von einem endlosen Band von nicht beantwortbaren Fragen wie z.B.: Hat ein Regenwurm Träume? (Siehe Bild 13) Auf der Holsteiner Treppe wird das Kunstwerk "Scala" von Horst Gläsker, das eigentlich ein temporäres Kunstwerk der Ausstellung "7 Treppen" der Elisabeth-Montag-Stiftung im Herbst 2006 war, für einen längeren Zeitraum erneuert. In bunten Farben begleiten Gefühlsausdrücke jeglicher Art stufenweise die "Aufsteigenden". Das Kunstwerk fordert die Menschen im Stadtteil auf, sich mit ihren Gefühlen auseinander zu setzen. Das Kunstwerk hat vielen Nachbarn der Treppe so gut gefallen, dass sie mit einer Unterschriftenaktion bewirkt haben, dass es in die zukünftige Planung eingebunden wird und für mehrere Jahre erneuert wird. Dieses Projekt zeigt, dass auch temporäre Aktionen eine nachhaltige Wirkung erzielen können. Ein türkischer Jugendlicher hat sogar einen Rap auf die Treppe komponiert. (Siehe Bild 6) Die Beispiele zeigen, wie Kunstprojekte unterschiedlicher Art die Aufenthaltsqualität der Treppen enorm steigern können. Menschen aus dem Stadtteil tragen zur Verschönerung ihres Umfeldes bei, was ihren Stolz und ihre Identifikation mit ihrem Wohnquartier erhöht. VII. Resümee
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Gabriele Kamp
Bewohnerinnen / Bewohner
nein
Mittel aus Landesprogrammen, Kommunale Mittel
Stadt Wuppertal
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Stand: 23.10.2007 |