soziale stadt - bundestransferstelle

Bund-Länder-Programm "Stadtteile mit
besonderem Entwicklungsbedarf - Soziale Stadt"
  

Beispiel: Evangelische Gesamtschule, Schul- und Stadtteilzentrum

Gelsenkirchen - Bismarck/Schalke-Nord

Projektbeschreibung

Mit dem Neubau einer multikulturellen und multikonfessionellen Gesamtschule - etwa 35 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind nichtdeutscher Herkunft - wurde auf die defizitäre schulische Infrastruktur im Stadtteil Bismarck/Schalke-Nord reagiert. Der 1998 eröffnete Neubau basiert auf einem ambitionierten städtebaulichen Konzept, das aktuelle ökologische Erkenntnisse der Architektur (Niedrigenergiehaus-Standard, Holzkonstruktion usw.) ebenso einbezieht wie die Öffnung der Schule.

Fotos: Stadtteilbüro Gelsenkirchen-Bismarck/
Schalke Nord

Dabei öffnet sich die Schule sowohl nach innen für neue Formen, Methoden und Inhalte des Unterrichts als auch nach außen zum Stadtteil, zur Lebenswelt im Umfeld der Schule. Durch das Konzept "Familien-, Erziehungs-, Lebens-, und Stadtteilschule (FELS)" werden pädagogische Ansätze verwirklicht, die direkt an der Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen im Stadtteil anknüpfen, indem

  • in der Schule eine häusliche Atmosphäre durch den Bau von "Klassenhäusern" geschaffen wird,
  • den Kindern durch eine Vielzahl von Projekten die Möglichkeit eröffnet wird, aufbauend auf ihren alltäglichen Erfahrungen zu lernen,
  • die Kinder gemeinsam andere Kulturen kennen akzeptieren lernen sowie die multikulturelle Vielfalt als Bereicherung erleben.

Die Gemeinschaftsräume der Schule (Aula, Werkstätten, Turnhalle, Büros) wurden bewusst so geplant, dass sie unabhängig vom Schulbetrieb von örtlichen Vereinen und Initiativen genutzt werden können. Auf diese Weise sind ein kulturelles Zentrum und eine öffentliche Begegnungsstätte für den Stadtteil entstanden. Für Aktionen und Ausstellungen auf dem Schulgelände steht darüber hinaus ein im Rahmen der Schlusspräsentation der IBA Emscher Park 1999 in Pyramidenform errichtetes und an die Schule übergebenes Gebäude zur Verfügung.

Bei der Planung der Schule waren Schülerinnen und Schüler, Lehrer- und Elternschaft aufgefordert, ihre Ideen und Vorstellungen einzubringen. Auch beim Bau selbst waren sie beteiligt.

Good-Practice-Begründung

Sowohl städtebaulich-architektonisch als auch pädagogisch geht das Konzept der Evangelischen Gesamtschule weit über traditionelle Herangehensweisen hinaus und enthält viele innovative Elemente. Durch das Projekt werden mehrere Handlungsfelder integrierter Stadtteilentwicklung miteinander verknüpft: Schule und Bildung, Soziale Aktivitäten, Umwelt, Stadtteilkultur, Sport und Freizeit, Zusammenleben im Stadtteil (Mehrzielprojekt). Die Gesamtschule wirkt in zweierlei Hinsicht integrierend: Mit der Öffnung nach außen integriert sich die Schule selbst in den Stadtteil, mit den neuen Formen der multikulturellen Erziehung leistet sie einen Beitrag zur Integration der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Die intensive Beteiligung und Mitwirkung von Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft haben zu einer hohen Identifikation mit der Schule und dem Stadtteil geführt. Als Schlüsselprojekt der integrierten Stadtteilentwicklung hat die Schule eine große Impulswirkung für die Weiterentwicklung des Gebiets.

Projektträger und Beteiligte


  • Evangelische Schule in Westfalen e.V. Gelsenkirchen (Projektträger)
  • Evangelische Kirche von Westfalen, Baureferat/Schuldezernat (Projektleitung und Schulträger)
  • Prof. Peter Hübner - plus+bauplanung GmbH, Neckartenzlingen (Architekt und Generalplaner)
  • IBA Emscher Park GmbH, Gelsenkirchen
  • Eichhorn & Co. GmbH, Köln (Generalunternehmer)
  • Baufirmen

Zielgruppen


  • Kinder/Jugendliche (mit Migrationshintergrund)
  • Initiativen/Vereine
  • Quartiersbevölkerung

Projektkosten und Finanzierung


  • Mittel aus Landesprogrammen:
    • Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (Zuschuss von 3 000 000 DM für die Gebäude und Außenanlagen, die für die Stadtteilarbeit genutzt werden) aus Stadterneuerungsmitteln (90 Prozent)
  • Kommunale Mittel:
    • Stadt Gelsenkirchen (Grundstück stammt aus städtischen Liegenschaften und wurde der Evangelischen Kirche kostenfrei verpachtet)
  • Kirchliche Mittel:
    • Kirchenkreis Gelsenkirchen (stellte ein zinsloses Darlehen in Höhe von 2 000 000 DM zur Verfügung)
    • Evangelische Landeskirche (Kosten für den Neubau in Höhe von 21 Mio. Euro bis zur endgültigen Fertigstellung 2004; Anmietung aller Räume vom Verein "Ev. Schule in Westfalen", Refinanzierung der Miete entsprechend dem Ersatzschulfinanzierungsgesetz in Nordrhein-Westfalen, Übernahme des zehnprozentigen städtischen Eigenanteils).
  • Diverse Banken

Laufzeit


  • Seit Januar 1996 fortlaufend

Weitere Informationen


  • Austermann, Klaus, und Ralf Zimmer-Hegmann, Analyse der Umsetzung des integrierten Handlungsprogramms für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf, Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.), Dortmund 2000
  • Austermann, Klaus (ILS), Marcelo Ruiz (AGB) und Matthias Sauter (AGB), Integrierte Stadtteilentwicklung auf dem Weg zur Verstetigung. Gelsenkirchen-Bismarck/Schalke-Nord. Abschlussbericht der Programmbegleitung vor Ort (PvO) im Rahmen des Bund-Länder-Programms "Soziale Stadt" im Auftrag des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), Dortmund 2002 (ILS-Schriften, Bd. 186)
  • Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck (Hrsg.), Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck, Januar 2000
  • PÄD Forum, Sonderheft über die Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen, Ausgabe 2/2000
  • Beschreibung in der Soziale-Stadt-Projektdatenbank

Ansprechpartnerinnen und -partner

Projektebene

Kommunalebene

Fritz Sundermeier

Evangelische Schule in Westfalen e.V.
Pastoratstraße 10, 45879 Gelsenkirchen
Telefon: +49 (0)5223/522492
Telefax: +49 (0)5223/522217

Harald Lehmann

Schulleiter, Evangelische Gesamtschule
Gelsenkirchen Bismarck
Laarstraße 41, 45889 Gelsenkirchen
Telefon: +49 (0)209/983030

Wolfram Schneider

Stadt Gelsenkirchen
Referat 61/3 Stadtplanung
45875 Gelsenkirchen
E-Mail:
Telefon: +49 (0)209/1694531
Telefax: +49 (0)209/1694803

Stand: 2003



  
 

Quelle: Deutsches Institut für Urbanistik: Good Practice in Altbau- und gemischten Quartieren. Eine Analyse im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt", Arbeitspapiere zum Programm Soziale Stadt Bd. 10, Berlin, 2003

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